Das Leben einer Wegbereiterin

Käthe Nebel hat viele Spuren hinterlassen

Fünf Personen sitzen auf einer Bank und halten Bücher in ihren Händen.
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Ein Buch über eine bemerkenswerte Persönlichkeit: Käthe Nebels (Mitte) mit Verleger Florian Isensee sowie ihren ehemaligen Mitstreitern Hanno Klier, Autor Dirk Faß und Ernst Georg Lühring (von links) bei der Vorstellung im Restaurant „Schalotte“ in Huntlosen.

Huntlosen – Auch wer Käthe Nebel bisher noch nicht kannte, geschweige denn persönlich erlebt hat, kommt nach wenigen Momenten der ersten Begegnung mit ihr zu dem Schluss: Diese Frau ist anders, diese Frau ist ungewöhnlich. Da mag es dann schon fast nicht verwundern, dass sie den Naturschutz im Landkreis Oldenburg mitgeprägt hat, auf die Entwicklung ihres einstigen Heimatortes Ahlhorn und nachhaltig auf die ihrer Heimatgemeinde Großenkneten Einfluss genommen hat – so wie später auf ihre jetzige Heimatstadt Oldenburg. Heute ist Nebel 92 Jahre alt, sieht nur noch sehr schlecht, besitzt aber einem Elan, der manche jüngere Menschen bescheiden werden ließe.

Der Haaster Lokalhistoriker und Heimatforscher Dirk Faß hat jetzt ein Buch über sie geschrieben. Es trägt den Titel „Käthe Nebel – einer der mutigsten Aktivistinnen aus dem Oldenburger Land“. Faß stellte sein Buch in Huntlosen vor und hatte dazu neben der Hauptperson einige von Nebels Mitstreitern und Weggefährten eingeladen. Zwar konnte die Seniorin aufgrund ihrer Sehschwäche ihre Gegenüber nicht mehr erkennen, hat aber nach nur ein paar Worten ihre Gesprächspartner sofort erkannt. Mit fester Stimme begrüßt sie ihre Gäste mit vollem Namen, hatte zu jedem sofort ein, zwei, drei Anekdoten parat.

Für sein neuestes Buch hat der Verfasser auf die äußerst umfangreiche Korrespondenz Nebels zurückgegriffen: In einer Art Rundbriefe wandte sie sich kontinuierlich an ihren sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis. In vielen Leserbriefen an ihre Heimatzeitung machte sie aus ihrer Meinung so gar keinen Hehl – und das meist sehr direkt. Als er die Seniorin in ihrer Wohnung in Oldenburg besucht habe, so Faß, habe er von ihrem höchst lange gepflegten Schriftverkehr erfahren – und den vielen damit verbundenen Erlebnissen. Dabei sei die Idee entstanden, daraus ein Buch zu machen.

Immer noch relevante Themen

Die Themen, die die ehemalige Ahlhorner Lehrerin schon in den 1970er- und 1980er-Jahre umtrieben, sind heutzutage noch hochaktuell: Umweltschutz, Frauenrechte, die Bewahrung der Moore, die Erziehung der Kinder in den Schulen, aber auch die Integration von Gastarbeitern (wie es damals hieß) oder Flüchtlingen aus anderen Ländern sowie die Sterbehilfe. Sie gründete früh den Verein „Umweltschutz Wildeshauser Geest“ (der nachher in der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte- Weser-Ems aufging), noch bevor Bürgerinitiativen populär wurden. Lebendig – mit großem Ernst, aber auch viel Ironie und durchaus auch Spott – schildert Nebel in ihren Briefen ihre Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse: Etwa, wie sie bei einer Demonstration gegen den Castor in Gorleben wegen versuchter Sabotage festgenommen und vor Gericht gestellt worden war.

Aus Überzeugung verzichtet sie auf ein eigenes Auto, setzte stets und konsequent auf das Fahrrad: Selbst wenn es darum ging, Möbel und andere Gegenstände für ihren „Verschenkkeller“ für Bedürftige in ihrem Haus in Ahlhorn mit verschiedenen Anhängern einzusammeln. In Oldenburg wurde daraus später der weithin bekannte „Verschenkmarkt“, heute eine feste Institution in der Stadt. Unter anderem dafür hat Nebel das Bundesverdienstkreuz erhalten. Als Triebfeder für ihr energisches Handeln nannte Nebel stets die Nazizeit: Die Zeit, in der sie aufwuchs, in der die Deutschen bedenkenlos und begeistert einem „Führer“ gefolgt waren – in den Untergang.

Bei seiner Vorstellung ging Faß immer wieder auf das vielfältige Wirken Nebels ein, etwa ihren Kampf gegen die Erdgasaufbereitungsanlage in Sage. Immer wieder unterbricht ihn die Seniorin dabei, verbessert oder ergänzt den Autor: Namen, Orte, Details und viele Erinnerungen sprudeln präzise nur so aus ihr heraus. Dann endet sie schelmisch mit der Bemerkung „nun bin ich aber still.“ Nur, um Faß wenig später erneut zu unterbrechen, und abermals mit „nun bin ich aber still“, zu enden.

Das Buch, so Faß abschließend, sei nicht zuletzt ein Buch für Frauen. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, Britta Hauth, hat das Vorwort dazu geschrieben.

Ab sofort erhältlich

Dirk Faß: „Käthe Nebel – eine der mutigsten Aktivistinnen aus dem Oldenburger Land“. Isensee Verlag Oldenburg. 143 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. 14,90 Euro. ISBN 978-3-7308-1821-3.

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