Nach dem Zweiten Weltkrieg große Teile des Baumbestands erneuert

Forstamt ehrt die „Trümmerfrauen des Waldes“

Ernst-August Bode von der Oldenburgischen Landschaft und die Leiterin des Forstamts Ahlhorn, Regina Dörrie, enthüllen die Tafel, die an die Kulturfrauen und ihre Leistung erinnern soll (kleines Bild). - Fotos: bor

Emstek/Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Jahrzehntelang war ihre Arbeit in der Öffentlichkeit nicht so stark präsent, aber am Freitag haben die Kulturfrauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Wälder wieder aufforsteten, eine Ehrung bekommen, mit der einige nicht mehr gerechnet haben dürften.

„Es ist schon überraschend, dass wir 70 Jahre danach geehrt werden“, freute sich die 85-jährige Delmenhorsterin Hanna Fischer. Gemeinsam mit vier anderen Frauen und zwei Männern – ja, die gab es auch, allerdings deutlich weniger als Frauen – war sie im Gehölz beim Waldpädagogikzentrum Ahlhorn zugegen, als das Denkmal enthüllt wurde.

Auf einem großen Stein prangt eine Plakette, die an die Leistung der Kulturfrauen bei der Wiederaufforstung der Wälder seit 1945 erinnert. Bereits Ende vergangener Woche waren sie in Neustadt-Otternhagen bei Hannover von den Niedersächsischen Landesforsten gewürdigt worden. Nun waren Fischer und andere Frauen aus dem Nordwesten Niedersachsens noch einmal an den Ort eingeladen, an dem viele von ihnen gearbeitet hatten.

„Es war eine schlimme Zeit nach dem Krieg“, erinnerte sich Fischer. Vom Frühjahr 1947 bis zur Währungsreform 1948 pflanzte sie Tausende Bäume. Für die aus Ostpreußen geflohene Frau war es „die einzige berufliche Chance“, sagte sie. Unter den Frauen war auch Irmgrad ten Cate (79). „Alle hatten nix, jeder hat sich gefreut, etwas machen zu können“, berichtete die Cloppenburgerin, die auch aus Ostpreußen stammt.

Damit waren die beiden nicht allein. Viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten wurden in den schwer geschädigten oder in der Fachsprache übernutzten Wäldern Niedersachsens eingesetzt. Zur Versorgung der Kriegsindustrie waren 150 Prozent des Zuwachses gefällt worden. Ein Zustand, der sich laut den Landesforsten auch nach dem Ende der Kämpfe nicht wesentlich besserte. Für die deutsche Industrie im Ruhrgebiet, als Brennholz und als Reparationszahlung an die Engländer nahm der Einschlag sogar noch weiter zu. Etwa 15 Prozent der vorherigen Waldfläche waren schließlich kahl – rund 140 000 Hektar.

Millionenfach Bäume gepflanzt

Fischer und andere Frauen sprangen in die Bresche und pflanzten millionenfach neue Bäume. Deswegen wurde zum Beispiel das 50-Pfennig-Stück mit einer Kulturfrau versehen.

Ernst-August Bode würdigte ihre Arbeit in seiner Funktion als Vizepräsident der Oldenburgischen Landschaft: „Es war eine unglaubliche Leistung. Es ist richtig und an der Zeit, dass Ihnen eine große Ehrung und Anerkennung zuteil wird.“ Auch die Chefin des Forstamts Ahlhorn, Regina Dörrie, bedankte sich. „Es ist Ihr Verdienst, wenn wir uns heute am Wald erfreuen können.“ Anschließend zitierte sie den Präsidenten der Landesforsten, Klaus Merker: „Der niedersächsische Wald stammt fast ausschließlich aus Frauenhand.“

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