Ahlhorner Fischteiche: Landesforsten weisen in Hannover auf die Bedrohung des Biotops hin

Ministerien sind jetzt gewarnt

Zu wenig Wasser, zu viele Nährstoffe: Der Wasser-Schwaden („Wassergras“) verdrängt zusehends andere Pflanzen in den Ahlhorner Fischteichen. Die Tierwelt reagiert entsprechend. Foto: Terrasi

Ahlhorn/Hannover – Sie sind nicht nur bei Naturfreunden und Ausflüglern beliebt, sondern stellen ein wichtiges Biotop im Oldenburger Land dar: die Ahlhorner Fischteiche. Auch wenn die Anlagen dort idyllisch und gesund wirken, täuscht zumindest der letzte Eindruck. Denn dem Naturschutzgebiet geht es schlecht: Zu wenig frisches Wasser gelangt in die dortigen Bassins, und der Nitrateintrag ist viel zu hoch, Flora und Fauna wandeln sich. In einem umfangreichen Messprogramm hat das Team der Landesforsten die negativen Einflüsse gemessen und ihre Auswirkungen dokumentiert. „Für uns und die Region geht es um ein ernst zu nehmendes Thema“, hatte die Leiterin des Ahlhorner Forstamtes, Regina Dörrie, bei einer ersten öffentlichen Vorstellung der Ergebnisse die Situation zusammengefasst (wir berichteten).

Doch dabei ist es nicht geblieben: Am Mittwoch hat Dörrie zusammen mit der Geowissenschaftlerin Tina Wixwat (die die Messungen überwacht und ausgewertet hat) und dem Waldökologen Jörn Schöttelndreier in Hannover die Daten an berufener Stelle vorgestellt, berichtet Landesforsten-Pressesprecher Reiner Städing im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Trio habe sich in der Landeshauptstadt im Landwirtschaftsministerium mit vier hochrangigen Vertretern des Hauses sowie zwei weiteren aus dem Umweltministerium getroffen und die Ergebnisse vorgestellt. Nicht zuletzt seien die Zuhörer von der Menge, Frequenz und der Qualität der gewonnenen Daten beeindruckt gewesen, berichtet er weiter. Anerkennung habe das finanzielle Engagement gefunden, so Städing: Denn immerhin hätten die Landesforsten „einen hohen fünfstelligen Betrag“ investiert.

Aufmerksamkeit habe der viel zu geringe Zulauf an frischem Wasser erregt, der den Pegel der Teiche immer weiter sinken lasse. Und der Bedarf sei inzwischen groß: Der Niederschlag in den vergangenen Tagen etwa bringe „gar nichts“, verdeutlicht Städing. „Wir haben zwar schlechtes Sommerwetter, doch für Wald und Teiche ist das zu wenig.“ Doch nicht nur die Menge erregte Aufmerksamkeit, der Nitratgehalt des Wassers ebenso: Denn den hatten die Ahlhorner mit 37 Milligramm je Liter im Zulauf gemessen. Laut einer bestehenden Verordnung, so Städing, liege das „Bewirtschaftungsziel“ aber bei lediglich zwölf Milligramm – also einem Drittel des Gemessenen. Diese Erkenntnis habe „eine gewisse Brisanz“ für die Handelnden, so der Pressesprecher. Die Ministeriumsvertreter seien sich einig gewesen, dass sich Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies „zusammensetzen“ und über mögliche Lösungen beraten sollten. So könne mittelfristig etwa ein „Moderationsprozess“ zwischen allen Beteiligten – etwa auch Landwirten – entstehen. Zunächst solle jedoch die Überwachung der Teiche ausgeweitet werden, indem zusätzlich die Verdunstung und Versickerung gemessen werden. Zusammen mit dem Seenkompetenzzentrum des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Sulingen solle zudem der Phosphorgehalt des Wassers bestimmt werden. Einen Folgetermin vereinbarten die Gesprächsteilnehmer allerdings nicht, gleichwohl wollen alle Partien weiter im Austausch bleiben. „Das war keine Eintagsfliege“, sagt Städing abschließend.  fra

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