Sollte die Synode nicht anders entscheiden, könnte dem Jugendheim sogar der Abriss drohen

Landeskirche will das Blockhaus loswerden

Sollte sich die Synode nicht für den Erhalt des Blockhauses aussprechen, oder aber ein neuer Träger gefunden werden, droht der Einrichtung die Abwicklung. Dies könnte sogar einen kompletten Rückbau bedeuten. 
Archivfoto: Blockhaus
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Sollte sich die Synode nicht für den Erhalt des Blockhauses aussprechen, oder aber ein neuer Träger gefunden werden, droht der Einrichtung die Abwicklung. Dies könnte sogar einen kompletten Rückbau bedeuten. Archivfoto: Blockhaus

Ahlhorn/Oldenburg – Die evangelische Kirche in Oldenburg unternimmt auf der in knapp zwei Wochen anstehenden 49. Synode (19. und 20. November) einen weiteren Vorstoß, sich vom Blockhaus Ahlhorn zu trennen. Dabei hält sich die Landeskirche alle Optionen offen: Sollte die Übergabe der defizitären Einrichtung an einen anderen Betreiber nicht möglich sein, soll das Jugendheim an den Fischteichen geschlossen werden. Selbst ein kompletter Abriss der Gebäude und eine Rückgabe des Geländes an den Eigentümer – die Niedersächsischen Landesforsten – werden in den Sitzungsunterlagen thematisiert.

Noch vor fünf Jahren hatte die Landeskirche 5,9 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung der Einrichtung investiert. Am Freitag sind die 25 Mitarbeiter des Jugendheimes über die Pläne der Landeskirche informiert worden. Schon vor einem Jahr hatte die Kirchenverwaltung versucht, sich von der Einrichtung zu trennen. Die Synode hatte dies jedoch abgewendet und einen Aufschub bewirkt (wir berichteten).

Michael Grötzsch, Pressesprecher der Landeskirche, bestätigt dies auf Anfrage unserer Zeitung. Die Pläne der Verwaltung lauteten, sich aus der Trägerschaft des Blockhauses zurückzuziehen und dort „die Zelte abzubrechen“. Und das könnte „im Extremfall“ sogar den Abriss sämtlicher Gebäude, inklusive der neuen, bedeuten: Das Grundstück, auf dem sich das Jugendheim befindet, liege in einem Naturschutzgebiet, so Grötzsch. Die Frage sei, inwieweit die Landesforsten gewillt wären, dort Bauwerke übernehmen zu wollen. Die Sitzungsunterlage beschreibt den Synodalen drei mögliche Szenarien: Die Beibehaltung der jetzigen Situation bei weiteren Verlusten, die Übergabe der Trägerschaft oder eine Kooperation mit einer anderen Institution oder Firma und letztlich – falls dies nicht zustande kommen sollte – Schließung, Abwicklung und den „Rückbau“.

Hintergrund sei die seit Jahren schwierige wirtschaftliche Lage, so Grötzsch, die Bilanz des Hauses sei fortlaufend negativ. Die Corona-Situation habe dies zudem weiter verschärft: „Die Übernachtungen sind um mehr als zwei Drittel eingebrochen.“ Dadurch habe sich auch der jährliche Zuschussbedarf des Blockhauses erhöht: Zu den für dieses Jahr – ohne Pandemie-Effekte – geplanten 659 000 Euro seien im aktuellen Nachtragshaushalt noch einmal 127 000 Euro hinzugekommen. Das sei ein Zuschuss von bislang kalkulierten 786 000 Euro bei einem angenommenen Jahresumsatz 2020 von 1,63 Millionen Euro. Der Haushaltsplan 2021 sehe bereits 870 000 Euro an Zuschüssen vor.

Doch damit nicht genug: Zum jetzigen Zeitpunkt hätten sich Investitionskosten von 2,3 Millionen Euro angesammelt – für die neuen, aber auch für die alten Gebäude. Und dies trotz der hohen Investition vor wenigen Jahren? Grötzsch: „Das meiste ist in die neuen Gebäude geflossen.“ Und einen letzten Punkt bringt der Pressesprecher noch vor: Dem kirchlichen (doppischen) Haushaltsrecht zufolge müsste das Blockhaus über 4,53 Millionen Euro an Rücklagen verfügen. Aufgrund der jahrelangen Verluste betrage der sogenannte Vermögensgrundbestand aber nur noch 200 000 Euro. Insgesamt bedeute dies für die Landeskirche also Rückstellungen in Höhe von 6,5 Millionen Euro, rechnet er vor. Das ergebe aus wirtschaftlicher Sicht eine „extrem schwierige Situation“. Von sechs Interessenten für das Blockhaus seien bereits vier abgesprungen, berichtet er weiter. Gleichwohl: Die Landeskirche machen sich „große Hoffnungen“, so Grötzsch, dass sich mit den beiden Verbleibenden noch „eine Perspektive“ finden lasse. Eine Prognose über den Erfolg der Verhandlungen könne er nicht abgeben. Abschließende Ergebnisse erwarte er „Richtung Januar“. Und sollte sich die Synode nicht für den Erhalt des Blockhauses entscheiden, hätte dies auch direkte Auswirkungen auf die Mitarbeiter: Ziel sei es, zunächst einmal zu prüfen, ob die Betroffenen in anderen Einrichtungen, etwa der Diakonie, unterkommen könnten, sagte Grötzsch. Darüber hinaus seien „sehr sozial verträgliche“ Lösungen vorgesehen – doch könnten dann auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden.

„Das tut weh“, sagt Dirk Faß, Vorsitzender des Fördervereins Blockhaus Ahlhorn, gegenüber unserer Zeitung. Die Nachricht habe nicht nur ihn schwer getroffen – sondern auch die anderen Mitglieder: „Das Telefon steht nicht still.“ 75 Personen aus der Gemeinde Großenkneten und darüber hinaus zähle der Zusammenschluss. In den beiden vergangenen Monaten seien 25 hinzugekommen. „Wir sind echt traurig“, so Faß, der das Blockhaus seit rund 40 Jahren bestens kennt. Die Anlage auf dem Seegrundstück sei eine besondere Stätte, mit der viele Menschen sehr persönliche Erinnerungen verbinden. Der Vorschlag der Kirchenverwaltung, diese nun aufgeben zu wollen, fühle sich quasi wie Schlag ins Gesicht an.

Betroffen von den Plänen aus Oldenburg zeigte sich auch Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke (SPD), der der Synode angehört. „Es wäre schön, wenn es in vertrauensvolle Hände kommt“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Er werde dazu auf jeden Fall während der Tagung das Wort ergreifen und sich dafür einsetzen, dass das Blockhaus in der Trägerschaft der Landeskirche verbleibt. Er hoffe, dass ihm dahingehend ein Teil der Abgeordneten des Kirchenparlaments folgen werde. Das Jugendheim an den Fischteichen sei von besonderem Wert, er wolle nicht, dass es einfach „hergeschenkt“ werde. Für das Personal des Blockhauses wäre die Schließung ein harter Schlag, so Schmidtke.  fra

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