Angebot der Polizei in Ahlhorn

Sozialtraining für Siebtklässler: Damit aus Mitschülern keine Opfer werden

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Jonas und Linus (von links) schlagen mit den „Poolnudeln“ aufeinander ein. Polizist Martin Klinger gibt den Mitschülern Handzeichen, welchen der Jungen sie anfeuern sollen.

Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Etwas verlegen schauen sich die Siebtklässler Jonas und Linus in die Augen, dann feuern ihre 20 Mitschüler sie an, und die beiden Jungs schlagen mit „Poolnudeln“ aufeinander ein, bis ihre Klassenkameraden sich abwenden. Die Auseinandersetzung hört genauso schnell auf, wie sie begonnen hat.

Irritiert stehen die beiden Jungs im Raum. Dieses Rollenspiel am Mittwochmorgen sollte zeigen, welch großen Einfluss das Publikum auf eine Klopperei haben kann. Es ist Teil eines Präventionsprojekts der Polizei mit der Graf-von-Zeppelin-Oberschule in Ahlhorn, das das Selbstbewusstsein der Jugendlichen genau wie ihre Bereitschaft, Zivilcourage zu zeigen, steigern soll.

Als die Schlägerei beendet ist, liegen die „Poolnudeln“ wieder in der Ecke des Gemeindesaals der evangelischen Kirche und die Kinder sitzen im Stuhlkreis. Polizist Martin Klinger fragt, wie sie die Auseinandersetzung empfunden haben. „Wir haben angefangen, weil die anderen uns angefeuert haben“, meint Linus. „Es war komisch. Ich bin ein bisschen erschrocken, weil wir beide aufeinander losgegangen sind.“

Zuvor hatten er und Jonas vor der Tür gewartet, wo Schulsozialarbeiterin Barbara Christidis ihnen die „Poolnudeln“ in die Hand drückte. Sie erklärte den Jungen, dass damit nur auf die Beine eingeschlagen werden soll. Das war‘s. Als die Siebtklässler den Gemeindesaal betraten, jubelten ihnen ihre Mitschüler bereits zu, feuerten sie an, woraufhin die Schlägerei startete. So schnell und eigentlich komplett grundlos können körperliche Auseinandersetzungen beginnen. Diese Lektion sollten die Schüler der 7b unter anderem lernen.

Im Stuhlkreis-Gespräch erzählen die Jugendlichen, wie es war, Linus und Jonas anzufeuern. „Ihr wart Feuer und Flamme“, fasst Klinger die Antworten zusammen. „Es hat euch Spaß gemacht. Wäre es real auch so gewesen?“ Die Frage bringt die Schüler zum Nachdenken. „Dabei hätte sich ja jemand verletzen können“, wirft Anastasia ein. Sie glaubt, dass sie selbst und ihre Klassenkameraden die beiden Kämpfer aus Gruppenzwang angefeuert haben.

Auch um die Aufdeckung solcher Mechanismen geht es bei dem zweitägigen Sozialtraining, das ursprünglich aus Bayern kommt. Viele Schulen in Deutschland und auch in der Region Weser-Ems wenden es an, doch der Landkreis Oldenburg blieb bis jetzt außen vor. Die Graf-von-Zeppelin-Oberschule ist die erste, die mitmacht.

Die simulierte Situation hat einen konkreten Hintergrund: An der Schule hatten sich ein Acht- und ein Neuntklässler geprügelt. Auch mit Publikum.

Der Ahlhorner Rektor Dirk Richter zeigt sich beeindruckt von dem Rollenspiel. Er kennt das Training aus seiner Zeit in der Wesermarsch. „Das zeigt, wie stark ihr als Gruppe seid und welche Macht ihr habt“, meint er.

Macht, die es gut zu nutzen gilt, wozu Klinger die Schüler ermuntert. „Nur dabei zu sein, gibt es nicht. Wer dabei ist, trägt auch Verantwortung.“ Er ruft zu Zivilcourage auf, die in der Gesellschaft heutzutage nicht mehr gelehrt werde.

Klinger hofft, dass das Training auch bei anderen Schulen Interesse weckt. In Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeitern kann der Beamte auch dort aktiv werden.

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