Um das heutige Naturschutzgebiet „Sager Meere“ rankten sich einst Sagengeschichten

Einer der tiefsten Seen des Landes

Im verlandeten Uferbereich des Naturschutzgebietes gedeiht die Teichrose.
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Im verlandeten Uferbereich des Naturschutzgebietes gedeiht die Teichrose.

Sage – Der Name „Sager Meer“ erinnert noch an die Zeit, als das Binnengewässer – heute würde man eher die Bezeichnung See wählen – zum Dorf Sage gehörte. Es handelt sich dabei um zwei Seen westlich von Großenkneten und Sage, nahe der Bauerschaft Bissel in der ehemaligen Sager Heide, mit einer Wasserfläche von 18,4 Hektar und drei Hektar. Das Gebiet um diese Seen gehörte früher zur „gemeinen Mark von Sage“, dem gemeinsamen Besitz der Bauern, die dort ihre Heidschnucken weiden ließen und eine Stelle des Sees zum Waschen der Tiere nutzten.

Als um 1860 bei der Markenteilung das Land an die einzelnen Bauern vergeben wurde, legte man für eine Kartierung ein Wegenetz an. Deshalb ist es heute nicht verwunderlich, dass die Wege um das Gebiet, wie mit einem Lineal gezogen verlaufen. Von dem aufgeteilten Land behielt der Staat das Ödland in seinem Besitz – in diesem Fall die beiden Seen mit einem Uferstreifen – und ließ die Flächen durch die damals dafür zuständige Behörde, den Landeskulturfonds, verwalten. 1904 wurden Seen und Überstreifen an den Apotheker Jakobi aus Wildeshausen veräußert.

Bis zu 28 Meter tief

Während das kleinere Gewässer nur um die elf Meter tief ist, befindet sich im großen Meer allerdings ein Kolk (ehedem durch Strudel entstandenen Vertiefung) von immerhin 28 Meter Tiefe. Das „Sager Meer“ ist damit einer der tiefsten Binnengewässer Niedersachsens.

Wie ist ein so tiefes Loch zu erklären? Ist es während der Eiszeit entstanden? Seismographische Untersuchungen des Untergrundes haben in dem Bereich von Hengstlage bis zum Sager Meer einen Salzstock festgestellt. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei der Seenfläche um eine recht junge Bildung handelt, die nach dem Auslaugen von Salz durch einen Einsturz entstanden ist, ein sogenannter Erdfallsee.

Riesenhecht statt „Nessie“

Viele Vorstellungen umrankten über die Jahrhunderte das geheimnisvolle „Sager Meer“, das sich unter anderem in einer Sammlung von Sagengeschichten von Ludwig Strackerjan (1825 bis 1881) finden lässt. Um 1900 sorgten etwa Berichte von einem riesigen Hecht für Aufsehen: Ab und an wurde über dem Spiegel des Gewässers der breite Rücken eines Riesenhechtes beobachtet, der den Vermutungen nach schon sehr alt sein sollte. So soll es einem Jäger aus Sage gelungen sein, in dem Kanal, der die beiden Gewässer miteinander verbindet, einen solchen Fisch von etwa 35 Pfund Gewicht zu erbeuten. Mit zahlreichen Setzangeln rückten den Riesenhechten zu Leibe, aber der Erfolg war doch recht kümmerlich, denn die „Meeresungeheuer“ waren an Schlauheit manchen anderen Geschöpfen anscheinend überlegen.

In der Zeit von 1920 bis 1970 herum kamen zahlreiche Wissenschaftler an die „Meere“ und untersuchten, eine Vielzahl von Sumpf- und Wasserpflanzenarten sowie seltene Wassertierchen. Lange Auflistungen und Tabellen in ihren Auswertungen zeugen von dem damaligen Artenreichtum. 1953 zählte man 53 verschiedene Brutvogelarten. Bedauerlicherweise haben sich in den vergangenen Jahrzehnten im und um das Wasser herum immer mehr Amphibien und Vogelarten verabschiedet. Brutplätze und ein Nahrungsangebot gingen immer weiter zurück.

Nicht nur die Schilfgürtel überwucherten von Strauch und Buschwerk, sondern auch alle Uferzonen und darin die schützenswerten Pflanzenarten, wie zum Beispiel die Binsenschneide. Immer mehr verlanden die Flachzonen durch das abgesetzte Laub. Dieses rundherum zugewachsene Gebiet steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden.

Die Schilfzonen des „Sager Meeres“ sind überwuchert. Die Artenvielfalt an dem Gewässer hat abgenommen.

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