Huntloser fordert mehr Engagement für die Situation von Arbeitsmigranten

Eine neue Gruppe, die genau hinschauen will

Manche Arbeitsmigranten leben in Deutschland in unwürdigen Verhältnissen. Symbolfoto:Girkens

Großenkneten/Landkreis – Um „Würdiges Leben und Arbeiten“ für jene, die als sogenannte Arbeitsmigranten in den Landkreis Oldenburg kommen, geht es Georg Zindl. Der Huntloser will einen überparteilichen Arbeitskreis gründen, der sich bessere Bedingungen für diese Beschäftigten, die vor allem in der hiesigen Fleischindustrie tätig sind, zum Ziel setzt. Seit 2014 ist Zindl als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer aktiv, hat sich zum Integrationslotsen weiterbilden lassen und organisiert das Männercafé für Migranten in Ahlhorn. Vor einigen Monaten hatte Prälat Peter Kossen vorgeschlagen, dass sich in der Flüchtlingsarbeit Engagierte auch um die zugewanderten Vertragsarbeiter kümmern sollten. Die Gründungsveranstaltung steht am Donnerstag, 23. Januar, ab 19.30 Uhr im Restaurant „Schalotte“ in Huntlosen an.

Während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit hat Zindl in Umstände Einblicke gewonnen, die er als „demokratisch und menschlich“ nicht hinnehmbar bezeichnet. Arbeitnehmer, die in „Schrottimmobilien“ wohnen, Unternehmen, die ihre eingewanderten Beschäftigten in Firmenunterkünften kasernieren. Schichtpläne, die es den Menschen nicht erlauben, an einem Deutschkurs teilzunehmen und so die Integration in die Gemeinschaft vor Ort nahezu unmöglich machen.

„Das sind Probleme, die in die Zivilgesellschaft einbrechen“, sagt Zindl. In Ahlhorn sei die Situation besonders zugespitzt, dort sei eine regelrechte „Gettoisierung“ zu beobachten, die für sozialen Zündstoff sorge. Der Huntloser sieht zunächst die Unternehmen in der Verantwortung: „Diese Firmen berufen sich auf die soziale Marktwirtschaft, halten sich aber nicht daran.“

Doch zugleich dürfe auch die Zivilgesellschaft nicht wegschauen, findet Zindl. „Wir müssen das auch als Bürger tun.“ Der Arbeitskreis, den er gründen will, soll sich als überparteiliche Gruppe für bessere Bedingungen der migrantischen Beschäftigten einsetzen. Im Fokus steht dabei die Öffentlichkeitsarbeit für soziale Arbeitsbedingungen. Es gehe ihm darum, unwürdige Umstände aufzudecken und politischen Druck zu erzeugen, erläutert Zindl. Ein weiteres Vorhaben der Initiative ist es, in Einzelfällen aus juristischer oder sozialarbeiterischer Perspektive zu beraten. Als drittes Ziel nennt der Huntloser die Vernetzung all jener Akteure, die bereits in dem Bereich tätig sind – dazu gehören etwa Gewerkschaften sowie soziale, kirchliche und kommunale Einrichtungen. Nicht zuletzt will der Arbeitskreis konkrete Hilfsangebote für die Betroffenen entwickeln und so die Integration befördern.

Vernetzung der Beteiligten ist etwas, dass sich zudem die Gemeinde Großenkneten, die Stadt Wildeshausen und der Landkreis Oldenburg auf die Fahnen geschrieben haben: Unter Leitung des Ersten Kreisrats Christian Wolf hat sich beim Landkreis eine „Steuerungsgruppe Zuwanderung Ost-Europa“ zusammengefunden, die Lösungen für die immer wieder auftretenden Probleme im Zusammenhang mit der Arbeitsmigration sucht. Wie die Integrationsbeauftragten der Gemeinde Großenkneten, Ann-Christin Gericks, und des Landkreises, Ute Frankenfeld, berichten, sei daraus in Ahlhorn etwa ein Beratungscafé entstanden, das im November erstmals im dortigen Dorfgemeinschaftshaus an den Start gegangen ist. Der Zuspruch sei bei dem ersten Treffen sehr hoch gewesen, so Gericks. Neben Kreis und Gemeinde seien dort – in lockerer, einladender Atmosphäre – unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg und die Diakonie vertreten. Gegenwärtig arbeite die Gemeinde Großenkneten an einer mehrsprachigen Willkommensbroschüre, die im Zuge der Anmeldungen verteilt werden soll und die erste, wichtige Informationen für die Migranten bereit hält, so Gericks abschließend.  kab/fra

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