Heinrich Schwarz schuf das Altarwandbild in der Marienkirche zu Großenkneten

Bewegtes Leben, polarisierende Kunstwerke

Sorgt für einen eher düsteren Eindruck in der Kneter Ortskirche: großflächiges Wandbild von Heinrich Schwarz.
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Sorgt für einen eher düsteren Eindruck in der Kneter Ortskirche: großflächiges Wandbild von Heinrich Schwarz.

Großenkneten – Wer zum ersten Mal die Marienkirche in Großenkneten betritt und sich dem Altar nähert, dem fällt sofort das Wandbild dahinter ins Auge, das sich vollständig über die ganze Wandfläche erstreckt. Seitdem es der Künstler Heinrich Schwarz 1965 in Wachsöl und Plaka in einer Größe von neun mal zehn Metern geschaffen hat, musste es manche kritische Äußerung über sich ergehen lassen.

Für viele Besucher wirkt es zu dunkel, zu abstrakt, zu bedrückend oder zu trübsinnig. Tatsächlich hat dort der Künstler eine persönliche traurige Erinnerung verarbeitet, die sich bei ihm tief einprägte. Das Altarbild gilt bis heute als umstritten.

Heinrich Schwarz, promovierter Jurist, Maler und Plastiker, geboren am 19. Dezember 1903 in Berlin, verstarb am 8. November 1977 in Steinkimmen in der Gemeinde Ganderkesee. Noch vor dem Abitur erlebte er einen ersten Ausstellungserfolg in einer Kunstschau 1920 in der Hauptstadt. Dort erhielt er an der Kunsthochschule seine künstlerische Ausbildung. Gleichzeitig hat er an der Universität Berlin ein Jura-Studium aufgenommen und mit dem Doktortitel abgeschlossen. 1925 trat er der Berliner Künstlergruppe „Sezession“ bei. Im Jahre 1934 wurde er als Referent für die bildende Kunst, insbesondere für die Kunsthochschulen, in das Reichskultusministerium berufen.

Kunst vor den Nazis retten

In dem immer stärker werdenden Kampf um die Gleichschaltung der Kultur im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie wurde Schwarz – neben Männern wie etwa Wolf Meinhard von Staa und Eberhard Hanfstaengl – zu einer der Figuren des Widerstandes, die einen gefährlichen, