Thorsten Schmidtke übernimmt Schirmherrschaft in Großenkneten

Hospizhelfer beeindrucken Bürgermeister

Die Holpizhelferinnen Karin Pascher und Anja Brockmann-Stumpe blicken mit Bürgermeister Thorsten Schmidkte sowie Petra Jannsen und Martin Gobert von den Johannitern in einen Ausbildungsordner für die Begleitung von Sterbenden. - Foto: bor

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke übernimmt die Schirmherrschaft des ambulanten Hospizdienstes der Johanniter-Unfall-Hilfe in Großenkneten. Anlässlich dieses Ereignisses gaben zwei Helferinnen ihm Einblicke in ihre ehrenamtliche Arbeit, die den Verwaltungschef beeindruckte.

Karin Pascher (58) aus Cloppenburg und Anja Brockmann-Stumpe (50) aus Ahlhorn berichteten anonymisiert über einige ihrer Begleitungen. Pascher erzählte von einer 94-jährigen Frau, die im Raum Löningen lebte, schon ein paar Wochen im Krankenhaus lag, und „die Anzeichen, dass sie auf dem Weg war, waren da“. Sie lag mit geschlossenen Augen im Bett, wollte nichts mehr essen.

Die Tochter, die bei Münster wohnte, habe der Mutter vermittelt, sie könne loslassen. Doch für den Sohn, der vor Ort lebte, war es schwierig. Erst einmal habe sie ganz viel nachgefragt, so Pascher. Dabei geht es oft um die Biografie der Betroffenen und die Situation in den Familien.

Anschließend gab die 58-Jährige dem Sohn Tipps, wie er etwas Gutes für seine Mutter tun kann. Die Ernährung war bereits eingestellt, aber die 94-Jährige hätte noch Durst gehabt, sagte Pascher. Der Sohn habe die Seniorin gefragt, was sie wolle. „Eine Kugel Nusseis“, war die Antwort. „Ich war gerade weg, als sie das sagte. Der Sohn kam hinter mir hergelaufen und fragte, was er denn jetzt tun solle“, berichtete die lebenslustig wirkende Cloppenburgerin. Sie riet ihm, das Eis zu kaufen und es an den Lippen seiner Mutter entlang zu führen.

In der Folge habe dieser mit seiner Mutter gebetet und gesungen. Und dann habe diese „nach zwei Wochen tatsächlich die Augen aufgemacht und wollte essen“. Wenige Zeit darauf erlag sie dann einem Schlaganfall. Pascher, die ein rotes Halstuch mit dem Symbol der Johanniter trug, ist nicht nur ehrenamtlich, sondern auch bei der Kontaktstelle in Löningen aktiv.

Harmonium hilft Sterbenden

Die Ahlhornerin Anja Brockmann-Stumpe kam wie auch Pascher durch Todesfälle in der Familie zur Hospizbegleitung. Sie setzt gern auf Klänge aus ihrem Harmonium, um den Sterbenden Harmonie zu geben. In einem aktuellen Fall betreut sie eine todkranke ältere Frau, die liebevoll von ihrem Mann umsorgt werde. Dieser habe zum Beispiel das Ehebett in der Mitte zersägt, schlafe weiter auf seiner Seite und habe das Pflegebett mit seiner Frau daneben gestellt. „Der Mann ist top auf dem Laufenden. Er hat alle Telefonnummern, ist immer da. Aber er kommt nicht zur Ruhe“, sagte Brockmann-Stumpe. Durch ihre Unterstützung gelinge das nun. „Er kann mal in den Garten gehen oder selber etwas erzählen.“

Sie legt Wert darauf, dass die Hospizhelfer – in Ahlhorn sind übrigens zehn aktiv – nicht plump vorgehen, sondern mit Sensibilität und Empathie. „Es geht auch darum, zu gucken, ob die Chemie stimmt.“

Schmidkte lobte genau wie der Ahlhorner Dienststellenleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe, Martin Gobert, die couragierte Leistung und den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer. Es sei für die Bevölkerung wichtig zu wissen, das „niemand alleine sterben muss“, sagte Gobert. Schmidkte warb für die kostenlose Leistung des ambulanten Hospizdienstes: „Jeder erfährt genau die Betreuung, die er braucht.“

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