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Drei Rückhaltebecken sabotiert

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Von: Gero Franitza

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Ein Rohr,  daneben Mörtel, mit dem es verstopft worden war.
Am Rückhaltebecken an der Straße „Zur Bullerbäke“ machten Unbekannte den Ablauf mit einem Mörtelstopfen dicht. © Gemeinde

Huntlosen/Großenkneten – Die vergangenen Wochen haben es einmal mehr gezeigt: Unwetter bringen großen Mengen Regen mit sich, der Niederschlag versickert nicht ausreichend, Gullys und Kanalisation sind vielerorts nicht mehr in der Lage, das Wasser abzuleiten. Es kommt zu Überschwemmungen. Ein Mittel, diese extreme Situation kurzfristig zu entschärfen, sind Regenrückhaltebecken.

In Huntlosen gibt es nun akute Probleme damit: Unbekannte haben an drei dieser Bassins die Abflüsse vorsätzlich und massiv verschlossen. Wie die Gemeindeverwaltung mitteilt, seien die Auffangbecken im Bereich Uhlenweg/Westerburger Weg, Fladderskamp sowie an den Straßen „Zur Bullerbäke“/„An der Bäke“ von Unbekannten sabotiert worden. Zunächst sei der Wasserstand dort auf die starken Regenfälle zurückgeführt worden, heißt es in der Mitteilung der Verwaltung. Doch der Schein trog: „Bei einer Überprüfung der Rückhaltebecken wurde nunmehr festgestellt, dass die Auslauföffnungen von Unbekannten mutwillig verschlossen wurden. Ein geregelter Ablauf wurde bewusst verhindert, um einen dauerhaften Wasserstand im Rückhaltebecken künstlich herbeizuführen.“

Die Art und Weise, wie dies geschehen ist, schließt Zufälle aus: So sei am Uhlenweg/ Westerburger Weg eine Solarleuchte an dem dortigen Schutzgitter vorbeigeführt worden, die den Ablauf verschlossen habe. Eindeutiger ist die Aktion am Fladderskamp: Dort haben der oder die Täter eine Kunststoffkappe vor das Ablaufrohr gesetzt und mit zwei Schrauben befestigt. Bei diesem Rückhaltebecken sei bereits zum zweiten Mal eine Manipulation festgestellt worden, so die Gemeinde. Beim Becken „Zur Bullerbäke“/„An der Bäke“ haben die Unbekannten ein Tuch mit Mörtel gefüllt und in das Auslaufrohr gestopft. Die Analyse der Verwaltung: „Durch die Verstopfung der Ausläufe wurde bewusst eine Überlastung des Regenwassersystems herbeigeführt, die bei weiter anhaltenden Regenfällen zu einer Überschwemmung mit hohen Schäden geführt hätten.“

Wunsch nach einem „Gartenteich“

Doch warum sollte jemand so etwas machen? Klaus Bigalke, erster Gemeinderat der Gemeinde Großenkneten, nennt auf Anfrage unserer Zeitung ein mögliches Motiv: Im Vorfeld sei aus der Bevölkerung der Wunsch geäußert worden, dass die Becken dauerhaft „wasserführend“ sein sollten. Das wirke anders als ein lediglich mit Gras bewachsenes Becken. Bislang seien die Taten, die als Sachbeschädigung zu werten seien, noch nicht angezeigt worden. Sollte es künftig zu weiteren Manipulationen kommen, werde sich das jedoch ändern, kündigte er an. Hinweise auf die Täter erhofft er sich bereits jetzt.

Die gemeindeeigenen Regenrückhaltebecken seien Puffer, die zeitweilig überschüssiges Wasser zurückhalten sollen, verdeutlicht Bigalke. Sollte es zu Überschwemmungen kommen, könnten dann angrenzende Grundstücke in Mitleidenschaft gezogen werden. Läuft ein Becken voll, wird das aufgefangene Wasser gedrosselt in einen Vorfluter (Graben oder Bach) abgeben, verdeutlicht die Gemeinde in ihrer Mitteilung die Funktion. Dadurch werde eine Überlastung des oberirdischen Gewässers verhindert, damit dieses nicht über die Ufer tritt. Die Becken seien so konzipiert, dass sie bei längerer Trockenheit kein – beziehungsweise je nach Bodenverhältnissen – nur sehr geringe Mengen Wasser führen.

Das seien jedoch nicht die einzigen Probleme, die es in Huntlosen im Zusammenhang mit Regenwasser gibt: Das Oberflächenwasser, das in den alten Siedlungen in dem Ort von privaten Grundstücksflächen anfällt, werde nicht ordnungsgemäß auf den Arealen versickert, sondern zusätzlich auf die öffentlichen Verkehrsflächen geleitet. Auf die dadurch anfallenden Mengen sei das öffentliche Kanalnetz allerdings nicht ausgelegt. Das Problem gebe es im Gemeindegebiet jedoch nicht nur in Huntlosen, sagte Bigalke im Gespräch. Eine Alternative zum Versickern sei ein Anschluss an die Regenwasserkanalisation. Die Kosten dafür trage allerdings der Eigentümer. Wenn der Verwaltung diese unzulässigen Methoden auffallen, werde diesen jeweils nachgegangen.

Eine Plastikkappe nebst Schrauben.
Am Rückhaltebecken am Fladderskamp schraubten die Täter eine Kappe vor das Abflussrohr. © Gemeinde

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