Gericht verurteilt Ahlhorner zu Jugendarrest und Betreuung durch Verein Brücke

Ex-Freundin bei Facebook als „billige Hure“ angeboten

Wildeshausen/Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Weil er seine Ex-Freundin geschlagen sowie bei Facebook als „billige Hure“ angeboten und beschimpft hatte, hat das Amtsgericht Wildeshausen einen 20-jährigen Ahlhorner am Mittwoch zu einem Wochenende Arrest und einer sechsmonatigen Betreuung durch den Verein Brücke verurteilt.

Der Angeklagte hat offenbar erhebliche Probleme, Konfliktsituationen gewaltfrei zu lösen. Schöffen und Richterin wendeten Jugendrecht an. Das Verhältnis des Angeklagte zu seiner Ex, mit der er trotz Trennung zum Zeitpunkt der Taten in einer Ahlhorner Wohnung lebte, ist zerrüttet. Es hatte über einen längeren Zeitraum Beschimpfungen und Schläge des Angeklagten gegeben, sagte die Ex-Freundin: „Er schaltet den Kopf aus und merkt gar nicht, wenn er einem weh tut“, so die junge Frau.

Die Situation eskalierte Anfang dieses Jahres bei zwei Vorfällen, welche die 20-Jährige angezeigt hatte und die nun vor Gericht verhandelt wurden. Der Angeklagte zeigte sich weitgehend geständig. Er räumte ein, seine Ex-Freundin am 19. Januar an den Oberarmen gepackt und beleidigt zu haben. Drei Tage darauf veröffentlichte er dann den eingangs erwähnten Post und boxte ihr heftig gegen einen Oberarm, als sie ihn deswegen zur Rede stellte. Die Frau trug Hämatome davon und fühlte sich herabgewürdigt.

Als die 20-Jährige am Mittwoch im Gerichtssaal aussagte, gelang es dem Angeklagten nicht, ihr ins Gesicht zu schauen. Er saß knapp drei Meter entfernt links von ihr und fokussierte starren Blicks die Front des Richtertischs. Nachdem die junge Frau ihre Aussage beendet hatte und sein Anwalt kurz mit ihm gesprochen hatte, wendete sich der Ahlhorner an seine frühere Liebe. 

„Ich habe alles eingeräumt. Es tut mir leid, dass ich das geschrieben und dich angefasst habe.“ Dabei fiel es ihm immer noch schwer, die 20-Jährige anzusehen. Sein Blick war gesenkt. „Ich kann nicht verzeihen“, erwiderte die Ahlhornerin, die schwanger von ihrem neuen Freund ist und diesen bald heiraten will. Mit ihrem Partner wohnt sie nun rund 400 Kilometer von Ahlhorn entfernt in Nordrhein-Westfalen.

Von seiner Ex hatte der Angeklagte also keine Gnade zu erwarten. Auch hat es das Leben bisher nicht besonders gut mit ihm gemeint. Er kam Anfang des Jahrtausends als Kind mit seinem Vater aus den neuen Bundesländern nach Ahlhorn, seine Eltern hatten sich scheiden lassen, als er noch in den Kindergarten ging. Die nachfolgende Schulkarriere ist von Rückschlägen gekennzeichnet. Am Ende stand ein Hauptschulabschluss und bis heute keine Ausbildung.

Allerdings ist er vor dem Gesetz kein Unbekannter. Sechs Einträge – mehrfach wegen Diebstahls und dazu Hehlerei sowie Verstoß gegen das Waffenrecht – sind im Bundeszentralregister aufgelistet. Auch in Wildeshausen wurde er schon verurteilt. Zu einer viermonatigen Betreuung durch den Verein Brücke zum Beispiel. Damals hatte das Gericht gesagt, sollten weitere Straftaten dazukommen, käme auch eine Jugendstrafe – also Haft – in Betracht.

Davon sah die Kammer nun aber ab. Das widerspreche ein wenig dem Grundsatz „Wer bellt, muss auch beißen“, räumte die Richterin ein. Aber der 20-Jährige ist erzieherisch noch zu erreichen, hofft das Gericht. Deswegen keine Haft, aber der Arrest, damit er „mal schnuppern kann, wie eine Jugendstrafe ist“.

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