Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel

Die Flatterulme: Eine fast vergessene Schönheit

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Die Flatterulme mit ihrem charakteristischen Brettwurzeln soll in Forstamt Ahlhorn wieder stärker heimisch werden.

Ahlhorn – Ihr Dornröschenschlaf ist beendet: Mit der Auszeichnung als „Baum des Jahres“ ist die heimische Flatterulme wieder in den Fokus des Interesses gerückt. Doch nicht nur ihr seltenes Vorkommen macht sie interessant – sie spielt auch eine wichtige Rolle bei der Einstellung auf den Klimawandel, wie die Landesforsten berichten.

„Mit dem seit dem 19. Jahrhundert anhaltenden Ulmensterben war das Interesse an Ulmen fast erloschen. Doch von den drei Arten Berg-, Feld- und Flatterulme hat sich Letztere im Stillen erhalten und bewiesen, dass ihr das Ulmensterben so gut wie nichts anhaben kann“, heißt es in dem Bericht der Fachleute. Im Bereich des Forstamtes Ahlhorn gebe es zwar bisher noch nicht sehr viele dieser Gewächse, da die Nadelwälder noch überwiegen. Das ändert sich jedoch gerade, denn seit einigen Jahren werden zum Beispiel bei der Aufforstung von Trinkwasserschutzwäldern zunehmend auch die Flatterulmen eingemischt. Ihren Namen trägt sie wegen der in Büscheln am Baum hängenden Blüten und Früchte, die vom Wind verbreitet werden. „Wir haben gerade in den letzten trockenen Jahren beste Erfahrungen mit dem Anwuchs der Flatterulme gemacht“, weiß Revierförster Eberhardt Guba aus Harpstedt, der auch das schnelle Jugendwachstum dieser Baumart schätzt.

Flatterulmen seien zwar eher im fluss- oder bachbegleitenden Auewald zuhause, doch wachsen sie auch in vielen anderen Wäldern, wenn die Böden nicht zu arm sind. Im Forstamtsbereich gebe es einige ältere Reliktvorkommen der Flatterulme, die über die Jahrzehnte erhalten worden sind, erläutert Pressesprecher Rainer Städing. So stehen im Bruchwald der Hache in Syke, gleich hinter dem Kreismuseum, 70-jährige Flatterulmen, die die für diese Art typischen Brettwurzeln entwickeln und daher gut zu erkennen sind. „Die Flatterulme ist der einzige europäische Baum, der sich auf sumpfigem Untergrund mit Brettwurzeln stabilisiert, wie man sie sonst nur aus dem Regenwald kennt“, weiß Heinz-Dieter Tegtmeier, der den Wald betreut.

Die seltene und robuste Ulmenart ist der „Baum des Jahres 2019“.

Im Düsterholz bei Eydelstedt gibt es im Flussbett der Wagenfelder Aue Flatterulmen in einem Auewaldrest. Ein 110-jähriges Exemplar erreicht dort fast anderthalb Meter Durchmesser in Brusthöhe gemessen. Aber auch im Herrenholz bei Goldenstedt haben sich ältere Flatterulmen erhalten. „Als Mischbaumart pflanze ich diese Ulmenart bereits seit einigen Jahren“, so Revierförster Heiner Brüning, der gerade wieder 1 000 Bäume für die Auspflanzung von Aufforstungslücken geordert hat. Weitere markante ältere Ulmenvorkommen gibt es im Barneführerholz. „Wenn man von der alten Jagdhütte zum Naturwald in Richtung Hunte geht, sind die Flatterulmen mit ihren deutlichen Brettwurzeln und den typischen Astbüscheln am Stamm gleich hinter der Holzbrücke gut zu erkennen“, beschreibt Revierleiter Karl-Heinz Pelster eines seiner drei Vorkommen entlang des alten Hunteverlaufes im Wald.

Im Zuge des Klimawandels und mit dem landesweiten Ausfall der Esche werde die Flatterulme als heimische Mischbaumart wieder interessant, so Städing weiter. Bekannt ist sie als Art des flussbegleitenden Auewaldes. Mit ihren markanten Brettwurzeln kann sie in solchen Bereichen Überflutungen von mehr als 100 Tagen ertragen. Dabei hat sie eine deutlich weitere Anbauamplitude und ist daher auch auf feuchten Sandböden und auf anmoorigen Standorten als Mischbaumart geeignet.

Das zähe Ulmenholz war einst ein gefragtes Material etwa für den Bogenbau und für Mühlräder oder Wagenachsen. Aus der Rinde, dem Bast, fertigte man feine Seile. In den Niedersächsischen Landesforsten genießt die Flatterulme Minderheitenschutz, das heißt, ältere Vorkommen werden bewahrt und erhalten. Für feuchtere Eichen- und Buchenwälder und in Erlenbeständen ist die Flatterulme in der landesweiten Planung ausdrücklich als künftige Mischbaumart vorgesehen. Durch ihr rasches Wachstum – gut zu erkennen an langen bogigen Trieben– eignet sie sich gut zum Auspflanzen kleiner Lücken und Fehlstellen im Wald oder in Baumpflanzungen.

Das Kuratorium Baum des Jahres empfiehlt die für das Stadtklima robuste Flatterulme auch als Park- und Stadtbaum als Ersatz für die früher in Ortschaften weitverbreiteten anderen beiden Ulmenarten.

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