Bauhof muss Seitenstreifen mähen

„Millionen von Blüten am Straßenrand“

Eine Frau hält eine Blume hoch. Im Hintergrund steht ein Mann an einem Gebüsch.
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Edith Kaminski und Dirk Faß möchten nicht, dass die Seitenstreifen – wie hier zu sehen – kurz abgemäht werden.

Steinloge – Edith Kaminsiki, sonst bekannt als Sprecherin der Tierschutzgruppe Oldenburg-Land, steht am Rand der Buchenallee bei Steinloge. An diesem Morgen geht es ihr allerdings zunächst nicht um Tiere, sondern um Pflanzen. In ihrer Hand hält sie eine violette Aster. Der Graben gegenüber der Station der Exxonmobil ist unter anderem dicht mit grünen Büschen dieser Pflanze bewachsen.

Doch das soll nicht mehr lange so bleiben: Denn, wie sie erfahren habe, rücke bald der Bauhof der Gemeinde an, um die Seitenränder zu mähen. Etwas entfernt ist dies auf der anderen Straßenseite augenscheinlich schon geschehen. Die Pflanzen aber, so Kaminski, böten Insekten Nahrung und Unterschlupf.

Im Zuge des Insektensterbens könne sie solche Maßnahmen nicht verstehen: „Das wird runtergeraspelt“, sagt sie, „das kostet Insekten das Leben.“ Auch, dass andernorts mit Aufwand und Kosten Blühstreifen angelegt werden, sei für sie keine Lösung. „Damit ist es nicht getan“, sagt sie. Etwa, weil dabei oft nur einjährige Saaten verwendet werden. Die Ahlhornerin hat einen Zettel dabei, auf der sie einige wilde Blühpflanzen aufgeführt hat, die ihr an den Wegseitenrändern des Rüspelbusch und an deren Stellen in der Gemeinde Großenkneten aufgefallen sind: 36 Arten sind dort verzeichnet, vom Schöllkraut und der strahlenlosen Kamille, über Weiß- und Rotklee bis hin zum gewöhnlichen Leinkraut und wildem Kümmel.

„Natur am Wegesrand“

Doch sei sie natürlich nicht grundsätzlich gegen jegliches Mähen, zeigt sich Kaminski durchaus kompromissbereit. Doch müsse dies „mit Augenmaß“ geschehen. Auch dürfe nicht alles bis auf zwei Zentimeter abgemäht werden – das koste Kleintieren das Leben. Das dürfe einer Vorstellung von Ordnung und Ordentlichkeit in der Natur nicht untergeordnet werden, so die 72-Jährige. „Das ist eine Denkweise, die wir uns nicht leisten können.“ Dirk Faß, Grüner Rats-Kandidat aus Sage-Haast, den sie an diesem Morgen eingeladen hat, stimmt ihr zu. „Das ist ein Streifen Natur am Wegesrand“, befindet er. Und das in einer Gegend, wo sich sonst viele Monokulturen befinden. Daher solle man den Pflanzen eine Chance geben, meint Faß. „Bis zum Hegeler Bach ist es von hier nur ein knapper Kilometer“, so Kaminski, „aber es sind Millionen von Blüten.“

Der Seitenstreifen bei Steinloge präsentiert sich noch dicht bewachsen.

Erhard Schröder, Leiter des Bauamtes der Gemeinde Großenkneten, ist die Lage bekannt. Der Bauhof der Gemeinde habe für die kommunalen Straßen ein eigenes Programm, das dieser dann auch in eigener Verantwortung abarbeite. Hauptaugenmerk sei dabei die Verkehrssicherheit: So müssten Einmündungen gut einsehbar sein, Leitpfosten erkennbar. Letztere seien etwa an der Buchenallee vollkommen zugewuchert. Die Gemeinde habe nicht die Möglichkeit, nicht zu mähen. Und etwa einen Plan aufzustellen, wo und wann gemäht werden dürfe und an welchen Stellen nicht, sowie die Mitarbeiter in Bezug auf die Pflanzen zu schulen, sei schlichtweg nicht umsetzbar. Anrufe bezüglich bewachsener Straßenränder erreichten ihn immer wieder, so Schröder. Allerdings forderten mehr Anrufer, dass die Gemeinde mähen solle, als dieses zu unterlassen. „Insbesondere nach Regenschauern, wenn Gras auf die Radwege gekippt ist.“  fra

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