Heimatforscher Dirk Faß legt Buch über die Luftschifffahrt in Ahlhorn von 1915-1918 vor

Der Tod kam aus den Wolken

Luftschiff „L 44“ auf dem Lufthafen in Ahlhorn. Im „Alten Posthaus“ in Ahlhorn (r.) wurde ein Grundstein der deutschen Fliegerei gelegt. Repros faß
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Luftschiff „L 44“ auf dem Lufthafen in Ahlhorn.

Ahlhorn – Das wievielte Buch sie jetzt gemeinsam herausbringen, können der Haaster Heimatforscher und Autor Dirk Faß und sein Oldenburger Verleger Florian Isensee spontan nicht genau beantworten. Es müssen rund 30 sein, überlegen sie. Und jetzt ist noch ein weiteres hinzugekommen – und es ist ein besonderes Werk, das Faß da vorlegt: „Der Tod kam aus den Wolken – Ahlhorn im Zentrum des Luftschiffkrieges 1915-1918“ lautet der Titel des 260-seitigen Bandes.

Dabei handelt es sich weder um ein Sachbuch, noch um eine reine Erzählung, sondern vielmehr um eine Mischform, berichtet der Verfasser an einem Ort, der eine zentrale Rolle in dem Buch spielt: vor dem Kamin des Ahlhorner Gasthauses „Alte Post“. „Wir sind an dem Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde“, erläutert Faß.

Technik, die Tod und Verderben brachte

Denn unter anderem wurde dort 1915 entschieden, dass in Ahlhorn etwas für die damalige Zeit Einzigartiges und Aufsehenerregendes entstehen sollte: ein Lufthafen, die Wiege der deutschen Fliegerei. Von hier aus stiegen später die Luftschiffe – technische Wunderwerke dieser Epoche – auf, um Tod und Verderben zu bringen. Und das nicht nur den Feinden, sondern nicht zuletzt auch den Besatzungen selber.

Faß’ Buch setzt bei den Berichten dieser Flüge an: Oftmals von den Kommandanten der Zeppeline verfasst, berichten diese von ihren Einsätzen und den Erlebnissen – und das zumeist in harter, kriegsverherrlichender Sprache, insbesondere wenn es um Angriffe auf England und Frankreich ging. „Da sind haarsträubende Sachen dabei“, erläutert der Autor. „Der eigentliche Feind war nicht einmal der Gegner, der mit Kanonen oder Schrapnell auf sie schoss, sondern das Wetter.“ In 5 000 Metern Höhe, ohne funktionierende Sauerstoffgeräte, und bei Temperaturen von unter minus 30 Grad, mussten die Mannschaften dieser ersten Langstreckenbomber agieren. „So was kann ein Mensch gar nicht aushalten“, sagte Faß kopfschüttelnd. Selbst beim Navigieren und Steuern waren sie dem Wetter ausgeliefert: „Es konnte sein, dass die Luftschiffe nach Ahlhorn wollten, aber in Leipzig landeten.“

Rahmenhandlung verbindet die Berichte

Um diese Berichte miteinander zu verbinden und für seine Leser zu einer einzigen Geschichte werden zu lassen, hat sich der Haaster Autor einen besonderen Rahmen einfallen lassen: Er lässt die Gesichte von einer historischen Person erzählen, nämlich Helene Rohleder, der damaligen Wirtin der „Alten Post“. Und so beginnt der Band auch mit einem Treffen ehemaliger Luftschiffkapitäne, die sich 1921 in Ahlhorn am Kamin des Gasthofes wiedersehen und ihre alten Kriegserinnerungen austauschen. Eine Zusammenkunft, die es so tatsächlich auch gab, weiß der Verfasser. Die Berichte, die in dem Buch wiedergegeben werden, entsprechen den historischen Tatsachen – Faß hat sie aus diversen Aufsätzen und Aufzeichnungen entnommen.

Eine Herausforderung sei dabei der Umgang mit der Sprache gewesen: „Ich wollte eine lockere Erzählung, damit es jeder versteht“, berichtet er aus der rund einjährigen Entstehungsgeschichte des Buches. Doch wollte er gleichzeitig den Originalton soweit es ging beibehalten, damit die Persönlichkeit der Protagonisten zum Vorschein kommt. Rohleder ist übrigens hinaus nicht das einzige „Ahlhorner Original“, das in der Rahmengeschichte auftaucht und dem Militaristischen eine menschliche Seite entgegensetzt. Ergänzt werden die Erzählungen durch Info-Kästen und Fotos zu den einzelnen Luftschiffen, die auch in den Texten vorkommen, der Luftschifffahrt und eindrucksvollen Aufnahmen der todbringenden „fliegenden Zigarren“. Das Buch ist im Isensee Verlag Oldenburg erschienen und ab sofort für 16,90 Euro überall im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-7308-1741-4.

Im „Alten Posthaus“ in Ahlhorn wurde ein Grundstein der deutschen Fliegerei gelegt.
Autor Dirk Faß (rechts) zusammen mit seinem Verleger Florian Isensee vor dem Kamin im Posthaus, wo die Geschichte des Buches beginnt.

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