Bundesanstalt reagiert auf Mutmaßungen

Bodensenkung durch Erdgasförderung?

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Exxonmobil fördert im Nordwesten Erdgas. In Großenkneten befindet sich die entsprechende Veredelungsanlage.

Großenkneten - Seit zweieinhalb Jahren gibt es einen Runden Tisch zum Wasserhaushalt in Großenkneten und Emstek. Die zehnte Sitzung der Arbeitsgruppe in Großenkneten habe zwei Überraschungen bereitgehalten, berichtet der Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) jetzt.

Erstens: Einem Gutachter zufolge besteht zwischen der Wasserförderung und dem schlechten Zustand von Eichen im Bereich der Brunnenfassung „Baumweg“ in Emstek kein unmittelbarer Zusammenhang. Zweitens: Im Raum Großenkneten sinkt das Gelände ab. Das Phänomen stehe „mutmaßlich im Zusammenhang mit der Erdgasförderung in der Region“, so der OOWV.

Diese zweite „Überraschung“ des Abends gelte es weiter zu untersuchen: Der Wasserverband habe die hydrogeologischen Untersuchungen durch einen externen Gutachter zum Anlass genommen, seine Grundwassermessstellen neu vermessen zu lassen, heißt es in der Pressemitteilung. 

„Wir haben unübliche Abweichungen von bis zu 20 Zentimetern festgestellt, denen wir sofort nachgegangen sind“, erklärte OOWV-Abteilungsleiter Uwe Sütering. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover habe in einem eigenen Projekt einen „möglichen Zusammenhang mit Bergsenkungen infolge der Erdgasförderung in der Region“ untersucht, so der OOWV weiter. Jedoch: „Die uns vorliegenden Erkenntnisse sind noch nicht so belastbar, dass wir eine klare Aussage zu den Auswirkungen treffen können.“ Ein möglicher Zusammenhang wird allerdings nicht genauer formuliert.

Bundesanstalt präzisiert Aussagen

Eine solche, spezielle Untersuchung habe es jedoch nicht gegeben, korrigiert die BGR-Pressestelle die Aussage des OOWV auf Anfrage unserer Zeitung hin. Vielmehr gehen die genannten Daten auf alte Messungen aus dem Projekt „Terrafirma“ der Europäischen Weltraumagentur ESA und der EU zurück, an dem sich das BGR beteiligt hatte, so der zuständige Experte Dr.-Ing. Thomas Lege. Dabei sollte seinerzeit die Nutzbarkeit von Radarsatelliten für Untersuchungen von Bodenbewegungen überprüft werden. Aus dem Weltall konnten über ein Jahr hinweg Veränderungen im Millimeterbereich aufgezeichnet werden.

Der gesamte Untersuchungsbereich habe 100 mal 200 Kilometer umfasst. Hengstlage in der Gemeinde Großenkneten sei dabei nur ein Punkt ganz im Südwesten des weitläufigen Erfassungsbereichs gewesen, so der Fachmann der Bundesanstalt weiter. Es handele sich also nicht um gesonderte Untersuchungen zum Erdgasabbau.

Richtig sei, dass diese Absenkung festgestellt worden war – allerdings über den gesamten Messzeitraum hinweg: von Mai 1992 bis Januar 2001. Die jüngsten Daten seien also 17 Jahre alt. Das ließe aber wiederrum keine Rückschlüsse auf den gegenwärtigen Zustand zu. Gleichwohl habe man damals einen räumlichen Zusammenhang mit der Erdgasförderung vermutet. Mehr aber nicht. 

Allerdings seien andernorts auch Absenkungen in der Nähe von Wasserwerken gemessen worden. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das wie das BGR Teil des „Geozentrums Hannover“ ist und mit der Bundesbehörde kooperiert, weiß ebenfalls nichts von Untersuchungen in dieser Richtung. Gegenwärtig seien auch keine Projekte bezüglich der Erdgasförderung in dem Bereich Großenkneten in Arbeit, sagte die LBEG-Pressestelle auf Nachfrage.

„Wir stellen die Messungen des BGR nicht infrage“, kommentierte ExxonMobil-Pressesprecher Klaus Torp gegenüber unserer Zeitung lediglich knapp. Doch könne man die vom Wasserverband ins Spiel gebrachte Zahlen nicht nachvollziehen – da sie dem Konzern schlichtweg nicht vorlägen.

fra

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