Bilder im Großenkneter Rathaus

Fotografischer Weckruf gegen sexuelle Gewalt

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Bürgermeister Thorsten Schmidtke und Großenknetens Gleichstellungsbeauftragte Antje Oltmanns freuen sich über die Ausstellung, deren Initiator Stephan Behrens (von rechts) während der Eröffnung zugegen war. Fotograf Roland Nappe hatte die Frauen, von denen vier ebenfalls gekommen waren, abgelichtet.

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Sie weinen, leiden schweigend oder schreien, bedecken mit ihren Händen ihre bloßen Brüste, auf ihren nackten Oberkörpern steht „Don’t touch us!“ („Berühr uns nicht“): Die Rede ist von 32 Frauen, die sich zum Thema „Sexuelle Gewalt“ haben fotografieren lassen.

Ihre Bilder sind seit Montag in der Ausstellung „Nein zu Gewalt an Frauen“ im Rathaus der Gemeinde Großenkneten zu sehen und sorgen dort für Diskussionen.

Kunstausstellungen sind im Kneter Rathaus die Regel, aber oft dienen die Bilder eher der Unterhaltung, man übersieht so manches der Werke, die an den Wänden hängen. Das ist bei den jetzigen Schwarz-Weiß-Fotos schwer möglich. Sie zeigen auf sehr eindringliche Weise verletzliche und verletzte Frauen, die sich wehren. Gegen Gewalt. „Es sind keine Bilder, die uns besonders schön darstellen“, sagt Anne Papen (20) aus Bremen. Sie ist eines der Models, die sich ohne Gage für die Fotos zur Verfügung gestellt hatten.

Die Bilder geizen nicht mit Nacktheit. „Es ist wichtig, dass ein bisschen Haut gezeigt wird, aber das darf nicht falsch verstanden werden“, betont Stephan Behrens (44) aus der Gemeinde Hatten, der hinter der Ausstellung steckt. „Frauen sind attraktiv, schaut sie euch an, sie müssen sich nicht verstecken. Aber anfassen ist verboten“, sagt er.

Freizügige Fotos sorgen für Diskussionen

Behrens kam die Idee für das Projekt durch eine Freundin aus der Region, die nach Bayern gezogen und dort Opfer geworden sei. Ein dreifacher Familienvater habe ihr in einer Diskothek K.o.-Tropfen verabreicht und sie dann vergewaltigt. Zu einer Verurteilung des Mannes sei es nicht gekommen, da die Frau wie viele andere die Beweise unverwertbar gemacht hätte.

Bürgermeister Thorsten Schmidtke hofft, dass Männer durch die Ausstellung sensibler agieren. „Man muss schauen, wie die Frau reagiert.“ Dabei bezieht er sich auf Blicke in den Ausschnitt und das Auflegen einer Hand auf die Schulter. „Da kann sich nicht jeder Mann von freisprechen“, meint er. Die teilweise recht freizügigen Fotos hätten im Rathaus für Diskussionen gesorgt. Die Kolleginnen sähen die Art der Darstellung unterschiedlich. Genau das wollte Fotograf Roland Nappe bezwecken. Es geht ihm nicht nur um schöne Bilder, sondern um die Bedeutung. Er will eine kontroverse Debatte. Deswegen handelt es sich auch um Schwarz-Weiß-Aufnahmen. „Farbe würde ablenken“, so der Oldenburger.

Nur 20 Prozent der Opfer suchen Hilfe

Die gezeigten Frauen haben vielfach selbst Erfahrungen mit sexueller Gewalt gehabt. Vom Grapschen am Hintern bis hin zur Vergewaltigung. Damit sind sie keine Ausnahmen, wie Großenknetens Gleichstellungsbeauftragte Antje Oltmanns informiert. „Man darf nicht denken, dass Hollywood weit weg ist“, bezieht sie sich auf die Vorwürfe gegen den Produzenten Harvey Weinstein, dem Schauspielerinnen vorwerfen, sie vergewaltigt zu haben. Von Zwangshochzeiten über Stalking bis hin zu Mobbing zeige sich Gewalt gegen Frauen auch in der Gemeinde Großenkneten. Das wisse sie aus ihrer täglichen Arbeit.

Bemerkenswert dabei ist, dass nur 20 Prozent der Opfer Hilfe in Form von Beratungsstellen suchen. Die Ausstellung soll dazu ermuntern, sich an Stellen wie das Frauen- und Mädchentelefon „Aufwind“, die Anlauf- und Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch „Wildwasser“ oder den Weißen Ring zu wenden. Entsprechendes Infomaterial liegt aus.

Die Fotos sind noch bis zum 1. Dezember zu den Öffnungszeiten des Rathauses (montags bis freitags 8 bis 12 Uhr, montags 14 bis 16 Uhr, dienstags 14 bis 18 Uhr und sonnabends 10 bis 12 Uhr) zu sehen.

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