Bürgermeisterkandidaten der Gemeinde Großenkneten diskutieren auf Einladung der Grünen

„Kontaktbeamter“ gegen „Moderator“

Auch inhaltlich hielten die Kandidaten durchaus Abstand: Carsten Grallert, Moderator Eduard Hüsers, und Thorsten Schmidtke (v.l.).
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Auch inhaltlich hielten die Kandidaten durchaus Abstand: Carsten Grallert, Moderator Eduard Hüsers, und Thorsten Schmidtke (v.l.).

Großenkneten – Es war die erste Wahlkampfveranstaltung dieser Art und eingedenk der ab Montag geltenden verschärften Corona-Auflagen vermutlich auch die letzte vor der eigentlichen Stimmabgabe der Bürger: Auf Einladung des Grünen-Ortsverbands haben am Mittwochabend im Gasthaus Kempermann in Großenkneten Bürgermeister Thorsten Schmidtke (SPD) und sein einziger Herausforderer, Carsten Grallert (Kommunale Alternative, KA), auf Fragen der Anwesenden geantwortet. Abschließend werteten die Grünen – nur Parteimitglieder durften im Saal bleiben – die rund 100-minütige Debatte aus und sagten einem der beiden Kandidaten ihre Unterstützung zu. Nach einer kurzen Vorstellung war es an den rund 15 Anwesenden – „grüne Mitglieder und Grün-Interessierte“, wie Organisator Eduard Hüsers sie nannte –, Fragen zu stellen.

Grallert zeigte sich durchaus angriffslustig und warf Schmidtke ein ums andere Mal vor, gewisse Entscheidungen nicht verhindert oder durch seine Stimme im Rat sogar unterstützt zu haben – insbesondere in dem jahrelangen Streit über die Tierhaltungsanlagen in der Gemeinde (wir berichteten).

Einer seiner Schwerpunkte werde im Falle seiner Wahl die Integration sein, bei der es etwa in Ahlhorn große Defizite gebe, so Grallert. Da die Migranten die Einwohnerzahl der Gemeinde erhöhten und somit auch zu einem höheren Gehalt des Bürgermeisters beitrügen, erläuterte der „Ur-Huntloser“, wolle er daher diesen Betrag (er nannte die Summe von 30 000 Euro) der ehrenamtlichen Integrationsarbeit im Kreis zur Verfügung stellen. In puncto Klimaschutz unterstrich er die Bedeutung einer guten, pünktlichen Bahnverbindung in einer Gemeinde mit drei Bahnhöfen. In Huntlosen könne er sich ein klimaneutrales und autofreies Wohngebiet vorstellen, das neue Akzente setzte.

Als er sich vor siebeneinhalb Jahren zur Wahl stellte,, sei die Gemeinde in zwei Lager gespalten gewesen, berichtete Schmidtke: Pro und contra Hähnchenschlachterei. „Die tiefen Gräben sind verschwunden“, konstatierte er. Während dieser Zeit sei viel erreicht worden, „auch im Rat“. Er bezeichnete sich als „harmoniesüchtig“. Seine Aufgabe sei es, Leute zusammenzubringen. Es sei wichtig, dass sich die Einwohner in der Gemeinde „wohlfühlten“ – und das habe auch etwas mit „Wohlstand“ zu tun. Und dieser fange bei Gewerbe und Industrie an, die jedoch zunächst angesiedelt und dann „betreut“ werden müssten. Darüber hinaus sei ihm die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig, führte er weiter aus. Nicht zuletzt gebe es überall Kitas und Krippen, alle Grundschulstandorte sollten erhalten bleiben. Glasfaser für die Internetanbindung soll bis 2023 einem jedem Haushalt zur Verfügung stehen, das sei eine Frage der „Daseinsfürsorge“, sagte der Amtsinhaber.

Einer Meinung waren sich Grallert und Schmidtke bei der Frage nach einer hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten für die Gemeinde. Beide befürworteten diese Stelle. Die KA hatte diese bereits beantragt. Die Planungen dafür liefen schon, so Schmidtke, und sollen demnächst zuerst verwaltungsintern beraten werden. Die Schaffung einer Stelle für einen Klimaschutzbeauftragten sehe er jedoch skeptisch, „das bringt uns nicht wirklich weiter“. Gute Ideen könnten ohne zusätzliches Personal von Rat und Verwaltung umgesetzt werden. Grallert entgegnete, dass diese Arbeit „professionell betrieben werden“ sollte. Eine zunächst befristete Stelle – oder ein externes Büro – sollten der Gemeinde zu Verfügung stehen. Einig waren sich beide etwa darin, dass der ökologische schlechte Zustand der Ahlhorner Teiche einer baldigen Lösung bedarf.

Grallert sagte, er wolle das Amt des Bürgermeisters quasi als „Kontaktbeamter“ versehen, Schmidtke sah sich als „Moderator“.

Versöhnlich gingen die beiden Kontrahenten schließlich auseinander. „Er ist ein Guter“, sagte Schmidtke jovial über seinen Herausforderer. Abseits der politischen Auseinandersetzungen verstünden sich beide sehr gut, entgegnete Grallert. Der amtierende Verwaltungschef vergaß auch nicht, den grünen Gastgebern zu schmeicheln: Nach der nächsten Kommunalwahl, da sei er sich sehr sicher, werden sich auch die Grünen im Gemeinderat wiederfinden. Er freue sich bereits auf die Zusammenarbeit.

„Wir haben 30 Minuten diskutiert“, berichtete Hüsers am nächsten Tag von der abschließenden internen Aussprache. „Wir haben uns einstimmig dafür entschlossen, Carsten Grallert zu unterstützen.“ Er sei aus grüner Sicht der „aktivere“ Kandidat, mit ihm werde im Hinblick auf Klimaschutz und Mobilität „mehr möglich“. Doch seien auch Schmidtkes Eigenschaften im Hinblick auf die Verwaltung gewürdigt worden. Inwieweit im Zuge der Corona-Auflagen Wahlkampf gemacht werden können, sei aber nicht abzusehen.  fra

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