Wo das Unkraut sprießt und der Maiskolben schrumpft

Landwirt verzichtet testweise auf den Einsatz von Herbiziden

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Marvin Kreye zeigt zwei Maiskolben: Der Unterschied zwischen der Behandlung mit Unkrautvernichtungsmittel (links) und ohne ist augenscheinlich. 

Großenkneten - Von Ove Bornholt. „Ernte in Gefahr!“ prangt in dicken Großbuchstaben auf einem Schild, das am Rand eines rund neun Hektar großen Maisackers an einem Großenkneter Feldweg steht. Drumherum sprießt das Unkraut, und die Maiskolben enthalten deutlich weniger Körner als üblich. Es handelt sich um ein etwa 100 Quadratmeter großes Testfeld, das Landwirt Marvin Kreye (23) vom in der Nähe liegenden gleichnamigen Hof angelegt hat. Es demonstriert, wie Mais wächst, wenn keine Unkrautbekämpfung vorgenommen wird.

Auf dem Schild heißt es, Nutzpflanzen bräuchten Schutz, weil Unkräuter Nährstoffe, Wasser und Licht rauben würden. „Ohne modernen Pflanzenschutz gehen die Ernten dramatisch zurück“, ist zu lesen. Das wird augenscheinlich, als Kreye zwei Maiskolben, einmal mit und einmal ohne Behandlung, nebeneinander hält.

„Das Testfeld soll aber nicht zeigen, dass in der Landwirtschaft ohne Herbizide kein Pflanzenanbau betrieben werden kann“, betont der 23-Jährige. Als Alternative zu Unkrautvernichtungsmitteln, die verspritzt werden, nennt Kreye die mechanische Bearbeitung des Bodens durch Hack- oder Striegelmaschinen. Letztere werden an Traktoren angehängt und bewegen die Erde so, dass kleine Unkräuter verschüttet werden. Dabei kann aber auch der gerade gepflanzte Mais Schaden nehmen.

Auf die Idee für das Testfeld kam Kreye, der an der Fachhochschule Osnabrück Landwirtschaft studiert und auf dem Hof seines Vaters Detlef (51) mitarbeitet, durch einen Pflanzenbauberater. Dieser wies den 23-Jährigen auf eine Studie der Uni Rostock zur Verbreitung von Unkräutern hin. Erst musste ein Fragebogen zum Betrieb und zur Bodenbearbeitung ausgefüllt werden. Die Kreyes eggen und grubbern, aber pflügen das Feld nicht. 

Großer Unkrautdruck am Rand des Feldes

Gegen Ende Mai warf Kreye junior dann einen 33 mal 33 Zentimeter kleinen Zählrahmen auf die Testfläche und bestimmte sowie zählte die Unkrautarten, die innerhalb des Rahmens wuchsen. Hauptsächlich hantelte es sich um Vogelmiere, Weißen Gänsefuß und Knöterich-Arten. Das Ergebnis ist stark von der angebauten Kulturpflanze und den lokalen Umweltbedingungen geprägt. So ist der Unkrautdruck am Rand eines Ackers naturgemäß größer als in der Mitte.

Der 23-Jährige warf den Zählrahmen insgesamt zehnmal, sodass die Rolle des Zufalls minimiert wurde. Den 100 Quadratmeter großen Bereich für das Testfeld hatte Kreye übrigens ausgewählt, weil es wegen Erdarbeiten der Firma „ExxonMobil“ auf dem Acker schwierig geworden wäre, mit der Spritze in diese Ecke zu kommen.

Auch nach der Studie blieb das Testfeld erhalten. Kreye bestellte das Schild, um Radfahrer oder Spaziergänger darauf aufmerksam zu machen, „was passiert, wenn wir keine Herbizid-Behandlung im Mais machen“.

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