Forstamt Ahlhorn: Waldpädagogik „hoffnungslos“ unterbesetzt

Mehr Aufgaben – aber nicht mehr Personal

Pflanzen, ernten, pflegen, schützen, betreuen, informieren, weiterbilden: Die Forstämter haben ein breites Aufgabenspektrum.
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Pflanzen, ernten, pflegen, schützen, betreuen, informieren, weiterbilden: Die Forstämter haben ein breites Aufgabenspektrum.

Landkreis/Ahlhorn – Keine Frage: Die Niedersächsischen Landesforsten stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Ein Umbau des Waldes als Reaktion auf den Klimawandel, Dürrephasen und die Invasion der Borkenkäfer sind große, zeitraubende Aufgaben. Doch dafür seien die Förster nicht richtig vorbereitet, monierte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in dieser Woche (wir berichteten). Denn dazu fehle es in den Staatsforsten schlichtweg an Personal. Doch wie sieht es im Forstamt Ahlhorn aus? Dessen Leiterin Regina Dörrie gibt auf Anfrage unserer Zeitung Einblicke in die dortige Situation.

„Wir sind 2005 mit reduziertem Personal gestartet“, berichtet sie. In dem Jahr waren die Landesforsten gegründet worden. Seitdem sei ein Fünftel des Personals abgebaut worden, „und das, obwohl die Aufgaben zugenommen haben“. Das Waldpädagogische Zentrum an den Fischteichen – das einzige seiner Art im Bereich Weser-Ems – sei „hoffnungslos unterbesetzt“. So sei die Einrichtung für ein Drittel der Schüler in der Region zuständig, aber auch für Kitas. Dabei gebe es für den Eintagesbereich gegenwärtig nur anderthalb Stellen. Hinzu kommen 20 feste, vertraglich geregelte Schulkooperationen. Schon seit Jahren habe das Forstamt auf diesen Mangel hingewiesen. „Das ist nicht gut“, sagt Dörrie. Doch sei der Personalbedarf an dieser Stelle durchaus „bekannt“.

Andere Aufgaben seien Artenschutz und Biodiversität, aber auch der gestiegene Anspruch der Bevölkerung, Wald als Erlaubnisraum zu begreifen. Und nicht zuletzt gehöre auch das Wassermanagement und die Zusammenarbeit mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband dazu.

Die Borkenkäferplage träfe das Forstamt Ahlhorn nicht ganz so hart, wie andere Bereiche in Niedersachsen, schildert Dörrie. Das habe unter anderem damit zu tun, dass nach dem Sturm, der dort 1972 rund 80 Prozent der Waldfläche umgeworfen hatte, vor allem mit Douglasien und Buchen aufgeforstet worden sei. Bei Fichten sehe es schon wieder anders aus. Die Dürre bleibe gleichwohl ein Problem. Die Käfer-Kalamität sei im Süden wesentlich ausgeprägter. Deswegen seien schon Förster zur Unterstützung dorthin abgeordnet worden. „Dort ist sehr viel eingestellt worden“, so Dörrie. Der Norden sei nicht bedacht worden. Gleichwohl laufe der Forstbetrieb „gut“. Das Forstamt arbeite meist kostendeckend, in den vergangenen beiden Jahren allerdings nicht. Von den hohen Preisen auf dem Holzmarkt habe man noch nicht profitieren können, da 80 Prozent der Bäume erst in ein für die Vermarktung geeignetes Alter kommen.

Die Anzahl der Beschäftigten wolle sie nicht so gerne nennen und verweist in dem Zusammenhang auf die Verwaltung der Landesforsten mit Sitz in Braunschweig. Anders gefragt: Wünscht sie sich die ursprüngliche Personalstärke zurück? „Das ist eher nicht realistisch“, antwortet Dörrie diplomatisch. Der demografische Wandel sei eine Besonderheit des Forstamtes, sagt sie abschließend: Mit Ende des Jahres sei der jüngste Revierförster in Ahlhorn 60 Jahre alt.  fra

Regina Dörrie leitet das Forstamt Ahllhorn

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