Bürgermeister informiert gut 100 Einwohner über Flüchtlingssituation

Ahlhorner reagieren sachlich auf „nationale Krise“

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Kreis-Sozialdezernent Bodo Bode, Frank Eden von der Diakonie, Flüchtlingssozialarbeiter Michel Yao, Bürgermeister Thorsten Schmidtke und Gemeinde-Sozialamtsleiterin Frauke Asche (von links) informierten die Bürger im Dorfgemeinschaftshaus Ahlhorn.

Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Als „nationale Krise“ bezeichnete der Sozialdezernent des Landkreises Oldenburg, Bodo Bode, am Montagabend die massenhafte Flucht von Menschen nach Deutschland. Während einer Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Ahlhorn reagierten die gut 100 Zuhörer sachlich und ruhig auf die Pläne von Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke, um diese Krise zu bewältigen.

Der 50-jährige Verwaltungschef appelliert weiter an die Bevölkerung, freien Wohnraum zu melden. Das ist gewissermaßen Plan A. Und laut seiner Sozialamtsleiterin Frauke Asche, die zu Beginn der Veranstaltung knapp 20 Minuten die wesentlichen Fakten zum Asylverfahren referierte, hat die Gemeinde „Gott sei dank wieder ein bisschen Wohnraum gefunden“. Es sei noch Platz für 21 Menschen vorhanden, so Asche. Allerdings reicht das nicht aus. Um die aktuelle Quote des Landes, die bis Ende März läuft, zu erfüllen, braucht Großenkneten noch Wohnungen für 51 weitere Menschen.

Wenn dies nicht gelingen sollte, würde Plan B greifen: Schmidtke sprach von vier Notunterkünften, die die Gemeinde nutzen könnte: das DGH in Ahlhorn, eine kleine Turnhalle in Huntlosen sowie das DGH und eine kleine Turnhalle in Großenkneten. Parallel dazu treibe die Kommune wie auch viele andere im Landkreis die Errichtung von Schlichtbauten voran. „Doch selbst wenn wir jetzt bauen würden, wären diese erst im Juni fertig.“ Schmidtke präsentierte eine Liste mit möglichen Standorten am Bunkenburger Weg und der Hatter Straße in Huntlosen, an der Straße „Am Esch“ und am Fliederweg in Großenkneten sowie an der Sager Straße und der „Sager Schweiz“ in Sage.

Schmidtke kündigte an, sobald zehn Flüchtlinge auf einem Grundstück untergebracht werden sollten, werde es eine Bürgerinformation vor Ort geben, und die Anwohner würden angeschrieben werden. Grundsätzlich habe der Verwaltungsausschuss entschieden, nicht mehr als 20 Menschen auf einem Grundstück unterzubringen. Bei der Frage aus dem Publikum, was denn sei, wenn zwei Grundstücke dicht beieinander lägen, stellte der Bürgermeister fest: „Wenn eine der Flächen auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist, sind das für mich zwei Grundstücke.“

Den Vorschlag einiger Bürger, die Schlichtbauten doch selber zu betreiben und nicht von einem Investor zu mieten, lehnte Schmidtke ab. Der Gemeinde würden dadurch Personalkosten entstehen, und „wir wissen nicht, wo die Reise bei der Flüchtlingsunterbringung noch hingeht“.

Der Verwaltungschef lud jeden Bürger, der sich einbringen wolle, ein, dies zu tun. Er bedankte sich ausdrücklich für die „vorbildliche Willkommenshaltung“ in der Gemeinde und betonte, die dort lebenden Flüchtlinge seien polizeilich nicht auffällig und würden sich so verhalten, „wie wir uns das vorstellen“.

Applaus heimste Kreis-Sozialdezernent Bode ein, als er erklärte, die Gespräche mit dem Metropolpark über eine Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des Fliegerhorstes Ahlhorn seien beendet, und er sehe „keinen Anhaltspunkt, die Verhandlungen wieder aufzunehmen“. Schon während des Neujahrsempfangs der Gemeinde hatte Landrat Carsten Harings erklärt, der Landkreis strebe nicht mehr an, dort Flüchtlinge unterzubringen (wir berichteten). Das war eine große Sorge der Ahlhorner Bevölkerung gewesen, in der der Anteil an Ausländern ohnehin schon sehr hoch ist. Unter den 7589 Einwohnern des größten Teils der Gemeinde Großenkneten sind 4876 Deutsche, 1117 Rumänen, 541 Polen, 358 Iraker, 152 Litauer, 118 Vietnamesen, 60 Syrer und 367 Menschen aus anderen Nationen. Von den 161 Flüchtlingen in der Kommune lebt fast die Hälfte (79) in Ahlhorn, 47 in Großenkneten, 25 in Huntlosen und 10 in Sage. Viele würden zu Freunden ziehen, erklärte Asche die Konzentration.

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