Heimatforscher Dirk Faß stellt alte Motive nach

Bildband führt Vergangenheit und Zukunft zusammen

Nach einer sehr aufwendigen Sanierung dient das ehemals heruntergekommene Gebäude als Büro.

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Früher Lebensmittelladen, heute Spielothek, einst Supermarkt, nun italienisches Restaurant, und wo mal eine Viehrampe stand, wächst heute ein großer Strauch: Heimatforscher Dirk Faß hat rund 100 alte Fotos aus der Gemeinde Großenkneten genommen und die Motive nachgestellt. Jetzt ist der Bildband erschienen.

„Man verliert sich ganz schnell“, meint Bürgermeister Thorsten Schmidtke, der sich freut, mit Faß einen so emsigen Schreiber in seiner Gemeinde zu wissen. „Längst in Vergessenheit Geratenes ist urplötzlich wieder da“, schildert Schmidtke seine Eindrücke vom Blättern in dem 102-seitigen Buch und bleibt bei einer Straßenszene aus Ahlhorn hängen. Zwei junge Frauen wollen per Anhalter fahren, halten den Daumen raus. Beim Bahnübergang hätten sich damals immer wieder Leute auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit eingefunden, erinnert sich der Bürgermeister. Architektonisch hat sich im Vergleich zu heute nicht viel getan: Das Stellwerk der Bahn steht immer noch dort.

Das Lieblingsbild von Faß zeigt ebenfalls eine Straßenszene, und zwar vor einem Geschäft in Huntlosen. Es war das Jahr 1974, als eine Tanzgruppe aus der belgischen Partnergemeinde Evergem das beschauliche Dorf besuchte und ähnlich wie eine Gruppe Funkenmariechen beim Karneval auftrat. „So etwas hatten die Huntloser noch nie gesehen“, ist sich Faß ganz sicher. Heutzutage hat sich bis auf die Abwesenheit der Tänzer gar nicht so viel an der Straße verändert.

So sah das alte Stellwerk der Deutschen Bahn in Ahlhorn früher aus.

Ganz anders sah früher hingegen der Kreisverkehr in Huntlosen aus. Wo dieser Tage Autos ihre Runden drehen, stand die Berufsschule, von der heute überhaupt nichts mehr zu sehen ist. Es ist nicht das einzige ortsbildprägende Gebäude, das im Laufe der Jahre Neubauten oder der Verkehrsentwicklung gewichen ist. „Manche Häuser habe ich ergebnislos gesucht“, so Faß.

Ins Auge fallen auch viele kleine Geschäfte in den Ortschaften, die es in dieser Form nicht mehr gibt. „Früher waren die Welt und das Leben auf den Dörfern bunter“, meint Faß. „Viele Läden hier, eine Schmiede dort. Heute steht links der Rossmann, rechts der Aldi“, beklagt der Heimatforscher die Eintönigkeit und Gleichförmigkeit vieler Siedlungen.

Bei seinen Recherchen konnte Faß auf sein eigenes, großes Bildarchiv, aber auch auf andere Sammlungen zu greifen. Mit der Kamera in der Hand fuhr er quer durch die Gemeinde, um die alten Ansichten wieder vor Augen zu haben. Wenn es dann ans fotografieren ging, achtete er darauf, keine grünen Tonnen vor die Linse zu kriegen, in einer ähnlichen Position zu stehen und mit vergleichbarem Licht zu fotografieren. „Manche Stellen musste ich fünf-, sechsmal anfahren, weil immer irgendetwas nicht stimmte“, sagt Faß. Gelohnt hat sich die Arbeit allemal, denn bis man sich an den vielen Fotos satt gesehen hat, dauert es eine Weile.

Der Bildband kostet 12,90 Euro, ist im Oldenburger Isensee Verlag erschienen und im Handel erhältlich.

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