80 Zuhörer bei Vortrag zur Palliativmedizin

Mahnende Worte zur Sterbehilfe

Dr. Matthias Thöns brachte die Zuhörer im Gasthaus Otte zum Nachdenken. - Foto: Beumelburg

Haast - Rund 80 Zuhörer verfolgten am Freitagabend im Gasthaus Otte in Sage-Haast den Vortrag des Palliativmediziners Dr. Matthias Thöns zum Thema „Patient ohne Verfügung“. Der Arzt hat auch ein gleichnamiges Buch verfasst. Darin und im Vortrag kritisierte der Mediziner, dass in vielen Krankenhäusern unnötige Therapien vorgenommen würden, um Geld mit todkranken Patienten zu verdienen.

Einigen Zuhörern war das Erstaunen über das, was Thöns schilderte, anzumerken. Anstatt Betroffene in den eigenen vier Wänden eine entsprechende Versorgung mit palliativer Behandlung durch Fachkräfte zu ermöglichen, würden Ärzte die Todkranken oft noch ins Krankenhaus in die Onkologie überweisen, was bei den Krankenkassen Kosten bis zu 16 000 Euro am Tag verursache und dennoch sinnlos sei, so Thöns.

Der 49-jährige Mediziner ist Anästhesist und seit acht Jahren als niedergelassener Palliativarzt tätig. Und so kennt er viele Geschichten aus seinem Berufsalltag. Zwar ist Sterbehilfe in Deutschland nicht erlaubt, doch aus seiner Sicht sieht die Realität völlig anders aus, denn in Wirklichkeit würden Betroffene oft frühzeitig aus dem Leben gehen wollen. „Umso mehr ist es wichtig, den Patienten die letzte Lebensphase in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, statt zum Sterben in eine Klinik zu gehen.“

Jeder solle das Recht haben, den Zeitpunkt seines Todes selbst zu bestimmen. „Und wir als Gesellschaft haben die Pflicht, diesen Menschen dabei in Würde zu begleiten. Wir müssen langfristig den Ausbau der Palliativmedizin forcieren, statt das Leiden todkranker Menschen durch Übertherapie qualvoll zu verlängern“, waren die mahnende Worte des Mediziners. - jb

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