Heidemark aus Ahlhorn

„Der Wandel ist unabdingbar“: Mehr Tierwohl kostet mehr Geld

An einem Fließband werden Fleischstücke bearbeitet.
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Das Ahlhorner Unternehmen Heidemark will künftig seine Angebotspalette um Fleisch von Puten aus einer höheren Haltungsstufe anbieten. Ob das dann teurere Fleisch bei den Konsumenten ankommt, entscheiden diese an der Supermarktkasse.

Fleisch von Tieren, die mit Blick auf mehr Tierwohls gezüchtet und geschlachtet wurden, ist verhältnismäßig teuer. Was bedeutet das für eine der größten Putenschlachterei Deutschlands?

Ahlhorn – Die Firma Heidemark ist eine der größten deutschen Putenschlachtereien. Laut Angaben auf der Internetseite des Ahlhorner Unternehmens liegt die Jahreskapazität bei bis zu 200 Millionen Kilogramm. Den Marktanteil gibt Heidemark mit 50 Prozent an. Zu den Kunden zählen nicht zuletzt auch Discount-Supermärkte – also Abnehmer, deren Kunden naturgemäß auf den Preis schauen.

Doch möchte das große Unternehmen Ende des ersten Quartals 2022 auch Produkte anbieten, die von Puten stammen, die nach der Tierwohl-Haltungskategorie III gemästet worden sind. Für die Tiere bedeutet das mindestens 30 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und Stallhaltung mit ständigem Zugang zu einem Außenklimabereich sowie „natürlichen Beschäftigungsmaterialien“ wie etwa Strohballen.

Fleisch darf auch mal mehr kosten: „Der Konsument wandelt sich“

Wie kommt es zu dieser Erweiterung des Angebotes? „Der Konsument wandelt sich“, sagt Rita Benölken, die bei Heidemark den Bereich „Marketing & Produktmanagement“ leitet, im Redaktionsgespräch. Befördert worden sei dies durch die Pandemie und das veränderte Einkaufsverhalten. So hätten sich viele ihre Lebensmittel bequem nach Hause liefern lassen. Auch das Thema Nachhaltigkeit sei „wiederentdeckt“ worden. „Der Wandel ist unabdingbar“, sagt sie.

60.000 Puten verarbeitet Heidemark in der Woche

Dass ein großer Discounter angekündigt hat, sein gesamtes Frischfleischangebot auf die Stufen III und IV umzustellen, spiele dem Unternehmen „positiv in die Karten“. Gleichwohl: Die Umstellung gehe nicht von heute auf morgen, so Benölken, die Tiere müssten entsprechend eingestallt werden. 21 Wochen brauche eine Pute beim Mäster, bis diese schlachtreif sei. Darüber hinaus sei die Thematik nicht neu für Heidemark: „Wir waren schon seit Jahren vorbereitet“, so die Marketing-Leiterin. Dennoch sei es wichtig gewesen, den richtigen Zeitpunkt abzupassen.

Firma Heidemark schlachtet rund 60.000 Tiere in der Woche

Das Unternehmen schlachte rund 60.000 Tiere in der Woche. Wie viel davon künftig aus Haltung mit größerem Tierwohl stammen sollen, wollte Benölken nicht beziffern. „Wir fangen mit einem geringen Prozentsatz an“, sagte sie. Über welche Anzahl Mäster das Unternehmen im Landkreis Oldenburg verfügt, wollte die Firma auf Nachfrage nicht sagen.

Doch sei sich Heidemark sicher, dass die Zeit reif für diese Umstellung sei. Eines sei allerdings bereits klar, unterstreicht Benölken: Diese Ware werde es nicht zum gleichen Preis geben können. „Das Geld muss auf die Höfe kommen und nicht in unser aller Taschen landen“, führte sie weiter aus. „Die Mäster brauchen das Geld.“

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Auf der diesjährigen Lebensmittelmesse „Anuga“ in Köln sei Heidemark vor einigen Wochen mit einem wesentlich kleineren Stand vertreten gewesen als zuvor – 18 statt sonst 180 Quadratmeter. Dort hätten ihre Kollegen, die das erweiterte Angebot vorstellten, viel zu tun gehabt und seien mit einem „positiven Gefühl“ zurückgekommen, so Benölken. Heidemark beschäftigt rund 1 800 Mitarbeiter. Diese Zahl sei konstant, es gebe keine hohe Fluktuation. Die Impfquote entspreche „dem Bundesdurchschnitt“, so Benölken. Einmal wöchentlich sei ein Schnelltest erforderlich.

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