Neujahrsempfang Großenkneten: Immobilienkonzern investiert in Ahlhorn

Eine „tolle Gemeinde“ feiert sich

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Gut gelaunt am Rande des Neujahrsempfangs: Bürgermeister Radoslaw Dobrowolski, Minister Olaf Lies, Bürgermeister Thorsten Schmidtke, Landrat Carsten Harings und Bürgermeister Jori de Maertelaere (von links).  Rosenbohm(2)/Franitza

Großenkneten – Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte die Lacher auf seiner Seite, als er sich mit dem Satz „Das nächste Mal bringe ich auch wieder einen Scheck mit“ seine Rede beim Neujahrsempfang der Gemeinde Großenkneten beendete. Damit war er auf einen Scherz eingegangen, den zuvor Bürgermeister Thorsten Schmidtke gemacht hatte – gespielt larmoyant hatte dieser angemerkt, dass kein anderer Spitzenpolitiker die Gemeinde so oft besuche, wie Lies. Doch dieser hätte bei der Gelegenheit auch meist noch einen Förderbescheid mit im Gepäck. Zudem: Der Gemeinde geht es – insbesondere finanziell – sehr gut. Und die Aussichten, wie Schmidtke berichtete, seien mehr als rosig. Rund 200 geladene Gäste hatten am Dienstagabend an der Veranstaltung in Großenkneten teilgenommen, neben dem Minister auch Landrat Carsten Harings und Delegationen aus den Partnergemeinde Suprasl in Polen sowie dem belgischen Evergem.

Wirtschaft werde in der Gemeinde im wahrsten Sinne des Wortes „groß“ geschrieben, so Schmidtke weiter. Und so habe sich die Kämmerei im vergangenen Jahr wieder über Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von rund zwölf Millionen Euro freuen dürfen. Er dankte allen Firmen, die zum wirtschaftlichen Gedeihen der Kommune mit beitragen – und begrüßte an dieser Stelle gleich ein neues Unternehmen in der Runde: Mit dem internationalen Logistikimmobilienkonzern Gazeley lasse sich ein „Global Player“, so Schmidtke, in Ahlhorn nieder. Rieke Ringena, Development Director des Konzerns nahm an dem Empfang teil. Laut Internetseite plant Gazeley gegenwärtig auf einem Grundstück von rund 450 000 Quadratmetern vier, zehn Meter hohe Lagerbereiche mit rund 250 000 Quadratmetern Fläche zu errichten. In der Gemeinde werde bald „das logistische Herz Niedersachsens“ schlagen, sagte denn auch Minister Lies in seiner späteren Rede. Es sei spannend, zu sehen, was noch an Investitionen kommen werde. Die „tolle Gemeinde“ Großenkneten könne auch in diesem Bereich stolz auf das Erreichte sein.

Doch auch die unmittelbaren Nachbarn vergaß der Kneter Rathauschef nicht. Ein besonderer Gruß galt der Abordnung „aus unserer Lieblingsgemeinde Emstek“. Regelmäßig arbeiteten die beiden Kommunen zusammen und „befruchteten sich gegenseitig“. Man sage den Südoldenburgern ja gerne nach, dass sie „einfach machen“, sagte Schmidtke – und dies sei eine Arbeitsweise, die auch in Großenkneten gerne praktiziert werde.

Eintrag ins Goldene Buch: Faustballer Tim Albrecht.

In seiner Rede ging Lies insbesondere auf die Notwendigkeit von Veränderungen ein (wir berichteten). Diese beträfen seiner Meinung nach alle Bereiche des Lebens und seien unumgänglich. So werde man dereinst Kindern erklären müssen, was denn eine Bushaltestelle sei – weil es dann längst intelligenten und individuell organisierten öffentlichen Nahverkehr geben werde. Um Wandel gestalten zu können, müssten allerdings überall gleiche Bedingungen herrschen. Daher dürfe es keine Benachteiligung ländlicher Kommunen gegenüber Städten mehr geben.

Aktuelle Ereignisse trieben Landrat Carsten Harings um, insbesondere die sozialen Medien und die Verrohung der Umgangsformen prangerte er in seinem Grußwort an. In Auseinandersetzungen werde kein Blatt mehr vor den Mund genommen. Jeder meine, dass nur die eigene Meinung die richtige sei. Scharf geißelte er die anonyme Morddrohung gegen den Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme. Ebenso inakzeptabel seien Beleidigungen, Behinderungen oder sogar Übergriffe gegen Polizei, Feuerwehr oder sogar Rettungskräfte. Alles dies gefährde letztlich die Demokratie. „Wenn jeder nur an sich selbst denkt, stockt der Motor gewaltig“, so Harings.

Ehrungen für Rainer Niehsen (l.) und Rainer Beewen (r.).

Im weiteren Verlauf des Abends zeichnete der Kneter Rathauschef Personen aus, die sich in besonderer Art und Weise um die Gemeinde verdient gemacht oder Besonderes geleistet hatten: Rainer Niehsen engagierte sich rund 16 Jahre lang beim Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ahlhorn. Er hatte unter anderem Jugendwaldeinsätze oder Skifreizeiten begleitet sowie EDV gelehrt. Rainer Beewen – der die Auszeichnung stellvertretend für Claus Rohde mit übernahm – erhielt die Würdigung für sein Engagement bei der Bürgerinitiative Steinhöhe (BI), die sich gegen den Bau der Deponie bei Döhlen gewendet hatte. Beewen war sechs Jahre lang als Vorsitzender der BI tätig, Rohde ist sein Amtsnachfolger. Eine Auszeichnung für Zivilcourage erhielt Herbert Ahrens. Der aufmerksame Bankangestellte hatte im vergangenen Jahr durch sein Einschreiten maßgeblich verhindert, dass ein „Enkeltrick“-Betrüger ein Kneter Seniorenehepaar beinahe um 50 000 Euro erleichtert hätte.

Mit Tim Albrecht – einem „Ausnahmefaustballer des Ahlhorner Sportvereins“ – würdigte Schmidtke schließlich die Leistung eines Sportlers. Der heute 27-jährige Ahlhorner Physiotherapeut hatte mit der Nationalmannschaft im August den Weltmeistertitel errungen. Dafür durfte er sich im Verlauf des Abends in das Goldene Buch der Gemeinde eintragen.

Die Bürgermeister der beiden Partnergemeinden, Jori de Maertelaere und Radoslaw Dobrowolski, bedankten sich für die Einladungen und lobte die langjährigen, guten Beziehungen. „Wir alle sind das Herz der Europäischen Union. Ich glaube an unsere langjährige Zusammenarbeit und die Kraft unserer Freundschaft“, sagte Dobrowolski unter dem Applaus der Anwesenden.  fra

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