Angespannte Diskussion über die Düngeverordnung

Hundert Trecker in Großenkneten: Landwirte nehmen Minister in Empfang

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Viele Traktoren säumten die Großenkneter Hauptstraße.

Großenkneten – Parkplätze waren am späten Dienstagnachmittag rund um das Großenkneter Rathaus rar – das lag zum einen an den Gästen, die den Neujahrsempfang der Gemeinde im benachbarten Gasthaus Kempermann besuchen wollten. Vor allem aber waren es mehr als einhundert Traktoren und landwirtschaftliche Fahrzeuge, die einen großen Teil des Parkraums belegt hatten.

Zahlreiche Schlepper waren rechts und links entlang der Hauptstraße geparkt, gleichwohl ohne den Verkehr zu blockieren. Die Aufmerksamkeit der Landwirte galt dem Festredner des Gemeindeempfangs: Olaf Lies (SPD), Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz – und somit maßgeblich verantwortlich für die Umsetzung und Ausgestaltung der Düngeverordnung, die den Landwirten Sorgen bereitet, nicht zuletzt auch im Nordwesten: In den festgelegten nitratbelasten Gebieten soll künftig unter anderem die Menge an Gülle, die ausgebracht werden darf, um pauschal 20 Prozent reduziert werden (wir berichteten).

Zahlreiche Landwirte hatten sich vor dem Eingang des Gasthauses versammelt und Lies zu einem Gespräch aufgefordert. „Sie können es nicht mehr hören – und wir auch nicht“, eröffnete Landwirt Jan-Bernd Stolle das Gespräch mit dem Minister. Landwirte müssten Zukunftssicherheit haben, forderte der 51-jährige Großenkneter. Im Laufe der Unterhaltung kritisierte er unter anderem das Zustandekommen der Karte mit den roten Bereichen – etwa das Alter der zugrunde liegenden Daten oder die mangelnde Überprüfung betroffener Brunnen oder des unterirdischen Wasserkörpers. Lies zeigte sich durchaus diskussionsbereit, wenngleich wenig nachgiebig in der Sache. „Die minus 20 Prozent undifferenziert sind Quatsch“, räumte er zwar ein. Die anderen von Stolle vorgebrachten Punkte würden aktuell überprüft und Karten gegebenenfalls angepasst. Ob dies aber letztlich entscheidende Veränderungen mit sich bringen werde, stellte er gleichwohl infrage.

Mehr als hundert Landwirte hörten zu, als Minister Olaf Lies (l.) stellvertretend mit Jan-Bernd Stolle (r.) diskutierte.

„Die Landwirte haben alle ein freundliches Gesicht“, entgegnete etwas später Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes, dem Minister, „aber sie haben ein wildes Grummeln in ihrem Bauch.“ Und dieses ungute Gefühl werde sich verstärken, sollte sich die Situation für sie nicht merklich ändern. Er hoffe auf weitere Gesprächsbereitschaft in diesem Thema, so Wolff. Sollte diese zu keinen Ergebnissen führen, bestehe immer noch die Möglichkeit, Klagen gegen das Land Niedersachsen vorzubereiten und „dies von den Gerichten klären zu lassen“. Das Ministerium schaue sich alle objektiven Daten an, wiederholte Lies eines seines Eingangsstatements. Gleichwohl: „Wir haben Bereiche in Niedersachsen, die eindeutig von Nitrat belastet sind“, hielt der Minister fest. Das lasse sich nicht einfach auf den Kopf stellen. War die Stimmung bis hierin zwar spürbar angespannt, aber ruhig, hatte Stolle am Schluss noch eine Warnung für den Minister parat: „Viele Landwirte sind am Limit“, sagte er, „die Zündschnur ist ganz kurz geworden.“ Das sollte in Hannover berücksichtigt werden, wenn man „den Frieden im Land“ erhalten wolle. Er nehme das Thema sehr ernst, sagte Lies abschließend. Es müsse eine Lösung für eine funktionsfähige Landwirtschaft geben. Er werde die demnächst anstehenden Ergebnisse prüfen und zusammen mit den Landwirten beraten. Nur gemeinsam lasse sich der Weg vernünftig beschreiten.

Rund eine halbe Stunde hatte der Gast aus Hannover vor der Tür diskutiert, der Beginn des Neujahrsempfanges mit rund 200 geladenen Gästen verzögerte sich um rund 20 Minuten. In seiner als Grußwort angekündigten Rede ging er auf künftig unausweichlich notwendig werdenden Wandel in allen Bereichen des Lebens ein. „Ich hatte draußen eine lebhafte Diskussion mit den Landwirten“, berichtete er den Anwesenden. Diese stünden vor einer großen Herausforderung. Dabei dürfe man sie nicht alleine lassen – doch dürfe man auch nicht sagen, dass sich für sie nichts ändern werde. Deutschland habe die beste Lebensmittelqualität weltweit und das zu den billigsten Preisen. „Warum ist das so?“, fragte er. Und wie könne es sein, dass die Erzeuger nicht mit ihren Gewinnen auskämen? „Nicht die Landwirte werden subventioniert, sondern die Bürger“, antwortete er. Wenn diese ein Drittel weniger Nahrung wegwürfen und die gleiche Summe für die Produkte bezahlten, ginge die Rechnung wieder auf. Jeder solle „sich davor hüten“, zu sagen, die Landwirtschaft werde subventioniert. Zudem: „Die Landwirte sind unsere Partner beim Umweltschutz“, hielt der fest. Dies sei eine Dienstleistung, die man ihnen zwar „gerne abfordern“ dürfe, die dann aber auch bezahlt werden müsse. „Es wird nicht ohne Veränderungen gehen“, so Lies.  fra

Mehr über den Neujahrsempfang der Gemeinde Großenkneten lesen Sie in einer der kommenden Ausgaben unserer Zeitung.

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