Vor 50 Jahren wurden mit der Aufbereitungsanlage Weichen für Großenkneten gestellt

Mit dem Erdgas kam der Wohlstand

Die beleuchtete Erdgasaufbereitungsanlage bei Sage in der Abenddämmerung.
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Die Erdgasaufbereitungsanlage bei Sage: Ihr Bau veränderte die Entwicklung der Gemeinde Großenkneten bis heute nachhaltig.

Sage – Ziemlich genau 50 Jahre ist es her, dass für die Gemeinde Großenkneten ein ganz eigenes, ein „Erdgas-Zeitalter“ begann. Nahe der Ortschaft Sage steht seitdem eine Erdgasaufbereitungsanlage des amerikanischen Großkonzerns Exxonmobil. Und diese ist, nach Aussage des Unternehmens, eine der modernsten ihrer Art – und das weltweit.

Die Wurzeln für den technischen Komplex liegen allerdings noch etwas weiter in der Vergangenheit: Im Jahr 1963 wurde in der Bauerschaft Hengstlage ein großes Erdgaslager entdeckt – es gilt zusammen mit dem bei Goldenstedt im Landkreis Vechta, das ab demselben Jahr erschlossen wurde, nach wie vor als eines der größten Vorkommen in ganz Deutschland. Mit diesem Erdgas hatte es noch eine Besonderheit – es handelt sich dabei um sogenanntes Süßgas. Die Erschließung der in diesem Gebiet ebenfalls vorhandenen sogenannten Sauergasfelder begann erst Mitte der 1960er-Jahre. Letzteres weist einen deutlich höheren Anteil an Schwefelwasserstoff auf und ist damit nicht für den Endverbraucher geeignet. So musste zwingend die Frage geklärt werden, wie das Sauergas „gebrauchsfertig“ zu machen sei.

Sage erhält den Vorzug

1968 wurde daher für den Bau einer Entschwefelungsanlage ein geeigneter Standort gesucht. Der Aufbereitungskomplex sollte idealerweise in der Nähe der Bahn liegen, um einen eigenen Gleisanschluss zu ermöglichen. Ebenso sollte sich der Standort nicht in direkter Nachbarschaft eines Ortes befinden. Die Verantwortlichen traten mit der Standortfrage an den damaligen Kneter Gemeindedirektor Herbert Wolff heran. Dabei kamen eine Fläche nördlich von Ahlhorn mit der Flurbezeichnung „Hahnenkämpe“ sowie die nordöstlich von Sage gelegene Fläche vor dem „Kuhberg“ infrage. Wolff plädierte zwar für „Hahnenkämpe“, jedoch fiel die Entscheidung wegen des Gleisanschlusses letztlich zugunsten des Gebiets „Kuhberg“.

Der Bau der riesigen Anlage sollte gewaltige und nachhaltige Veränderungen für die Kommune mit sich bringen. Gemeindedirektor Wolff erklärte Anfang Januar 1971 gegenüber der Presse: „Mit dem Bau der Erdgasaufbereitungsanlage hat Großenkneten den Sprung von der Agrar-Gemeinde zum Industriestandort mit überragender Bedeutung im ersten Anlauf geschafft.“ Und das bedeutete nicht zuletzt einen regelrechten Geldsegen, der über Großenkneten hereinbrach. Wolff weiter: „Die Gemeinde kann dank der zu erwartenden Gewerbesteuer zuversichtlicher als je zuvor in die Zukunft blicken. Zwar ist der Ratshausneubau finanziell gesichert, aber auf dem Schulsektor bricht die Ausgabeflut wie ein Sturzbach über Großenkneten herein, wenn aus Plänen Wirklichkeit werden soll.“ Dabei ging es um den neuen Sekundarbereich für alle Grundschüler der Gemeinde in Ahlhorn, der nach damaligen „vorsichtigen Schätzungen“ mit rund neun Millionen D-Mark zu Buche schlagen sollte.

Ein Geldsegen für die Gemeinde

„Ist Dringliches damit geschaffen, könnte die Gemeinde Wünschenswertes realisieren: das zentral gelegene Freibad und Kindergärten für Großenkneten und Huntlosen“, so Wolff weiter. „Erdgas macht’s möglich“, hoffte der Verwaltungschef. Und das hat sich seitdem auch nicht entscheidend geändert: Die Sager „Erdgasfabrik“ trug und trägt einen erheblichen Anteil zum Gewerbesteueraufkommen der Gemeinde Großenkneten bei.

Etwa 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas sind seit der Inbetriebnahme der Erdgasaufbereitungsanlage an dem Standort „gewaschen“, also produziert, worden. Mit dieser Menge könnte man alle niedersächsischen Haushalte für mehr als 40 Jahre mit Energie versorgen. Bei der Abscheidung des Schwefelwasserstoffs fällt elementarer Schwefel als Nebenprodukt an. Insgesamt sind in der Anlage rund 150 Mitarbeiter für Exxonmobil tätig, berichtet der Konzern auf Anfrage unserer Zeitung.

Investition in die Zukunft

Im Herbst vergangenen Jahres hatte das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in die Zukunft der Anlage investiert, um weiterhin das in der Region geförderte Rohgas direkt vor Ort aufzubereiten. Dabei erfolgten im Rahmen einer alle zehn Jahre fälligen und zwei Monate andauernden Hauptwartung sowie umfangreiche Prüfungen aber auch Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen. „Sie sorgen dafür, dass die Erdgasaufbereitungsanlage für die kommenden Jahre fit gehalten wird“, heißt es aus der Deutschlandzentrale des Konzerns in Hannover. 2014 hatte Exxonmobil 64 Millionen Euro in den Bau einer hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlage investiert. Durch ihren Einsatz werden laut Unternehmensangaben bis zu 70 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart.

Bauphase: Ein Schornstein wächst empor. Repro: faß

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