Gesichtsschutz: Hochschule der Bundeswehr in Hamburg kooperiert mit Ahlhorner Firma

Eine gute Idee noch weiter verbessert

Gefragter Gesichtsschutz: von der Universität der Bundeswehr weiterentwickelt.Fotos: HSU

Ahlhorn/Hamburg – Infektionsschutz ist das Gebot und das Thema der Stunde. Doch nicht nur für Privatleute ist es gegenwärtig schwierig, geeignete Masken zu bekommen – für Ärzte, medizinisches und pflegerisches Personal gilt dies ebenso. Denn das Coronavirus hat weltweit die entsprechenden Lager geleert, die Produktion kann den Bedarf nicht decken, und in vielen Ländern fehlt es schlichtweg an lokalen Herstellern. Einen Schritt, um die Situation etwas zu verbessern, hat jetzt die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg (HSU) zusammen mit der Firma Dr. Müller aus Ahlhorn unternommen: Das Labor für Fertigungstechnik der Bundeswehrhochschule kooperiert mit dem Kunststoffspezialisten aus dem Oldenburger Land. Ab sofort können dort bis zu 5 000 Gesichtsschilde nebst Halterungen in der Woche entstehen. Und diese haben gegenüber anderen, etwa in „Heimarbeit“ auf 3-D-Druckern gefertigten Exemplaren einen ganz entscheidenden Vorteil, berichtet Dr. Tobias Redlich vom Laboratorium Fertigungstechnik der HSU im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Protektoren aus Ahlhorn verfügen seit Freitag über eine europaweit gültige „CE“-Zulassung und böten für die Anwender dadurch eine nachvollziehbare somit verlässliche Qualität. „Das gilt insbesondere für die Folie“, erläutert der Ingenieur. Denn diese müsse ganz bestimmte Eigenschaften aufweisen. Dabei gehe es etwa darum, dass der Behandler hinter der Maske nicht durch Streulicht beeinträchtigt werde. „Wir haben auch experimentiert“, sagt Redlich. Auf der Suche nach einem kompetenten Partner für die Herstellung sei sein Labor dann auf die Ahlhorner Firma aufmerksam geworden. Diese Kooperation sei auch aus einem gesetzlichen Grund notwendig: „Als Hochschule dürfen wir nicht als Hersteller auftreten.“ Bei Gesprächen mit Krankenhäusern hätten die Fertigungstechniker zudem den Bedarf ermittelt: 1 000 der Vorrichtungen benötigte eine Klinik wöchentlich ohne Weiteres, so Redlich weiter. Der Spritzschutz, der über dem Mundschutz getragen wird, sei ein „Einmalprodukt“ und könne schnell zusammengesetzt werden. Eine weitere Besonderheit des Projektes sei die rasche Umsetzung: „Wir sind bereits nach drei Wochen auf dem Markt.“ Das sei unter anderem einem beschleunigten Zulassungsverfahren für die „CE"-Zertifikation geschuldet. Daher gelte diese zunächst nur ein Jahr lang. Hersteller oder Vertreiber solcher Produkte ohne eine derartige Zulassung könnten gegebenenfalls in eine „rechtliche Grauzone“ geraten, wenn es um Haftungsfragen oder die konkrete Produktsicherheit ginge, unterstreicht der Ingenieur die Bedeutsamkeit des Zertifikats.

Die Basis für die Ahlhorner Schilde gehe auf einen „Open Source“-Entwurf (der für jedermann nutzbar und nicht rechtlich geschützt ist) zurück, so der Projektleiter in einer Pressemitteilung zu der professionellen Umsetzung weiter: „Wir haben gezeigt, wie man innerhalb weniger Tage auf Grundlage von weiterentwickelten Open-Source-Designs die Produktion auf 5 000 Gesichtsschilde pro Woche mit einfachen 3-D-Druckern hochfahren kann.“ Da ein Bauplan zum Einsatz gekommen sei, den dessen Erfinder der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt haben, gelte dies auch für die Weiterentwicklung aus Hamburg: „Besonders spannend im vorliegenden Kontext: Sowohl das Produkt als auch die Produktionsmaschinen sind sogenannte ,Open Source Hardware‘, das heißt, die Designs, Baupläne und Montageanleitungen der Produkte und Maschinen sind frei verfügbar.“  fra

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