Der Erschaffer der Ahlhorner Fischteiche hatte nicht nur Unterstützer

Ein Kulturdenkmal von und für Julius Keimer

Die Teichwirtschaft in Ahlhorn mit dem sanierten und zu einem Museum umgebauten „Hälterhaus“.
+
Die „Zentrale“ der Teichwirtschaft Ahlhorn: In dem sanierten und umgebauten „Hälterhaus“ (rechts) gibt es ein Museum über die Geschichte der Teichwirtschaft und die dortige Fischzucht zu entdecken.

Ahlhorn – Über die Teichwirtschaft Ahlhorn, die das gesamte Gebiet der Ahlhorner Fischteiche betreut, gibt es in der Literatur einiges nachzulesen. Aber wer war eigentlich die Person, die dieses einmalige, künstliche Areal letztlich erschaffen hat? Es war Julius Keimer, der von 1906 bis 1929 im Auftrage der Verwaltung des Landeskulturfonds, die „Staatliche Teichwirtschaft Ahlhorn“ entstehen ließ.

Nachdem in der Halener Mark bereits eine kleine Karpfenzuchtanlage existierte, kam die Idee auf, über die Lethe hinweg – im Gebiet der Sager Heide – ein Teichgebiet anzulegen.

Keimer stand hier anfangs vor einem weiten hügeligen Heidegelände. Das sich dort hindurchschlängelnde Flüsschen Lethe musste zunächst als Sammelbecken aufgestaut, und von dort das Wasser durch ein fein ausgeklügeltes Netz von Zuleiterkanäle und Gräben in die nach und nach ausgebauten Teiche zugeführt, aber auch wieder durch ein System abgelassen werden. In dem Geest-Heidesand konnte er die natürlichen Vertiefungen für die Anlegung der Teiche nutzen. Dazwischen sorgten aber die kleinen und größeren sandigen Erhebungen aus Flugsand dafür, dass hier der Westwind leichtes Spiel hatte und den neu geschaffenen Teichen drohte, wieder zu versanden.

Künstlich erschaffenes Naturparadies

Durch geschickte artenreiche Aufforstungen sorgte Keimer dafür, dass der Geestsand festgehalten wurde. Damit entstand aus einem weiten Heidegebiet eine wirtschaftliche Anlage mit 54 Teichen. Zugleich schuf er ein einmaliges Naturparadies und Naherholungsgebiet, das später zu einem Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.

Julius Joseph Keimer wurde am 19. März 1878 in Osterkappeln, Kreis Wittlage geboren. 1908 bekam er als Hilfsarbeiter beim Landesökonomiewesen die Rechte eines Zivilstaatsdieners verliehen und erhielt im gleichen Jahr seine Anstellungsurkunde. Am 3. März 1917 bekam er die Urkunde über eine unwiderrufliche Anstellung. Ein Jahr später wurde ihm die Dienstbezeichnung „Fischerei-Inspektor“ verliehen. Mit Wirkung vom 15. Mai 1920 wurde ihm eine Stelle für Ökonomiebeamte bei der Verwaltung des Landeskulturfonds übertragen. Am 1. April 1926 wurde er zum „Fischerdirektor“ befördert.

Die Fischteiche hatten nicht nur Befürworter

Keimer widmete seine ganze Arbeitskraft dem Ausbau der Teichanlagen, sodass man sagen kann, dass die heutige Teichwirtschaft sein Lebenswerk geworden ist. Sicherlich ist er mit seinen Plänen auch gelegentlich über das Ziel hinausgeschossen. Aber sicher ist auch, dass seine Arbeit, die vielfach angefeindet wurde und sich auch in späteren Jahren einer sehr scharfen Kritik des Oldenburger Landtages unterziehen musste, fast ganz zum Erliegen gekommen wäre. Doch hatte es Keimer immer wieder verstanden, maßgebliche Persönlichkeiten für seine Ideen zu gewinnen. Etwa den späteren Leiter des Landeskulturfonds, Regierungsrat Prof. Buhlert. Dieser gab durch seine zielsichere Leitung den manchmal „ausufernden“ Plänen Keimers die richtige Abgrenzung. Er war auch ein eifriger Förderer der Teichwirtschaft, während sein Mitarbeiter Glas dem Unternehmen nicht ganz gewogen war. Dieser hatte erwogen, die gesamte Teichwirtschaft zu verpachten oder gar zu verkaufen, weil sie nicht rentabel sei.

