Nachnutzung des Blockhauses Ahlhorn: Noch keine Machbarkeitsstudie, aber viele Ideen

„Campus Retreat“ statt Jugendheim

Drei Männer stehen nebeneinander.
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Hoffen auf eine neue Zukunft des Blockhauses an den Ahlhorner Fischteichen: Bürgermeister Thorsten Schmidtke, Projektentwickler Marcus Henke und Landeskirchen-Pressesprecher Dirk-Michael Grötzsch (v.l.).

Ahlhorn – Eine Machbarkeitsstudie sollte bis zum Sommer dieses Jahres vorliegen und darstellen, wie die Zukunft des Blockhauses an den Ahlhorner Fischteichen aussehen kann und soll. Diesen Termin konnten die beiden Projektentwickler Marcus Henke und Anton Brinkhege nicht halten. Auch der zentrale „Ankermieter“, der mit seinem Engagement das Projekt entscheidend mittragen soll, ist noch nicht gefunden.

Während eines Pressegesprächs im Blockhaus hat Henke am Mittwoch dargelegt, woran das liegt und wie sich die Situation aktuell darstellt. An der Runde, zu der die Oldenburger Landeskirche eingeladen hatte, haben deren Pressesprecher Dirk-Michael Grötzsch und der Bürgermeister der Gemeinde Großenkneten, Thorsten Schmidtke, teilgenommen. Für das Gespräch hatte die Landeskirche ein historisches Datum gewählt: Am 28. Juli 1946 war die Einrichtung von den Alliierten an sie übergeben worden – es war somit der 75. Geburtstag des Blockhauses.

Die im Mai in Aussicht gestellte Machbarkeitsstudie sei noch nicht fertig, da zunächst sehr viele Gespräche mit einer großen Zahl Interessenten geführt werden musste, berichtete Henke. Der Beginn der Sommerferien habe deren abschließende Antworten allerdings verzögert. Erst nach dieser Pause sei mit konkreten Aussagen und weiteren Schritten zu rechnen. Es bestehe „ein sehr intensives Netzwerk zu unterschiedlichen Akteuren“. Es habe bislang „sehr viel positives Feedback“ gegeben, sagte er. Wenn alles wie geplant laufe, könne dann Ende des dritten Quartals dieses Jahres ein weitgehend spruchreifes Konzept vorgelegt werden. Notwendige Baumaßnahmen könnten dann bereits im kommenden Jahr umgesetzt und danach sogar noch in 2022 mit der neuen Nutzung begonnen werden. Auf jeden Fall müsse ein langfristiger Leerstand des Areals vermieden werden.

Viel Vorgabe, viel Möglichkeiten

Die Ausgangslage sei einzigartig und alles andere als einfach, unterstrich der Bremer Immobilienfachmann mehrfach. Doch sei er zuversichtlich, auf dem 2,5 Hektar großen Areal in dem Naturschutzgebiet etwas ganz Besonderes entwickeln zu können. „Das Brett, das wir bohren, ist dick. Der Bohrer steckt mittendrin“, versinnbildlichte Henke. Und das habe mit vielen Faktoren zu tun, die Aufgaben vorgeben sowie den Handlungsspielraum einschränken: So hätten die Landesforsten, die das Gelände an die Kirche verpachtet haben, eine reine Hotelnutzung ausgeschlossen. Ohne Übernachtungsmöglichkeiten sei das Projekt allerdings nicht zu rechnen. Die Bettenanzahl werde von jetzt 180 voraussichtlich auf 130 reduziert werden. Auch der Verkehr zu dem Grundstück sei limitiert, die Parkplätze ebenso, schilderte Henke. Vieles hänge von den Konditionen ab, die die Landesforsten neuen Investoren gewährten. Nicht zuletzt soll ein Bildungscharakter des Blockhauses erhalten, aber auch seine besondere Geschichte gewürdigt werden. Einige ältere Gebäude auf dem Grundstück stünden zudem unter Denkmalschutz und seien stark sanierungsbedürftig. Und nicht zuletzt müsse sich das ganze Unterfangen wirtschaftlich tragen, so Henke. „Das ist hier keine einfache Aufgabenstellung“, unterstrich er erneut.

Doch biete diese Gemengelage auch die Gelegenheit, etwas ganz Besonderes daraus zu entwickeln. Im Verlauf des Gespräches umriss er das Konzept eines „Campus Retreats“: Dies sei ein Ort, so Henke, an dem einerseits Forschung und Bildung aktiv betrieben werden können, an dem jedoch auch die Möglichkeit des Rückzuges (englisch: „retreat“) möglich sei. Tagungs- und Seminarräume seien vorhanden, Labors müssten und könnten eingerichtet werden. Zu diesem Konzept passe, dass im Vorfeld der Niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) und der Präsident der Jade-Hochschule, Professor Manfred Weisensee, ihr Interesse bekundet haben. Doch auch andere Forschungs- und Bildungseinrichtungen seien als Partner denkbar und willkommen. Zentraler Ansprechpartner für Brinkhege und ihn sei in diesem Bereich zukünftig das „Schlaue Haus Oldenburg“. Diese gemeinnützige Gesellschaft, an der die Jade-Hochschule und die Universität Oldenburg beteiligt sind, kenne sich mit außerschulischen Lernorten aus, erläuterte der Bremer. Darüber hinaus gebe es Interessenten für die Forschungsbereiche Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Hydrologie. Am Montag habe er Gespräche mit der Niedersächsischen Forstverwaltung in Braunschweig und am Dienstag mit dem Landkreis Oldenburg geführt, beide seien positiv verlaufen. Der Landkreis habe deutlich gemacht, dass er an dem neuen Blockhaus mitwirken wolle.

Sechs Millionen Euro benötigt

Aktuell schätze er die Investitionskosten auf rund sechs Millionen Euro, sagte Henke. Zwar werde auch privates Geld investiert, doch ohne öffentliche Gelder (etwa „Leader“-Mittel“) werde das Konzept nicht umgesetzt werden können. „Eine goldene Nase wird sich hier niemand verdienen“, unterstrich er. Doch sehe er eine gute Chance, das Blockhaus langfristig zu sichern. Gegenwärtig ist die Landeskirche, die sich laut Synoden-Beschluss vollständig aus der Trägerschaft des Blockhauses zurückziehen soll, noch Eigentümerin der Gebäude. Derzeit werde deren Wert ermittelt, so Henke. Wie diese dann – etwa an eine Betreibergesellschaft – übergeben werden, sei noch zu verhandeln. Kommt eine Nachnutzung nicht zustande, wäre die Landeskirche unter Umständen sogar gezwungen, sämtliche Gebäude abzureißen. Die Kosten beliefen sich nach Kirchen-Schätzung auf mehrere Millionen Euro.

„Es ist alles im Fluss, das ist ein sehr dynamischer Prozess“, fasste Henke abschließend diese komplexe Materie zusammen. Und hatte noch eine Ansage für außenstehende Dritte: „Es gibt viele Leute mit guten Ideen, aber nicht jeder ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.“

Die alten Gebäude sind sanierungsbedürftig.

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