„Trigema“-Inhaber Wolfgang Grupp spricht beim Wirtschaftsforum Großenkneten

Klassische Werte, klassischer Erfolg

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Vortrag in Ahlhorn: Bürgermeister Thorsten Schmidtke (links) bedankt sich bei Wolfgang Grupp (rechts). 

Ahlhorn – Klare Ansagen, klare Aussagen und Ansichten, die in manchen Bereichen sicherlich nicht unbedingt dem gesellschaftlichen Mainstream entsprechen: Mit Wolfgang Grupp, Inhaber und Geschäftsführer des Sport- und Freizeitbekleidungsherstellers „Trigema“, hatte die Gemeinde Großenkneten am Donnerstag nicht nur einen bundesweit bekannten Redner für ihr zweites Wirtschaftsforum gewonnen, sondern auch einen besonders profilierten. Der Unternehmer sollte bereits im vergangenen Jahr eine Rede bei dem Forum in Ahlhorn halten – doch sein Hubschrauber hatte wegen Nebels nicht landen können. Um ganz sicher zu gehen, war er in diesem Jahr bereits einen Tag vorher – per Helikopter – angereist und hatte in Ahlhorn übernachtet.

Die Eckdaten, die Bürgermeister Thorsten Schmidtke in seiner kurzen Einleitung nannte, ließen die 54 geladenen Gäste aufhorchen: „Trigema“ produziert ausschließlich in Deutschland, beschäftigt rund 1 200 Mitarbeiter, hat nie betriebsbedingt kündigen oder Kurzarbeit einführen müssen und finanziert alle seine Unternehmungen ohne Bankdarlehen. Den Kindern seiner Angestellten bietet Grupp nach Abschluss der Schule einen Ausbildungsplatz an. 78 Prozent der Wertschöpfung „Trigemas“ finden in dem Unternehmen statt – von der Herstellung des Stoffes bis zum Vertrieb und Verkauf im Internet sowie in eigenen Geschäften.

Der 77-jährige Grupp spricht frei und schnell, formuliert präzise und nicht ohne Witz. Die Verantwortung des Unternehmers stehe für ihn an erster Stelle. „Gier und Größenwahn“ prangert er an, in der Wirtschaft allgemein und nicht zuletzt in der Bekleidungsbranche. Doch anstatt dass diese zur Rechenschaft für eine teils ruinöse Politik gezogen werden (bei der „Mitarbeiter entsorgt“ werden) könnten viele „frech“ weitermachen. Daher fordere er von der Politik, die Unternehmer stärker in die Verantwortung zu nehmen – dann werden die Entscheidungen überlegter und verantwortungsvoller, so Grupp: „Wenn ich Gewinn haben will, muss ich auch die schweren Zeiten mit verantworten.“

„Wenn wir vom Mittelstand sprechen, müssen wir wieder zurück zur Familie“, sagt Grupp. Zwar werde diese gegenwärtig „geoutet“, doch sei sie die Basis für alles. Denn wer diese nicht kenne, könne auch kein Verständnis für die „Betriebsfamilie“ entwickeln. Doch sei er kein „Sozialsäuseler“: Von seinen Mitarbeitern erwarte er stets Top-Leistungen und Engagement, gleichwohl ohne sie unter Druck zu setzen. Zudem: Angestellte, die Vertrauen in die Unternehmensführung haben und ihren Job zu schätzen wissen, lieferten bessere Ergebnisse ab. Die Verantwortung trage jedoch er – und das für alle Bereiche. Dies bedinge natürlich, dass er sich in allen Bereichen der Firma auskennt. Dazu gehöre nicht zuletzt unternehmerische Weitsicht. „Probleme sind zum Lösen da“, doziert Grupp. Dann wird er deutlicher: „Wenn jemand sagt, er hat ein großes Problem, dann sage ich, er ist ein großer Versager, denn wenn er es als kleines gelöst hätte, wäre es kein großes geworden.“ Überhaupt, das Geschäftsgebaren: „Der Handschlag war damals normal, heute brauchen sie für ein Geschäft 20 Juristen.“ Er stehe für seine Abmachungen zu 100 Prozent gerade, „es gilt das gesprochene Wort“. Schriftliche Aufträge gebe es quasi nur „pro forma“.

Wer meine, in einem Hochlohnland wie Deutschland m Preiswettbewerb mithalten zu können, habe schon von Anfang an verloren, kritisiert Grupp – die Preisspirale drehe sich solange nach unten, bis der Betrieb bankrott sei. Das Ergebnis: „Trigema“ ist das einzige in Deutschland verbliebene Unternehmen seiner Branche. Auskömmliche Preise ließen sich da nur über Qualität, Innovationen und Schnelligkeit generieren. „Der Chinese ist kein Konkurrent, der Chinese ist ein Kollege“, weiß der Geschäftsmann. Gleichwohl: „,Trigema‘ kann der Chinese nicht machen“, ist er sich sicher – günstige Eigenmarken großer Handelketten aber schon, und das vor allem immer billiger und noch billiger. Das manche Firmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, sei nicht nachzuvollziehen: „Nennen Sie mir einen, der im Ausland reicher geworden ist als in Deutschland“, stellt er die rhetorische Frage an das Publikum. „Alle haben sie Geld verloren.“

Gegen Ende seines Vortrages kommt er auf sein Eingangsstatement zurück, nach dem der ehrbare Kaufmann die Verantwortung für sein Unternehmen nicht abgeben kann. „Wir müssen das vorleben“, hatte er eingangs gesagt. Für seine Firma heiße das: „Es kann nur einen Schuldigen geben, und das bin ich!“ 

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