2500 Jahre alte Ton-Urnen

Artefakte standen im Clubzimmer

Zwei sehr alte tönerne Urnen.
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Rund 2 500 Jahre alt: Zwei der Urnen, die bei Gut Morbeck in der Gemeinde Großenkneten gefunden worden waren. Vom Stil her entsprechen sie dem „Harpstedter Rauhtopfs“ und dem „Dötlinger Typ“.

Moorbek – Auf das Wissen der Einheimischen ist eben immer Verlass: In der letzten Juliwoche im Jahr 1932 wohnten auf Gut Moorbeck der Architekt Hermann Wille und der Diplom-Ingenieur Richard Haase. Ihre Aufgabe lag darin, in der weiten Umgebung die Steindenkmäler und sonstige Merkmale aus früherer Zeit, in einer Bestandsaufnahme aufzunehmen und zu vermessen.

Dabei hatte sich etwas Unerwartetes zugetragen, wie Wille seinerzeit dem Oldenburgische Staatsministerium meldete: „Am 9. August, dem Tag vor unserer Abreise, zeigte uns Herr Gutsbesitzer Stolle auf einem zu seinem Land gehörigen Heidestück einige Kaninchenlöcher, in den Tonscherben und Knochenreste lagen. Des Öfteren wurde an diesem Ort nach Kaninchen gegraben, wobei ebenfalls ohne Wissen auch Urnenscherben beseitigt wurden.“ Bei der Besichtigung der Scherben und Knochenresten, die vor und in den von den Tieren gegrabenen Erdlöchern lagen, hob Stolle mit dem Spaten einige Heideplaggen ab, worauf Wille ohne Mühe „in kaum 20 Zentimeter Tiefe“ den oberen Rand einer Urne festlegen konnte, die mit Heidewurzeln durchwachsen war.

Wille weiter: „Vorsichtig nahmen wir mit Löffeln den Sand ringsherum weg. Dicht daneben zeigte sich eine zweite und, nachdem der feine Sand ringsherum weggenommen war, eine dritte Urne. Nach und nach legten wir zehn Töpfe frei.“ Diese Tongefäße waren zu fast drei Vierteln mit Knochenresten gefüllt, die in jeder der Urnen nach dem Durchsieben wieder hineingelegt wurden. Als einzige Besonderheit fanden die Forscher einige kleine Kügelchen geschmolzener Bronze. Sonstige Beigaben konnten sie – trotz genauster Prüfung – nicht feststellen.

Keine Zähne unter den Fundstücken

Das erste Fundstück war mit einer kleinen umgestülpten kleinen Schale, und weitere Urnen waren mit Scherben zugedeckt. Alle bestehen aus dem gleichen Material, und sind gelb, braun und von dunkelgrauer Farbe, innen zum Teil schwarz, handgearbeitet ohne Töpferscheibe, mit Steingrus, scheinbar aus fein geschlagenen Steinen vermischt und grob geschlemmt. Die an der Sonne getrockneten Töpfe sind weich gebrannt und sehr mürbe. Die vierte Urne, etwas fester und sorgfältiger gearbeitet, ist mit einer eingeritzter Zeichnung verziert. Die Knochenstücke präsentierten sich recht groß und gut erhalten sowie von heller, grauer Farbe. „Auffallend ist, dass bei dem sorgfältig durchsiebten Inhalt der Urnen unter den Kochenteilen nicht ein Zahn gefunden wurde“, vermerkte Wille.

Professor Hugo-Berthold von Buttel-Reepen, der damalige Leiter des Naturhistorischen Museums in Oldenburg, stellt später fest, dass acht der nicht ornamentierten Urnen in die jüngere Bronze- beziehungsweise die ältere Eisenzeit gehören, während die beiden ornamentierten etwas jünger sind, und in den Anfang der jüngeren Eisenzeit fallen. Hans Nortmann beschreibt 1983 in seinem Buch „Die vorrömische Eisenzeit zwischen unterer Weser und Ems“, dass einige der Urnen den typischen Merkmalen regionaler Varianten – dem „Harpstedter Rauhtopf“ und dem „Dötlinger Typ“ – zugeschrieben werden.

Zwei der unbeschädigten Urnen erhielt Gutsbesitzer Heinrich Stolle zurück. Er ließ rechts oberhalb der Eingangstür zum Kaminzimmer eine Zeichnung der beiden Urnen anfertigen. Als sie weniger Beachtung fanden, ruhten sie über Jahrzehnte im Clubzimmer oberhalb des Kachelofens. Sie sind ein Beweis, dass auf dem Gebiet von Gut Moorbeck schon in der älteren vorrömischen Eisenzeit (750 bis 480 vor Christus) bereits Menschen siedelten.

Von Dirk Fass

Eine Zeichnung aus dem Jahr 1932 zeigt die Fundorte.

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