Nach 30 Jahren kehrt der Wetterhahn der Huntloser Kirche zurück

„Das ist jetzt ihr Vogel“

Zwei Männer halten einen alten Wetterhahn hoch.
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Der Wetterhahn kehrt heim: Dirk Faß (links) übergibt die Bronzefigur während eines Gottesdienstes an Pastor Michael Ohms.

Huntlosen – Die Kirche blieb im Dorf, aber der Wetterhahn nicht auf ihrer Spitze: 30 Jahre lang mussten die Huntloser auf die originale Symbolfigur oben auf dem Turm ihres Gotteshauses verzichten. Das ließ dem Gemeindearchivar und gebürtigen Huntloser Dirk Faß keine Ruhe: Er recherchierte dem bronzenen Vogel hinterher, der seinerzeit für eine Restaurierung weggegeben worden war – aber nicht wieder zurückkehrte. Faß klemmte sich mit Erfolg dahinter. Am Sonntag gab er der St.-Briccius-Gemeinde den historischen Wetterhahn im Rahmen eines Gottesdienstes zurück.

Für Faß war der eherne Vogel nicht zuletzt ein Stück Heimat. Denn diese bestehe nicht nur aus Menschen oder der Landschaft, die die Einwohner kennen und wertschätzen: „Heimat besteht auch aus Dingen, die für uns von Bedeutung sind, weil wir ihnen diese Bedeutung verliehen haben. Wo wir Dinge nicht mehr in Ehren halten, da würde etwas zu unserer Heimat fehlen“, sagte Faß bei der Übergabe an Pastor Michael Ohms.

Nicht nur Menschen seien unersetzlich, eine „Spur von Unersetzlichkeit“ hätten auch viele andere Dinge, an denen man schon solange hängt, so der Heimatforscher weiter: „Sie rufen in uns Erinnerungen wach.“ Und damit seien sie ein Teil der Heimat. „Eine Freundschaft haben auch die Dinge verdient, weil sie manchen vor unserer Zeit durchs Leben begleitet haben“, befand er. In manchen Gegenständen stecke so was wie eine Seele. Doch seien mitunter Dinge abhandengekommen, wie zum Beispiel die Figur des Heiligen Jakobus, die einmal links in der Nische der Ortskirche stand. „Unser alter Wetterhahn ist ein Zeitzeuge, der auch den Krieg mitgemacht hat“, unterstrich Faß. In der Bronze befänden sich acht Einschusslöcher, ein Geschoss war sogar darin stecken geblieben.

Seit 1991 verschwunden

Im Rahmen von Renovierungsarbeiten an der St.-Briccius-Kirche sei 1991 auch die gesamte Turmbekrönung – also Kugel, Kreuz und Hahn – durch den Kunstschmied Heino Kieselhorst originalgetreu nachgebaut worden. Der alte Wetterhahn kam daraufhin in sein Kunstschmiedemuseum nach Hatterwüsting, berichtete Faß. Dort sei ihm das geschichtsträchtige Symbol wieder begegnet. „Ich bat Pastor und Kirchenälteste damals, sich darum zu kümmern, dass diese Bronzefigur wieder zurückgegeben wird.“ Später erfuhr er, dass der Hahn mit anderen Schmiedearbeiten bereits nach Friesoythe gekommen war, weil dieser dort in einem großen Schmiedemuseum seinen Platz finden sollte.

Er habe sich mit der damaligen Landtagsabgeordneten Renate Geuter in Verbindung gesetzt, die der Spur des Huntloser Hahns nachging und diesen schließlich entdeckte. Wieder waren einige Jahre ins Land gegangen. Dann wurde der Vogel zur „Chefsache“: „Mit Bürgermeister Thorsten Schmidtke fuhr ich nach Friesoythe, um bei dem Bürgermeister der Stadt, Sven Stratmann, über eine Rückgabe zu verhandeln. Eine besondere Übergabe sollte daraus werden“, berichtet Faß den Gottesdienstbesuchern.

Der Wetterhahn kehrt heim

Doch auch diesem Plan machte nicht zuletzt Corona einen Strich durch die Rechnung: Stratmann brachte die Bronzefigur nach Ende des Lockdowns nach Großenkneten und übergab sie im Kneter Rathaus an seinen Amtskollegen Schmidtke. Damit der Friesoyther den Heimweg nicht mit leeren Händen antreten musste, „tauschten“ die Gemeinde das „Corpus Delicti“ gegen zwei Nistkästen und ein Insektenhotel. Jedoch sollte der Hahn nach Faß’ Vorstellungen nicht im Rathaus bleiben, sondern wieder zurück an seinen angestammten Ort nach Huntlosen: „Da gehörte er in meinen Augen nicht hin und ich bekam ihn letztendlich ausgehändigt“, so der Lokalhistoriker. „Voller Freude“ habe er Pastor Ohms informiert.

Zu der Übergabe passe nicht zuletzt der Wochenspruch für den Tag der „Heimkehr“, dem neunten Sonntag nach Trinitatis: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ Faß schloss mit den Worten: „Lieber Pastor Michael Ohms, dieser Vogel gehört jetzt ihnen!“

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