„Schulstube“ war das erste Klassenzimmer

Eine eigene Tür für den Lehrer

Schwarzweiße Aufnahme von einer Gruppe Kinder, Frauen und Männer.
+
Die Hengstlager Schulkinder mit Familienangehörigen und Hauptlehrer Ernst Fittje (zweite Reihe von unten, zweiter von links) bei einem Schulausflug 1950 nach Porta Westfalica.

Hengstlage – Die „kleine Dorfschule“ existiert nur noch in den Erinnerungen älterer Leute. Doch hat der Begriff heute weiterhin einen besonderen Klang. Mit den modernen Bildungseinrichtungen der Gegenwart hat sie allerdings nichts mehr zu tun: was die Klassengröße angeht, die Lehrer, die Pädagogik und erst recht die Ausstattung. Der Lokalhistoriker Dirk Faß aus Sage-Haast wirft einen Blick auf die ehemaligen Schulen seiner Heimatgemeinde, auf die Schule in Hengstlage.

Um 1840 gab es neben der einklassigen Kirchspielschule in Großenkneten noch drei Nebenschulen in den benachbarten Dörfern. Unterlagen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts besagen, dass solche Schulen in Sage, Ahlhorn und Döhlen geführt wurden. 1860 kam noch eine weitere Nebenschule hinzu, die in Hengstlage. Die Hengstlager wollten ihr eigenes Schulhaus haben, um damit von Döhlen frei zu sein.Geplant war, zwischen den Orten Halenhorst und Hengstlage eine Schule zu bauen. Dies wollte Halenhorst aber nicht, da sich der Ort weiter südlich, außerhalb der Kolonie, noch vergrößern sollte. Wegen Raummangels konnten die Hengstlager die Halenhorster Kinder nicht mehr aufnehmen. Auch der Wunsch des Oberschulkollegiums, zwischen den beiden Orten eine gemeinsame Schule zu errichten, ließ sich wenige Jahre später nicht verwirklichen, denn „es ist ein Unding, im sumpfigen Döhler Moor ein Schulhaus aufzustellen“, schreibt Pastor Maés aus Großenkneten in seinem Bericht an das evangelische Oberschulkollegium in Oldenburg im April 1859.

1861 schließt die Schulacht Hengstlage (im Großherzogtum Oldenburg gebräuchlicher Ausdruck für eine Schulgemeinde) einen Vertrag mit dem Heuermann Stüve, der von seinem Haus ein Zimmer für die Schulstube vermietete. Aus der Inventarliste aus dem Jahre 1867 heißt es: „Die Schulstube hat zwei Türen, eine ist für den Lehrer, die andere für die Schüler bestimmt. Für jedes Kind, das im Wintersemester die Schule besucht, sind 125 Soden guten schwarzen Torf zu liefern.“

„Einheizen“ nach Verlangen

Aus einem weiteren Vertrag – ebenfalls mit Wichmann – heißt es 1871: „(…) dem Lehrer sind ein Tisch und sechs Stühle, ein gutes Bett, Licht und Feuerung zu liefern. Unentgeltlich ist die vollständige Aufwartung des Lehrers zu übernehmen, wozu namentlich gehört Bettmachen, tägliche Reinigung der Schulstube, Wohnzimmer und Schlafzimmer, Einheizen auch wenn es verlangt wird, Lieferung von heißem Wasser zum Kaffee, unentgeltlich die Leib- und Bettwäsche des Lehrers besorgen.“

1909 wurde ein neues Schulgebäude (Windmühlenweg 2) errichtet, die Baukosten betrugen 9 000 Mark. Bis 1913 wurde die Schule auch von Kindern aus Charlottendorf-Ost (Gemeinde Wardenburg) besucht. Die Auseinandersetzung über das gemeinsame Schulvermögen ist am 13. Mai 1913 zwischen den Schulvorständen der Gemeinde Großenkneten und Wardenburg vertraglich geregelt worden. Auszug aus dem Protokoll: „Geschehen in der gemeinsamen Sitzung des Schulvorstandes Großenkneten und Wardenburg in der Schule in Hengstlage. Es wurde beschlossen: Die Schule in Hengstlage wird als gemeinsame Schule der beiden Gemeinden zum 1. Dezember 1913 aufgehoben. Die Feststellung des vorhandenen Vermögens erfolgt in der Weise, dass Gebäude und Ländereien von zwei unparteiischen Schätzern, die nicht in den beiden beteiligten Gemeinden wohnen, geschätzt werden. Jede Gemeinde wählt einen Schätzer. Der sich durch die Schätzung ergebende Wert, zuzüglich der vorhandenen Kapitalien und abzüglich der vorhandenen Schulden, soll als wirklich gemeinsames Vermögen betrachtet werden. Die Auseinandersetzung richtet sich nach dem Verhältnis der Grund- und Gebäudesteuer, mit der die beteiligten Bezirke der früheren Schulacht beider Gemeinden im letzten Jahre vor Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes zur Beitragsleistung herangezogen sind.“ Und weiter: „Der der Gemeinde Wardenburg auf Grund dieser Berechnung zustehende Betrag ist am 1. November 1913 auszuzahlen. Bis zur Fertigstellung der Schule zu Charlottendorf-Ost wird den Schülern aus der Gemeinde Wardenburg der Besuch der Schule in Hengstlage weiter gestattet.“

Im Jahr 1954 folgte dann ein Erweiterungsbau, mit einer Baukostensumme von 4 500 D-Mark.. Am 1. August 1968 wurde die Volksschule für den Schulbezirk Hengstlage und Haschenbrok im Rahmen der Neuordnung des Schulwesens in der Gemeinde Großenkneten aufgehoben. Die letzte Schülerzahl betrug 45 Kinder. Das Gebäude wurde verkauft und vor wenigen Jahren vollständig abgebrochen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall mit Kranwagen: 78-jähriger Wildeshauser lebensgefährlich verletzt

Schwerer Unfall mit Kranwagen: 78-jähriger Wildeshauser lebensgefährlich verletzt

Schwerer Unfall mit Kranwagen: 78-jähriger Wildeshauser lebensgefährlich verletzt
Existenzbedrohend für Hausbauer

Existenzbedrohend für Hausbauer

Existenzbedrohend für Hausbauer
Backshop soll und muss noch umziehen

Backshop soll und muss noch umziehen

Backshop soll und muss noch umziehen
Maskierte Räuber erbeuten Geld in Colnrade

Maskierte Räuber erbeuten Geld in Colnrade

Maskierte Räuber erbeuten Geld in Colnrade

Kommentare