Liesel Grallert aus Huntlosen versteht sich als Europäerin

Jahrzehntelanges Engagement schmiedet Bande mit Belgiern

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Liesel Grallert geht im Wohnzimmer ein paar Dokumente durch. Das Glasbild mit dem Wappen Evergems, das auf dem Tisch liegt, hängt normalerweise im Fenster.

Huntlosen - Von Ove Bornholt. Schon ein Blick ins Wohnzimmerfenster verrät, woran Liesel Grallerts Herz hängt: Dort baumelt ein Glasbild mit dem Wappen der Gemeinde Evergem in Belgien. Die kleine, energische Huntloserin sitzt seit 20 Jahren im Partnerschaftsausschuss der Gemeinde Großenkneten, der den Austausch mit den flämisch sprechenden Nachbarn organisiert.

Die gegenseitige Freundschaft begann inmitten des Zweiten Weltkriegs. Anlässlich des baldigen Besuchs von rund 80 Belgiern in der Gemeinde erzählt die 75-Jährige von ihrer persönliche Beziehung zum Nachbarland.

Während der deutschen Besatzungszeit hatten einige Huntloser und Sandhatter Soldaten Freundschaften mit Belgiern geknüpft. Um diese Zeit wurde Grallert im Ammerland geboren, wo sie ihre Kindheit verlebte. 1965 heiratete sie einen Huntloser Polizisten, Gerd Grallert, der sich intensiv für die Partnerschaft beider Gemeinden einsetzte.

Zusammenarbeit 1974 offiziell besiegelt

Die Zusammenarbeit wurde 1974 offiziell besiegelt, woraufhin der Kneter Partnerschaftsausschuss seine Arbeit aufnahm. In diesem saß auch Gerd Grallert, bis er 1997 verstarb. Seine Frau machte weiter und übernahm seinen Sitz in dem 15-köpfigen Gremium. Die Beziehung zu Belgien „war es mir wert“, sagt Liesel Grallert.

Die plattdeutsch sprechende Frau schwärmt von den Besuchen im Nachbarland: „Es ist immer so freundschaftlich, wenn man ankommt.“ Die Großenkneter fahren per Bus über Antwerpen und Gent etwa 500 Kilometer gen Westen. In der Regel geht es freitagmorgens los und sonntagnachmittags wieder zurück. So verfahren auch die Belgier. Eigentlich. „1974 war eine junge Familie zu Besuch“, erinnert sich Grallert. Zum Glück hatte sie die Betten schon vorbereitet, denn die Gäste kamen einen Tag zu früh. „So ist das eben mit den Belgiern. Keine Probleme, alles unkompliziert.“ Ansonsten seien die Leute „genau wie hier“.

Anfangs brachen noch jedes Jahr Delegationen ins Nachbarland auf. Inzwischen findet der Austausch wechselseitig alle zwei Jahre statt. 2015 waren die Kneter in Evergem, vom 25. bis 27. August kommen nun die Belgier. Zusätzlich gibt es Besuche von kleineren Gruppen zum Beispiel zum Boßeln. Und von jeder Reise gibt es ein paar Mitbringsel wie das Glasbild mit Evergems Wappen in Grallerts Wohnzimmer. Hinzukommen Pralinen, Marmelade und natürlich selbst gebrautes Bier. Dafür sind die Belgier schließlich berühmt.

Auf Plattdeutsch klappt die Verständigung

Zwar spricht Grallert nur ein paar Wörter Flämisch, aber auf Plattdeutsch sei eine Verständigung möglich. „Wenn ich langsam spreche, können sie mich verstehen“, sagt die 75-Jährige. Viele Belgier könnten auch Deutsch und Englisch.

Über die Jahre sind ihr die Familien, mit denen sie während der Besuche regelmäßig in Kontakt ist, ans Herz gewachsen. Man schickt sich Karten zum Beispiel zu Weihnachten. Infos über Familienereignisse wie Hochzeiten machen die Runde. Überhaupt lebe der Austausch durch die Familien, in denen viele von Kindesbeinen an Besuche aus dem Nachbarland gewöhnt seien, so Grallert. Bei ihren Kinder sei das nicht anders, sagt die dreifache Mutter und fünffache Großmutter.

Auch bei Nachrichten aus Belgien wie zum Beispiel den Terroranschlägen in Brüssel im März 2016 hört Grallert genau hin. „Wir sind Europäer“, betont die Huntloserin. „Es geht darum, einen Weg zusammen zu finden.“ Ganz wörtlich nimmt sie diesen Auftrag am 26. August. Dann unternimmt die Seniorin eine Wanderung mit den belgischen Gästen um die Ahlhorner Fischteiche.

Noch werden übrigens Schlafplätze für einige Belgier gesucht. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 04435/600110 bei Antje Oltmanns von der Gemeinde Großenkneten melden.

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