Synode der Evangelischen Kirche Oldenburg entscheidet über die Einrichtung

Blockhaus Ahlhorn vor dem Aus?

70-jährige Tradition: Die Zukunft der Einrichtung an den Ahlhorner Fischteichen steht auf dem Spiel. Foto: Faß

Ahlhorn – Die Zukunft des Blockhauses an den Fischteichen bei Ahlhorn steht auf dem Spiel: Der Betreiber, die Evangelische Kirche Oldenburg, erwägt, die Einrichtung aufzugeben. Hintergrund sind die massiven Sparmaßnahmen, vor die sich die Kirche gestellt sieht: Um rund 130 Millionen Euro sollen die Ausgaben bis zum Jahr 2030 verringert (wir berichteten). In den Strudel der Einsparungen ist auch das Blockhaus geraten. Die Synode wird ab Donnerstag über diese Entwicklung in Rastede diskutieren. Dann steht auch das Schicksal der traditionellen Einrichtung auf dem Spiel.

Diese Befürchtungen herrschten zumindest bei den 40 Anwesenden vor, die sich am Montagabend zu einer Andacht in der St.-Petri-Kapelle an den Fischteichen versammelt haben. In seinem Fürbitten spricht der Sager Dirk Faß die mögliche Schließung an, bittet um den Beistand für die Betroffenen. Danach herrscht erst mal Schweigen. Neben Zuhörern, nicht zuletzt aus der Gemeinde Großenkneten, sind auch einige Mitarbeiter des Blockhauses dabei, unter ihnen die Leiterin Anke Peinemann und Reiner Beckmann von der Mitarbeitervertretung, der seit 2002 dort arbeitet. Die Kopie eines Artikels der „Evangelischen Zeitung“ vom vergangenen Freitag macht die Runde, in dem die Einsparungen der Landeskirche thematisiert werden. Schon im Vorspann wird Bezug auf Ahlhorn genommen. Der Text der Kirchenzeitung trägt die Überschrift „Mut zum Loslassen“.

Die Frage steht im Raum: Wie geht es jetzt weiter? „Die Umstände sind nicht schön“, sagt Beckmann. „Die ersten zwei Kollegen haben schon gekündigt, das beunruhigt natürlich alle 25 Verbleibenden. – Keiner weiß, wie es weitergeht.“ Die Synode hatte zuvor beschlossen, dass ab 2020 die Summe von 300 000 Euro in beiden Tagungshäusern, so die offizielle Beschreibung, eingespart werden soll. Und das ist neben Ahlhorn die Heimvolkshochschule (HVHS) Rastede – in der die Synode ab dann tagt.

Unverständnis über ein mögliches Ende des Areals, mit dem viele auch persönliche Erinnerungen verbinden, macht sich breit – ebenso wie Fassungslosigkeit. Warum hat die Kirche bis 2016 denn erst knapp 5,9 Millionen Euro in den Umbau investiert, um sich jetzt davon zu trennen? Und wer sollte das Grundstück kaufen – mitten in einem Naturschutzgebiet gelegen, gelten hier Auflagen, die es für die allermeisten Investoren uninteressant sein müssten? „Ich bin erschüttert“, sagt ein älterer Herr kopfschüttelnd, ein anderer meint kämpferisch: „Ich schlage vor, Sie machen einen Sitzstreik vor dem Grundstück, ich mache mit!“ Aus einer Mitarbeiterin bricht es förmlich heraus: „Ich habe Angst um meinen Job – ich könnte verrückt werden.“

Die Landeskirche hatte einen Bremer Wirtschaftsprüfer beauftragt, die Situation in beiden Einrichtungen abzuklopfen. Dessen Urteil für Ahlhorn fällt verheerend aus: „Wir empfehlen, das Blockhaus Ahlhorn aufzugeben und die HVHS fortzuführen. Sofern es gelingt, für das Blockhaus einen Nachnutzer zu finden, könnte der Verkaufserlös in den Ersatz des Altbaus in Rastede investiert werden. Hierbei könnte berücksichtigt werden, dass ein Teil der kirchlichen Nutzer des Blockhauses künftig das Evangelische Bildungshaus Rastede nutzen könnten“, heißt es in dem Bericht, der unserer Zeitung vorliegt. In dem Beschlussvorschlag, den die Kirchenleitung den Synodalen unterbreitet hat, ist daraus diese feinfühligere Empfehlung geworden: „Der Gemeinsame Kirchenausschuss empfiehlt der Synode, sich aus der Trägerschaft eines Tagungshauses zurückzuziehen. Der Oberkirchenrat wird beauftragt, eine Nachnutzung vorrangig für das Blockhaus Ahlhorn zu finden, die auch eine weitere Nutzung durch kirchliche Gruppen ermöglicht.“

Der Aufwand, einen Prüfer zu engagieren, wäre gar nicht nötig gewesen, sagt Beckmann sachlich: Rastede habe gar nicht die Kapazitäten, die fragliche Summe einzusparen. Und Arbeit mit Jugendlichen, wie sie in Ahlhorn nun seit rund 70 Jahren abläuft, sei immer ein Zuschussgeschäft. 2013 habe die Synode beschlossen, das Blockhaus als Kinder- und Jugendheim zu führen, schildert Anke Peinemann die Situation. Es gebe spezielle Angebote für Waldpädagogik und „Nachhaltige Entwicklung“. 140 junge Gäste im Alter zwischen 16 und 19 Jahren nutzen das Angebot derzeit, 180 Betten stehen insgesamt zur Verfügung. „Manche kommen aus zerstörten Familien“, sagt sie. Knapp 30 000 Übernachtungen seien im vergangenen Jahr zu verzeichnen gewesen, und diese Marke werden auch in diesem Jahr wieder angepeilt. „Wir hatten stets steigende Zahlen.“ 89 Prozent der Übernachtung stammen aus dem Einzugsbereich der Oldenburger Kirche, ergänzt Beckmann später.

Ratlos geht die Gruppe anderthalb Stunde später wieder auseinander – nicht weniger ratlos und schockiert als noch zuvor. Aber mit einem Ziel: Eine Schließung des Blockhauses zu verhindern und Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen.

Die Synode berät am Sonnabend, 25. Mai, ab 9 Uhr in Rastede über Ahlhorn. Das Blockhaus ist dann der erste Tagesordnungspunkt.  fra

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