Durch die Anlegung der Teiche hatte sich der Wasserhaushalt bis an die angrenzenden umliegenden Gebiete, die größtenteils nur aus armen Sandböden bestanden, wesentlich verbessert. Infolge dessen ist eine üppige Bereicherung der Fauna und Flora eingetreten und damit für die Gegend ein einmaliges „Paradies“ durch Menschenhand entstanden.

Auf dem Sandboden entsteht ein Wald

Hierzu hat Keimer im Besonderen beigetragen, in dem das zwischen den Teichen liegen gebliebene Dünengelände aufgeforstet und dort gutwüchsige Waldbestände geschaffen wurden, sodass alle Teiche vom Wald umgeben sind und somit wie natürliche Waldseen aussehen. Ihm ist ebenso anzurechnen, dass er überall die alten Stockausschläge, die sogenannten Stühbüsche oder Eichenkratthölzer unangetastet gelassen hat. Noch heute findet man in den jungen Aufforstungen die alten, urig gewachsenen Krüppeleichen.

Der dem Blockhaus vorgelagerte Teich ist nach Keimers 1958 verstorbener Ehefrau „Helenensee“ benannt worden. Einer ganzen Reihe von Wasservögeln wurden in den Jahren die Fischteiche zur neuen Heimat. Zu ihnen zählen Schwäne, verschiedene Arten von Enten und Singvögeln, die gerne am Rande eines Gewässers brüten. Auch kommen Vögel mitunter kurz als Gäste an die Teiche: Dazu gehören die Lachmöwe und der nicht für die Teichwirtschaft beliebte Fischadler. Leider ist auch hier ein Artenrückgang zu beobachten. Zu nährstoffreiches Wasser und der Mangel an Lethe-Wasser setzt der Zuchtanlage und den heute noch bestehenden 35 Teichen zu (wir berichteten). Bleibt nur zu hoffen, dass Keimers Lebenswerk (der von sich behauptete, nie in Urlaub gefahren zu sein) noch in weiter Zukunft für Mensch und Natur erhalten bleibt. Denn die Ahlhorner Fischteiche sind nicht nur ein Naturschutzgebiet, sondern ein regionales Kulturdenkmal.

Von Dirk Fass

Das Ehepaar Keimer wurde auf dem Ahlhorner Friedhof beerdigt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Vettel ohne Chance bei nächstem Hamilton-Sieg

Vettel ohne Chance bei nächstem Hamilton-Sieg

Linke Demos zum 1. Mai - Krawalle in mehreren Städten

Linke Demos zum 1. Mai - Krawalle in mehreren Städten

Meistgelesene Artikel

Update am Samstag: Corona-Inzidenzwert sinkt erneut

Update am Samstag: Corona-Inzidenzwert sinkt erneut

Update am Samstag: Corona-Inzidenzwert sinkt erneut
Zeltverleiher schaltet um in Krisenmodus

Zeltverleiher schaltet um in Krisenmodus

Zeltverleiher schaltet um in Krisenmodus
Auf Standstreifen am Stau vorbei: Dreiste Fahrt führt zu Prügelei auf A1

Auf Standstreifen am Stau vorbei: Dreiste Fahrt führt zu Prügelei auf A1

Auf Standstreifen am Stau vorbei: Dreiste Fahrt führt zu Prügelei auf A1

Kommentare