„Es ist traurig, was hier passiert“

Das Naturschutzgebiet um die Sager Meere hat vermehrt mit Problemen zu kämpfen

Sdas Große Sager Meer.
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Ist Anziehungspunkt für Brutvögel und für Touristen: das Große Sager Meer.

In der Gemeinde Großenkneten genießt das Naturschutzgebiet Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoor europaweiten Schutz. Wirklich viel dafür getan werde jedoch nicht, erzählt Max Hunger, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Oldenburg. Zudem habe das Schutzgebiet vermehrt mit den Folgen von Touristen zu kämpfen.

  • Das Naturschutzgebiet um die Sager Meere ist seit einigen Jahren von der EU geschützt.
  • Jedoch verschlechtere sich der Zustand des Schutzgebietes.
  • Auch der wachsene Tourismus könne zum Problem werden.

Sage – Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das etwa 200 Hektar große Naturschutzgebiet der Sager Meere, Kleiner Sand und Heumoor als Fundort seltener Pflanzenarten bekannt. 1939 wurde es unter Schutz gestellt und seit 1951 ehrenamtlich vom Mellumrat betreut. Im Mittelpunkt des Gebiets stehen das Kleine und das Große Sager Meer. Diese ziehen neben den 92 Brutvogelarten in den vergangenen Jahren immer wieder auch menschliche Besucher an.

„Das ist ein Problem“, erklärt Hunger. Er, der regelmäßig im Schutzgebiet unterwegs sei, begegne immer wieder Menschen in den für die Öffentlichkeit eigentlich geschlossenen Bereichen. Und das, obwohl Schilder aufgestellt worden seien mit dem Hinweis, dass das unbefugte Betreten eine Ordnungswidrigkeit darstellt und mit einer Strafe von bis zu 25 000 Euro geahndet werden kann. „Einmal habe ich Leute aus Brake getroffen. Die haben ihr Auto am Rand des Waldes geparkt und sind querfeldein in Richtung Großes Sager Meer gegangen.“ Einmal habe Hunger Menschen direkt am Steg des Gewässers Bier trinken gesehen. Auch gebe es Gerüchte, dass schon Freizeitsportler auf dem Großen Sager Meer gesichtet worden seien. „Solche Leute muss man schon belehren. Die meisten reagieren aber mit Verständnis und sind nett und umgänglich“, erzähl Hunger Viele seien zudem in der Umgebung aufgewachsen und würden nur mal kurz gucken wollen, so Hunger.

Wie soll sich eine Behörde darum kümmern? Die stecken doch auch alle in Arbeit und können nicht herkommen und alle kontrollieren.

Max Hunger, Naturschutzbeauftragter

Konkrete Maßnahmen, die Menschen vom Gewässer fernzuhalten, gebe es nicht, erzählt er. Das Gebiet werde ehrenamtlich vom Mellumrat mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde betreut. „Wie soll sich eine Behörde darum kümmern? Die stecken doch auch alle in Arbeit und können nicht herkommen und alle kontrollieren.“

Motorsportler im Naturschutzgebiet

Die befahrbaren Wege innerhalb des Naturschutzgebietes sind zwar schlecht befahrbar und zum großen Teil nur landwirtschaftlich nutzbar, der sandige Untergrund locke jedoch nur weitere Menschen an, erzählt Elionore Roßmann. Die Ahlhornerin gehe noch immer regelmäßig mit ihren Hunden durch das Naturschutzgebiet und habe schon einige Male Quad- und Motorcrossfahrer sehen können, die Rennen durch das Schutzgebiet fuhren. „Manche sind auch einfach über die bestellten Felder gefahren. Viele halten sich hier nicht an die Regeln“, so die Ahlhornerin. Sie habe lange am angrenzenden Schullandheim Bissel gearbeitet, früher mit den Kindern auch Führungen in die Umgebungen unternommen, erzählt sie. „Ich kenne das Gebiet sehr gut. Es ist traurig, was hier passiert.“

Aufgrund einer Managementplanung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz ist das Gebiet seit 2016 von der EU besonders geschützt. „Damit geht auch ein ,Verschlechterungsverbot’ einher, das besagt, dass der Erhaltungszustand des Gebiets nach EU-Recht bewahrt oder in positiver Weise entwickelt werden muss“, so Hunger.

Zur Erhaltung muss der Nährstoffgehalt niedrig bleiben

Zur Erhaltung des Naturschutzgebietes sei es aber unerlässlich, dass die Nährstoffeinträge gering bleiben. „Dies ist jedoch nur schwer umzusetzen“, so Hunger. Es sind zwar einzelne Maßnahmen zu erkennen, die die Nährstoffreduktion unterstützen, wie die im vergangenen Jahr ausgewiesenen Projektflächen, die mit Silbergrasflur bepflanzt wurden, um den Boden nährstoffarm zu halten. Doch besonders der Umstand, dass die Umgebung des Schutzgebietes landwirtschaftlich geprägt sei, mache es nicht leicht, eine Reduktion zu ermöglichen. „Düngemittel wie Gülle erhöhen nun mal den Nährstoffgehalt des Bodens. Durch die Zuflüsse der Meere kommt so ein stetiger Zufluss an Nährstoffen in das Naturschutzgebiet“, so Hunger.

Nach Angaben eines Biotope-Merkblatts, das das Naturschutzforum Deutschland herausgab, verschlechtere sich der Zustand des Gebietes dadurch zunehmend. Zwar seien grundlegende Arbeiten zur Erhaltung des Gebiets eingeleitet worden, jedoch gebe es bislang kaum konkrete Maßnahmen, um eine Verbesserung zu erreichen.

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