Kornkraft-Pläne: Ausschuss sagt ja

Unternehmen gegen Anwohner: So lässt sich die seit Langem währende Debatte um das geplante Gewerbegebiet „Sannumer Straße Nord“ in der Gemeinde Großenkneten zusammenfassen. Auch in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses flammt die Diskussion noch einmal auf.

VON KATIA BACKHAUS

Großenkneten – Zwei Vorentwürfe für das geplante Gewerbegebiet „Sannumer Straße Nord“ in Huntlosen haben am Donnerstagabend den Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde Großenkneten beschäftigt. Zum einen sollte es um die Änderung des Flächennutzungsplans gehen, der die Grundlage für die Verfügbarkeit des derzeit als Ackerfläche ausgewiesenen Gebiets für Industrie- und Gewerbebetriebe schafft. Zum anderen stand ein Vorentwurf für den Bebauungsplan zur Debatte. Die in Huntlosen-Hosüne ansässige Firma Kornkraft will auf dem Grundstück zunächst ein Leergut- und Tiefkühllager errichten und „mittel- bis langfristig“, so heißt es vonseiten der Verwaltung, komplett auf das Areal umsiedeln.

Mehr als 20 Einwohner waren zur Ausschusssitzung gekommen – vor allem, um ihre Bedenken gegen das Projekt zum Ausdruck zu bringen. Dies taten sie in der ersten und einzigen Einwohnerfragestunde des Abends, noch bevor Joachim Mrotzek vom Planungsbüro „PlanForum Nord“ die Entwürfe erläuterte. Uwe Behrens von der Kommunalen Alternative (KA), der auch in einem späteren Statement sein Verständnis für die Belange der Anwohner ausdrückte, hatte eine zweite Fragerunde beantragt, war damit jedoch gescheitert.

Die Äußerungen, die die Bürger dem Ausschuss vorab zu Gehör brachten, kritisierten verschiedene Aspekte: Sie seien zwar informiert, aber nicht beteiligt worden, bemängelte etwa Mauritz von Strachwitz. Dass die Rede von einem Gewerbegebiet sei, dieses jedoch zum größten Teil Fläche für Industriebetriebe vorsehe, stieß unter anderem bei Wolfgang Lose auf Unverständnis. Gernot Schröder, direkter Anwohner des geplanten Areals, bezeichnete sich selbst als „absoluten Leidtragenden“ des Vorhabens. „Wir haben keinerlei Möglichkeit mehr, Lärm- oder Sichtschutzmaßnahmen zu installieren“, sagte er. Bürgermeister Thorsten Schmidtke zeigte in seinen Antworten zwar durchaus Verständnis für die Anliegen der Bürger, betonte aber auch die Bedeutung, die das Unternehmen Kornkraft für die Gemeinde Großenkneten habe. Eine Kommune müsse sich immer wieder verändern, sagte Schmidtke. Mit einer gewissen Resignation stellte er schließlich mit Blick auf die Kritik der Anwesenden fest: „Das einzige, das noch fehlt, ist, dass wir das Ganze hier und heute begraben.“

Zwei Drittel Industrie plus Gewerbe und Grün

Nach der etwa 40-minütigen Fragerunde erläuterte Mrotzek die Pläne: Vorgesehen sei, das 6,82 Hektar große Areal als „gewerbliche Baufläche“ auszuweisen. Der Bauplanentwurf zeige, dass auf zwei Dritteln des Gebiets Industriebebauung vorgesehen ist. Diese Fläche soll bis 2035 für Kornkraft vorgehalten werden. Auf dem restlichen, südlichen Teil soll Platz für Gewerbebetriebe sowie für ein Regenrückhaltebecken sein. Der Planer schlug vor, dort die Ansiedlung von Tankstellen, Sport- oder Vergnügungsstätten auszuschließen. Im Norden soll zudem eine Obstbaumwiese entstehen. Für mehr Grün sollen auch die Vorschriften zur Dachbepflanzung sorgen, die für alle Dächer mit bis zu 20 Grad Neigung und einer Mindestfläche von 50 Quadratmetern gelten soll.

Mrotzek sprach außerdem das Thema Emissionsschutz an. Bei der Berechnung der Schallobergrenzen sei der „Worst Case“, also der schlechteste denkbare Fall, angenommen worden, erläuterte er – also keinerlei schallschutzmindernde Maßnahme. In verschiedenen Sektoren, die mit Blick auf die anliegenden Wohnhäuser definiert sind, sollen jeweils unterschiedliche Dezibelwerte erlaubt sein. Während im Industriegebiet Überschreitungen der tagsüber zulässigen 65 Dezibel um bis zu sieben Dezibel zulässig seien, sei das für den Gewerbebereich des Areals nicht der Fall. Dort dürfe die Lautstärke am Tag nicht mehr als 61 Dezibel betragen. Eine spätere Nachmessung und -besserung sei möglich, erklärte Mrotzek.

In einem Antrag hatte die KA einen Vorschlag zum Sichtschutz gemacht, den die Ausschussmitglieder anschließend diskutierten. Die Fraktion hatte beantragt, dass derzeit im Süden geplante Regenrückhaltebecken so zu verlagern, dass es „die optischen Auswirkungen der Gewerbefläche bei einer Bebauung für die Bewohner der Wohnhäuser Sannumer Straße 17 und 18 gegebenenfalls günstig beeinflussen könnte“. Alternativ sollte über einen drei Meter hohen und zehn Meter breiten Wall nachgedacht werden.

Diesen Vorschlag wies Mrotzek mit Blick auf die rechtlichen Bestimmungen zurück: Der 17 Meter breite Grenzstreifen zwischen Straße und Gewerbegebiet sei eine Bauverbotszone, in der auch keine Aufschüttungen erlaubt seien. Auf Nachfragen nach dem Sinn dieser Regelung entgegnete er lediglich: „Ich verstehe das auch nicht.“ Fakt sei, dass weder ein Wall noch eine Heckenanpflanzung erlaubt seien.

Am Ende empfahlen die Ausschussmitglieder, beide Planvorentwürfe anzunehmen – lediglich die AfD-Fraktion enthielt sich. Der Verwaltungsausschuss wird darüber in nichtöffentlicher Sitzung am 5. März entscheiden.

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