Helfer aus der Gemeinde Großenkneten besuchen Dernau

Große Zerstörung, große Dankbarkeit

Schuttberge und ein zerstörtes Haus.
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Von idyllischen Weinbergen umgeben: Eine acht Meter hohe Flutwelle wälzte sich durch den Ort Dernau an der Ahr.

Großenkneten/Dernau – Direkt vor Ort helfen, und zwar gezielt so, wie es die Betroffenen in dem von der Flutkatastrophe zerstörten Dorf Dernau (Rheinland-Pfalz) brauchen – das ist das Ziel der vier Bürgervereine der Gemeinde Großenkneten und des Heimatvereins Baumweg-Lethe. Am Mittwoch hatten sich Bürgermeister Thorsten Schmidtke und Vertreter der Vereine auf den Weg in den rund 330 Kilometer entfernten Ort an der Ahr gemacht. Bei einem Pressegespräch am Donnerstag schildern sie ihre Eindrücke und erläutern, wie sie weiter vorgehen wollen.

Wie sehr die Situation in Dernau, auch fast vier Wochen nach der Katastrophe, sie beeindruckt hat, ist der Gruppe am Tag nach ihrem Besuch noch anzumerken: „Es war schlimmer als vorgestellt“, berichtet Hilke Müller vom Bürgerverein Huntlosen. „Das Wasser hat in der zweiten Etage gestanden“, schildert sie. Das Wasser habe die Friedhofskapelle vollständig überspült, Brücken über die Ahr seien verschwunden. Die noch vorhandenen Parkplätze ringsum seien zu Autofriedhöfen geworden, auf denen die zerstörten Fahrzeuge gesammelt werden. „Da sieht man, was das Wasser für eine Kraft hat.“ Und Heiner Hüwelmann vom Heimatverein schätzt: „Die haben da 1 000 Autos herausgezogen.“

„Da ist ein kleiner Fluss, so groß wie die Lethe – der hatte plötzlich acht, neun Meter Höhe. Der fließt jetzt ganz ruhig da durch“, ergänzt Rainer Kues vom Heimatverein Großenkneten, beeindruckt von der plötzlichen Gewalt des Wassers, die den Ort erfasst hat. „Gefühlt 90 Prozent der Häuser sind nicht bewohnbar“, schätzt Insa Seeger vom Frauennetzwerk Großenkneten.

Arbeiten in vollem Gange

So sehr die Großenkneter die Schäden bedauern, so sehr sind sie von dem Engagement der Leute in Dernau begeistert: „Die Hilfsbereitschaft ist nahezu grenzenlos“, so Schmidtke. Denn es gebe immer noch viel zu tun: Überall stemmten die Helfer Wände ab oder entfernten Decken, sagt Hüwelmann. „Wir haben nur Presslufthämmer gehört“, ergänzt Müller. Die unmittelbare Versorgung für die Einwohner und die vielen Helfer, die im Einsatz sind, sei gut. Sachspenden seien dahingehend aktuell nicht notwendig.

Das ist aber auch nicht der Ansatz der Aktion aus der Gemeinde: „Wir wollen nicht kurzfristig helfen, sondern mittel- und langfristig sowie beim Aufbau unterstützen“, umreißt Schmidtke das Kneter Konzept. Die Gemeinde werde später versuchen, in einem weiteren Schritt zusätzliche Hilfe zu organisieren und leisten zu können: etwa über Feuerwehrleute, die dank ihrer Ausbildung überall unterstützen könnten oder Handwerker, die helfen, die Innenräume zu sanieren – wenn es denn so weit ist.

Noch sehr viel zu tun

Ein für den Tag geplantes Treffen mit dem Ortsbürgermeister sei nicht zustanden gekommen: Er war den Tag über in Krisen-Sitzungen – unter anderem mit dem Innenminister des Landes – gebunden. Das sei aber gar kein Problem gewesen, zeigt die Gruppe volles Verständnis für die Lage. Man selbst habe ja auch niemanden stören wollen. Noch am Abend habe der Bürgermeister ihm aber geschrieben, am Donnerstag hätten beide miteinander telefoniert, so Schmidtke. Mit leeren Händen waren die sechs Besucher jedoch nicht gekommen: Sie hatten diverse neue Pfannen und Töpfe mitgebracht, die dankbar angenommen wurden.

„Was gut ist, ist diese Eins-zu-eins-Beziehung“, sagt Kues, „das ist vielen in Großenkneten wichtig“, unterstreicht er. Und das, berichtet die Gruppe, sei auch in dem Ort willkommen. So könne etwa das gesammelte Geld für Personen genutzt werden, die es unmittelbar notwendig hätten, sagte Müller. Die Dernauer, mit denen sie gesprochen haben, hätten sich vielmals bedankt.

Spenden und Geräte weiterhin benötigt

Daher seien Geldspenden nach wie vor wichtig, unterstreichen die Mitglieder der Vereine. Laut Hüwelmann, dessen Heimatverein die Aktion ins Rollen gebracht hatte, seien aktuell rund 38 000 Euro auf dem Konto zusammengekommen. Was noch benötigt werde, seien gut erhaltenes Werkzeug und Maschinen für die Wiederaufbauarbeiten. Wer auf diese Weise helfen möchte, kann die Geräte am morgigen Samstag in der Zeit von 10 bis 16 Uhr direkt bei Hüwelmann am Feldmühlenweg 9 in Ahlhorn abgeben.

Vereine sammeln weiter Spenden

Die Bankverdindung der Vereine aus der Gemeinde Großenkneten:
IBAN DE11280662140258461101, Stichwort: „Hochwasser-Katastrophe Vereine“

Die Straßen, Brücken und Bahnschienen hielten der Gewalt des Wassers nicht stand.
Kurzbesuch aus Großenkneten in der stark betroffenen Ortschaft: Thorsten Schmidtke, Hilke Müller, Heiner Hüwelmann, Bianka Brunken, Rainer Kues und Insa Seeger (v.l.).

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