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Nazis erzwingen einen Lehrerwechsel

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Von: Dirk Faß

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Ein reetgedecktes Haus.
Das Gebäude der späteren katholischen Schule an der Visbeker Straße in Ahlhorn. © Repro: Faß

Ahlhorn – Die „kleine Dorfschule“ existiert nur noch in den Erinnerungen älterer Leute. Doch hat der Begriff heute weiterhin einen besonderen Klang. Mit den modernen Bildungseinrichtungen der Gegenwart hat sie allerdings nichts mehr zu tun: was die Klassengröße angeht, die Lehrer, die Pädagogik und erst recht die Ausstattung. Der Lokalhistoriker Dirk Faß aus Sage-Haast wirft einen Blick auf die ehemaligen Schulen seiner Heimatgemeinde. In dieser Folge beschäftigt er sich mit der ehemaligen katholischen Grundschule in Ahlhorn.

Im Jahre 1924 sah das Bischöfliche Offizialat die Gründung einer katholischen Privatschule in Ahlhorn als eine dringende Notwendigkeit an. Das benötigte Schulzimmer befand sich im Caritasheim, auf dem Gelände des vorherigen Luftschiffhafen Ahlhorns, im „Ludgerus-Haus“. Im Gründungsjahr besuchten 17 Kinder die Schule. Davon wohnten sieben in Ahlhorn, zwei im Schulbezirk Hoheging und acht im Schulbezirk Garthe.

1926 gehörten der „Oberabteilung“ (fünftes und sechstes Schuljahr) zehn Kinder und der „Unterabteilung“ zwölf Kinder an. Die beiden höheren Klassen wurden im Sommerhalbjahr wochentags von 7 bis 12 Uhr unterrichtet. Mittwochs und freitags besuchten die Kinder dieser Abteilung in der zweiten Stunde die um 8 Uhr beginnende Schulmesse im Caritasheim. Nachdem ein Lehrerbruder 1929 abberufen wurde, sollte eine weltliche Lehrerin die Privatschule übernehmen, die wiederum durch eine Ordensschwester ersetzt werden sollte. Mit Beginn des Schuljahres 1932/33 wurde die Leitung der Einrichtung an eine Schwester des Ordens „Unserer lieben Frau“, Eleuthrea Flatken, übertragen.

Ein langgezogenes, historisches, einstöckiges Gebäude.
Das „Ludgerus-Haus“ auf dem ehemaligen Flugschiffhafen in Ahlhorn. © Repro: Faß

Nationalsozialisten zwingen ihre Vorstellungen auf

Im Frühjahr 1936 greifen die Nationalsozialisten auch auf die kleinen Privatschulen zu. Nach Anordnung des sogenannten Ministers der Kirchen und Schulen sollte es hier kein Fortbestehen geben, da die Schwester nicht mehr Lehrerin der Oberklasse sein durfte: denn die Disziplin bei den älteren Schülern (insbesondere bei den Jungen) sei mangelhaft. Zudem sei der Unterricht in den „lebenskundlichen Fächern“ nicht so gegeben, wie der Staat es verlange. Das Gesetz bestimmte darüber hinaus, dass eine einklassige Schule nicht von einer Lehrerin geleitet werden durfte. Im März 1936 nahm die Gemeinde Großenkneten das Angebot des Bischöflich-Münsterschen Offizialats an und übernahm die Schule als eine öffentliche katholische Volksschule und bezahlte für das gesamte Inventar 1 089 Reichsmark.

Von Januar 1946 bis 1953 standen der Einrichtung auf dem ehemaligen Gaswerksgelände Barackenunterkünfte als Klassenräume zur Verfügung. 1953 zog die Bildungseinrichtung in das strohgedeckte Haus an der Visbeker Straße in Ahlhorn, das bis dahin zur evangelischen Volksschule des Ortes gehörte. Nachdem für diese an der Schulstraße ein neues Gebäude errichtet worden war, zog die katholische Schule in das nun frei werdende ein. Am 24. Juni 1969 hatte sich die Elternschaft der katholischen Schule Ahlhorn einstimmig dafür ausgesprochen, dass alle Kinder der Oberstufe künftig in der Volksschule mit Förderstufe (für alle Bekenntnisse) in Ahlhorn beschult werden. Auf einer Sitzung am 20. März 1974, die in Anwesenheit von Schulrat Surhoff, Pater Möhlmann und Schulleiter Dziondziak erfolgte, sah man keine Möglichkeit, die Grundschule zu erhalten. Am 1. August 1974 wurden alle Schüler umgemeldet.

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