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Milde Strafe wegen des „Familienfriedens“

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Von: Dierk Rohdenburg

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Ein 38-Jähriger hatte Angst vor dem Gefängnis, kam dann aber mit einer geringen Strafe davon.
Ein 38-Jähriger hatte Angst vor dem Gefängnis, kam dann aber mit einer geringen Strafe davon. © dr

Wildeshausen/Großenkneten – Große Angst vor einer Gefängnisstrafe hatte ein bereits vorbestrafter 38-Jähriger aus der Gemeinde Großenkneten, der sich nun vor dem Amtsgericht in Wildeshausen verantworten musste.

Laut Staatsanwaltschaft hatte er seiner Frau, die auch Mutter der drei gemeinsamen Kinder ist, am 10. Dezember 2020 gegen 22.30 Uhr in der gemeinsamen Wohnung mit Schlägen blutende Verletzungen im Gesicht zugefügt. Als die Polizei erschien, soll er die Beamten als „Hurensöhne“, „Arschlöcher“ sowie „Rassisten“ und später als „Pisser“ und „Schlampen“ bezeichnet haben.

Am Ende verließ der Mann den Gerichtssaal aber mit einer Geldstrafe von 360 Euro, weil der Vorwurf der Körperverletzung fallengelassen wurde, um den Familienfrieden zu wahren. Die Frau des Angeklagten war zusammen mit ihrem Mann erschienen. Offenbar hatte man sich längst wieder versöhnt.

Wurde dem Angeklagten etwas ins Getränk gemischt?

Was an dem Abend konkret geschehen war, ließ sich ohnehin nicht konkretisieren. Der Verteidiger sprach davon, dass sein Mandant alkoholisiert gewesen sei. Außerdem habe man ihm offenbar unbemerkt eine chemische Substanz ins Getränk gemischt, die die Schwelle zur Enthemmung deutlich gesenkt habe. Der Angeklagte konnte sich eigenen Aussagen zufolge kaum noch erinnern. Er gab aber zumindest die Beleidigungen gegen die Polizisten zu und entschuldigte sich dafür.

Im Rahmen eines nicht öffentlichen Rechtsgespräches erreichte der Verteidiger die Teileinstellung bei der Körperverletzung, weil der Familienfrieden nicht gefährdet werden sollte. Die Staatsanwältin wollte zumindest die Beleidigung geahndet wissen und beantragte eine Strafzahlung von 480 Euro für den Mann, der von Sozialleistungen lebt. Sie verwies darauf, dass der Angeklagte kurz zuvor schon einmal wegen einer Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden war.

Der Richter sah die Reue bei dem Angeklagten und ging nicht davon aus, dass er erneut kriminell werden würde. Er gab dem 38-Jährigen mahnende Worte mit auf den Weg: „In meinen Augen gibt es nichts Feigeres, als Menschen zu schlagen, die man liebt und die einen vertrauen.“  

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