Kinder üben Selbstverteidigung und setzen sich gegen Ponys durch

Mädchen lernen, sich zu behaupten – auch mit Gebrüll

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Die Mädchen haben drei Tage unter Anleitung von Brigitte Malcharczyk (Zweite von rechts) an ihrer Durchsetzungsstärke gearbeitet. Antje Oltmanns (rechts) von der Gemeinde Großenkneten fördert das Projekt genau wie der Landkreis, der in Person von Vanessa Finke und Beate Pollak (von links) vertreten war.

Hespenbusch - Von Ove Bornholt. Wenn man geärgert wird, darf man sich wehren. Das haben die zehn Kinder gelernt, die an dem am Mittwoch beendeten Kurs „Mädchen Träume, Mädchen Stärken“ in Hespenbusch in der Gemeinde Großenkneten teilgenommen haben. Und sie wissen jetzt auch, wie sie sich wehren können.

„Hammerfaust, Kralle und Stampftritt“, zählt Fee (10) die Möglichkeiten der Selbstverteidigung auf, die sie gelernt hat. Die Sandkrugerin demonstriert auch gleich, wie die Bewegungen aussehen. Bei der Kralle geht es zum Beispiel darum, dem Angreifer einen oder mehrere Finger ins Auge zu stoßen. Ganz wichtig ist auch der entsprechende Kampfschrei dazu. Der ist wichtig, damit die Mädchen ernst genommen werden, erzählen sie. Die Übungen entstammen der Selbstverteidigungstechnik Wendo. Geübt haben Fee und die anderen Teilnehmerinnen drei Tage lang jeweils morgens im Dorfgemeinschaftshaus Großenkneten.

Kurs soll Klischees widerlegen

Und warum das Ganze? „Es hilft uns, uns zu wehren und Jungs zu zerlegen“, sagt Franka (8) aus Bissel. Genauso würde es Reitpädagogin Brigitte Malcharczyk vielleicht nicht formulieren. Sie leitete den Kurs. „Die Mädchen sollen lernen, ihren eigenen Gefühlen zu trauen und sich zu behaupten“, sagt sie.

Wenn zum Beispiel eines der Kinder erzählt, dass es von Mitschülern an den Haaren gezogen wird, gestaltet Malcharczyk Rollenspiele zu dem Thema. Dabei geht es dann auch ums Zurückschlagen. „Mädchen dürfen sich wehren“, sagt die Pädagogin. Der Kurs soll ihnen das vermitteln und Klischees vom lieben, braven Mädchen, das immer „Ja“ sagt, widerlegen.

Manchmal ist weglaufen klug

Dabei geht es auch darum, den Teilnehmerinnen zu erklären, dass es manchmal klug ist, wegzulaufen und Hilfe zu holen, wenn ihnen Gewalt angetan wird. „Manche Mädchen sind dann ganz paralysiert“, berichtet Beate Pollak vom Kreis-Jugendamt, das den Kurs zweimal pro Jahr mit organisiert. Aber die Veranstaltung drehte sich nicht nur um Selbstverteidigung. Nachmittags ging es zu den Ponys in Hespenbusch. Die Kinder bürsteten die Tiere und lernten sie kennen, bevor sie einen Parcours aufbauten. Anschließend galt es, die Vierbeiner zu führen und auch mal zu stoppen. Gar nicht so einfach. „Wenn die Mädchen da mit gesenktem Kopf stehen, laufen die Ponys natürlich weiter“, sagt Malcharczyk. Kräftige Stimme und stabiler Stand seien wichtig.

Für Herbst, 4. bis 6. Oktober, ist der zweite Kurs in diesem Jahr geplant. Infos gibt es bei Pollak unter Tel. 04431/85323 und per E-Mail an jugendschutz@oldenburg-kreis.de. Die Jungs kommen übrigens nicht zu kurz. Für sie gibt es ein ähnliches Angebot vom 26. bis 28. Juli. Auch hier ist Pollak Ansprechpartnerin.

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