Ehrenamtliche erwecken kaputte Geräte zum Leben

Erstes Repair-Café im Landkreis Oldenburg ist eröffnet

Eva Brunken und Jens Timm haben ein kaputtes Waffeleisen mitgebracht, das Elektriker Nils Ahrens (29, von links) unter die Lupe nimmt.

Huntlosen - Von Ove Bornholt. Mit prüfendem Blick und einem Spezialschrauber öffnet Nils Ahrens ein Waffeleisen und macht sich am Innenleben des Geräts zu schaffen. Der 29-jährige Elektriker aus Großenkneten ist einer von mehreren Ehrenamtlichen, die am Donnerstagabend bei der ersten Auflage eines Repair-Cafés im Landkreis Oldenburg im Jugendzentrum in Huntlosen mit dabei sind.

Das teilweise englische Wortkonstrukt Repair-Café findet sich zwar nicht im Duden, dafür aber im Klimaschutzkonzept des Landkreises. Vordergründig geht es bei den Veranstaltungen darum, Geräte zu reparieren, die sonst weggeschmissen werden würden – und das kostenlos, da Ehrenamtliche Hand anlegen. Aber auch die praktische Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten ist ein Ziel der Treffen, die regelmäßig stattfinden sollen. Huntlosen war erst der Auftakt. Für Ende Januar/Anfang Februar ist dort der zweite Termin angesetzt. Im Januar folgt Ganderkesee, im Februar Wildeshausen (im „Jott-Zett“) und im Mai Wardenburg. Jeder kann Geräte vorbeibringen oder sich selbst ehrenamtlich engagieren.

Zurück ins Jugendzentrum: Das Waffeleisen stammt aus der Küche von Eva Brunken (44) sowie Jens Timm (49) aus Huntlosen und funktioniert schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Das Ehepaar vermutet einen Kurzschluss. „Die Idee war, es irgendwann reparieren zu lassen. Aber das Repair-Café in Oldenburg war uns zu weit weg“, sagt Brunken, die dem 29-jährigen Elektriker gespannt auf die Finger schaut.

„Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft“

Der muss allerdings einräumen, dass er nichts mehr für das Waffeleisen tun kann. Auch er vermutet einen Kurzschluss, kommt aber nicht ans Innenleben des Küchengeräts heran. Dafür müsste er es quasi zerstören, meint der junge Mann. „Da sind nur zwei Schrauben“, sagt Ahrens etwas empört. „Wir leben eben in einer Wegwerfgesellschaft. Aber das muss nicht so sein.“ Deswegen engagiert er sich an diesem Abend. „Die Dinger werden mittlerweile so gebaut, dass man da nicht mehr ran kommt“, ärgert sich auch Timm.

Einen Raum weiter sitzt Wera Kratz (77) in einem gemütlichen Sessel. Sie hat ihr Näh- und Strickzeug parat, will Leuten zeigen, wie man damit umgeht, sowie Klamotten ausbessern. Erst einmal nimmt Anna-Lena Sauer Platz. Sie hat das Repair-Café mitorganisiert, ist seit Oktober in der Kreisverwaltung beschäftigt und arbeit als Projektmanagerin für das Programm „Kurze Wege – Mach mit beim Klimaschutz!“. Sie soll in den kommenden zwei Jahren dabei helfen, Alltags-Maßnahmen für den Kampf gegen die Erderwärmung auf Nachbarschaftsebene zu entwickeln. Nun lernt sie erst einmal stricken von Kratz, die als sechsjähriges Mädchen von ihrer Großmutter lernte, wie man mit den Nadeln umgeht.

Noch einen Raum weiter schraubt Aziz Saeidi (26) an der Hinterbremse eines Mountainbikes. Das Rad schleift und so ganz optimal eingestellt ist das Ganze nicht. Insgesamt werkelt Saeidi an diesem Abend an drei Rädern herum. Dabei bekommt er Unterstützung von Leon Bräunig (13) und Niklas Tiltmann (15). Beide kümmern sich auch um den Empfang des Repair-Cafés. Dort erhalten die Besucher einen Laufzettel, auf dem sie ein paar Infos über das zu reparierende Gerät eintragen müssen. Je nach Kategorie des Teils – elektrisch, elektronisch, aus Holz, Kleidung oder Fahrrad – geht es dann zu einer der Reparaturstationen im Jugendzentrum.

Der Tisch der „Alleskönner“

Bleibt noch der Tisch der „Alleskönner“: Heizungsbaumeister Dierk Hollmann (59), Tischler und Schlosser Jürgen Behrens (51) sowie Elektriker Eckart Richter befassen sich mit einem Ventilator, einer Stereoanlage und einer Armbanduhr. Mal fehlt der Knopf zum Ausschalten, mal muss die Batterie gewechselt werden. Auch wenn dem Trio handwerklich so schnell keiner was vormacht, stellt Richter fest: „Wir können keine Wunder vollbringen.“ Die drei waren neugierig, wollten wissen, wie ein Repair-Café funktioniert und waren gespannt, wer alles so kommt.

„Wir sind auf jeden Fall zufrieden“, meint Mitorganisatorin Sauer. Im Laufe des Abends wurden neun Geräte vorbeigebracht. Das Café soll fortgesetzt werden.

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