Gemeinde Großenkneten berät über Lärmaktionsplan

Der Bund könnte helfen

Autobahn 1: Nur wenige dutzend Meter weiter rechts liegt eines der am stärksten von Lärm beschallten Häuser der Gemeinde. Foto: Franitza

Großenkneten - Mehr Straßenverkehr, mehr Gewerbe, mehr Einwohner, mehr Lärm: Die Europäische Union verpflichtet ihre Mitgliedstaaten, Umgebungslärm zu bewerten und gegebenenfalls zu bekämpfen. Dazu dient ein Lärmaktionsplan. Die Gemeinde Großenkneten ist eine von 525 in Niedersachsen, die eine solche Ausarbeitung vorlegen muss. Der Infrastrukturausschuss der Kommune bespricht die von einem Oldenburger Institut vorgelegte Auswertung der örtlichen Daten während seiner morgigen Sitzung. Der Gutachter stellt das Papier dem Ausschuss vor.

Als Bewertungskriterium gelten zwei Lärmpegel: Einer gemessen über 24 Stunden zur Bewertung der allgemeinen Lärmbelästigung (Tag/Abend/Nacht-Pegel), der „Auslösewert“ liegt hier bei 70 Dezibel (dB). Der „Nacht-Lärmindex“ zur Bewertung von Schlafstörungen liegt für Hauptverkehrsstraßen bei 60 dB.

Der Gutachter kommt in der Sitzungsvorlage zu dem Ergebnis, dass statistisch gesehen die Anzahl der von Lärm betroffenen Einwohner gering ist: „Insgesamt sind circa 300 Personen und somit 1,9 Prozent der Einwohner der Gemeinde Großenkneten durch Umgebungslärm von mehr als 55 dB - verursacht durch die Hauptverkehrsstraßen - betroffen“, heißt es in Bezug auf den allgemeinen Wert. Von hohen Belastungen mit potenziell gesundheitsgefährdender Wirkung von mehr als 65 dB im Tagesmittelwert beziehungsweise mehr als 55 dB nachts sind entlang von Haupttrassen allerdings rund 100 Personen beeinträchtigt: „Eine potenziell gesundheitsgefährdende Belastung liegt sowohl im Tag- als auch im Nachtzeitraum vor“, resümiert der Gutachter. Dieses entspreche 0,65 Prozent der Einwohner der Gemeinde. Noch höhere Belastungen treten in diesem Zusammenhang allerdings nicht auf.

Quelle der unerwünschten Geräusche sind in zwei Fällen die Autobahnen: Entlang der A 1 führt das Gutachten sechs Wohnhäuser auf. Drei Gebäude an der Visbeker Straße bei Ahlhorn seien am stärksten von Verkehrsgeräuschen betroffen. Alle liegen jedoch im unbeplanten Außenbereich und besitzen daher nur einen Schutzanspruch wie ein Mischgebiet. Auf den straßenabgewandten Seiten fallen die Lärmwerte jedoch deutlich geringer aus, so der Gutachter. Die Bauten entlang der A 29 befinden sich ebenfalls im Außenbereich, wobei eines an der Sager Straße in Hengstlage am stärksten betroffen ist.

Da laut Auswertung die Autobahnen die Hauptlärmquellen sind, kann die Gemeinde nicht direkt Maßnahmen zur Verminderung ergreifen - denn die Trassen liegen in der Verantwortung des Bundes. Der Bau von Lärmschutzwällen oder die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit komme „aus Gründen der Verhältnismäßigkeit allerdings kaum in Betracht“, so der Gutachter. Doch damit nicht genug: „Zudem verbleibt das Problem, dass Außenbereiche durch den Einbau von Lärmschutzfenstern nicht geschützt werden können.“ Daher wolle die Gemeinde im Rahmen der geplanten Sanierungen der infrage kommenden Streckenabschnitte beim Baulastträger darauf hinwirken, dass lärmmindernder Asphalt eingebaut wird. Dadurch könne eine ausreichende Minderung für alle betroffenen Einwohner erreicht werden.  fra

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