Mann verwüstet Haus nach Trennung

Sein Leben hat der Mann wieder im Griff – nun ist er für seine Ausfälle auch verurteilt worden.
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Sein Leben hat der Mann wieder im Griff – nun ist er für seine Ausfälle auch verurteilt worden.

Nach der Trennung aus dem Ruder gelaufen: Ein 58-Jähriger hat vor rund anderthalb Jahren seinen Stiefsohn bedroht, das gemeinsame Haus der Familie verwüstet und ist betrunken mit einem Motorrad gefahren. Im Gerichtssaal zeigt sich, wie sehr der Mann seine Ausfälle inzwischen bereut.

Großenkneten/Wildeshausen – Im Februar und März 2019 habe die Trennung von seiner Frau ihm den Boden unter den Füßen weggezogen, so beschreibt die Verteidigerin die Situation des 58-Jährigen, der sich am Montag vor dem Wildeshauser Amtsgericht wegen mehrerer Tatvorwürfe verantworten musste. Die emotionale Belastung des damals in Großenkneten lebenden Manns brach sich laut Anklage der Staatsanwaltschaft in gleich mehreren Vorfällen Bahn, die aus diesem Grund in einem gemeinsamen Verfahren verhandelt wurden. Da der Mann sich geständig und reuevoll zeigte, erlegte ihm die Richterin eine Geldstrafe von 2.000 Euro auf.

Nach der Trennung habe es zunächst ein Hin und Her wegen des gemeinsamen Hauses in Großenkneten gegeben, erklärte der 58-Jährige die Ausgangslage. Erst habe er das Recht bekommen, weiterhin dort zu wohnen, dann sei es ihm entzogen worden, anschließend habe er jedoch zurückkehren dürfen. Aus den Aussagen seines Anwalts habe er geschlossen, dass dies so bleiben werde, sagte der Angeklagte. Deshalb sei er völlig unvorbereitet auf das Schreiben gewesen, in dem er zum Auszug binnen zwei Tagen aufgefordert worden sei.

Der Mann verwüstete daraufhin das Haus: Er verteilte Müll, Scherben und Sand im Erdgeschoss, durchtrennte Elektrokabel und riss Verteilerdosen aus der Wand. Im Bad beschädigte er die Duscharmatur, zerschlug den Spiegel und verteilte Shampoo und Duschgel auf den Fliesen. „Es war eine unnötige, unlogische Tat“, verurteilte der Beschuldigte sein Handeln im Rückblick. „Ich war etwas sehr aus dem Ruder gelaufen.“

Der 58-Jährige lebte im Auto

Wie sehr, zeigt der weitere Verlauf: Ab dem Zeitpunkt seines Auszugs habe er im Auto gelebt, habe viel Alkohol getrunken und Medikamente genommen. Aus dieser Zeit stammt auch seine erste Verurteilung wegen Trunkenheit im Straßenverkehr. Diese hatte zur Folge, dass der 58-Jährige für mehrere Monate seinen Führerschein verlor. Zu einem weiteren Vorfall kam es einige Wochen später: Laut Anklage hatte der Mann seinen erwachsenen Stiefsohn bedroht – indem er mit dem Finger an seiner Kehle entlangfuhr. Er habe keine Tötungsabsicht gehabt, sondern dem anderen lediglich signalisieren wollen: „Du bist für mich gestorben“, erläuterte der Beschuldigte vor Gericht.

Es habe Streit gegeben, weil der Stiefsohn sich im Trennungskonflikt auf die Seite seiner Mutter gestellt habe. Deswegen habe er einen „leichten Groll“ gegen diesen gehabt. Auch habe er einem Dritten gegenüber davon gesprochen, den jungen Mann töten zu wollen. „Da habe ich Unsinn geredet. Das ist falsch rübergekommen, das tut mir leid“, erklärte der 58-Jährige, der während des gesamten Verfahrens ein sehr offenes Verhalten voller Reue an den Tag legte. Er sei in einem „psychisch desolaten Zustand“ gewesen. Ein vom Gericht angefordertes Gutachten bescheinigte dem Mann dann auch eine verminderte Schuldfähigkeit.

Nichtsdestotrotz legte ihm die Staatsanwaltschaft noch eine weitere Tat zur Last: Ebenfalls im März, kurz nach dem Bedrohungsvorfall, sei er ohne Führerschein und mit erheblichem Alkoholpegel Motorrad gefahren. Auch dies gab der Angeklagte unumwunden zu: Er habe das ihm gehörende Zweirad verkaufen und zu diesem Zweck eine kurze Testfahrt machen wollen. Dabei stürzte er, die Polizei kam hinzu und maß einen Promillewert von 1,77. Dass er diesen Restalkohol nicht bemerkt habe, sei mit seinem damaligen Suchtproblem zu erklären, sagte der 58-Jährige.

Eine Entschuldigung nahm die Ex-Frau nicht an

Dass sich etwas ändern musste, hatte der Mann bereits im Februar gemerkt. Kurz nach der Verwüstung des Hauses habe er sich bei seiner heutigen Ex-Frau entschuldigt und angeboten, die Schäden wieder gut zu machen, berichtete er. Diese habe das Angebot jedoch abgelehnt. Mit dem ersten Strafbefehl sei ihm schließlich endgültig klar geworden, dass es so nicht weitergehen könne. Er habe sich psychologische Hilfe gesucht, einen Entzug gemacht, Zeit in einer Klinik verbracht. Auch seine Anwältin berichtet von einem „deutlich positiven Entwicklungsschub“ in den vergangenen zwölf Monaten. Er habe „nichts beschönigt oder bagatellisiert“, viele ihrer Ratschläge befolgt und hart daran gearbeitet, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, sagte sie.

Für Staatsanwaltschaft und Richterin machte das ebenfalls viel aus. Dass der 58-Jährige umgezogen ist, um Begegnungen mit seiner Ex-Frau zu vermeiden, dass er seine Suchtprobleme angegangen ist und das Geschehene offensichtlich bereut, bewegte sie dazu, auf eine Strafe jenseits einer Geldbuße zu verzichten. Am schwersten wog bei der Verurteilung die Trunkenheitsfahrt, weil es für den Mann bereits der zweite Vorfall dieser Art war.

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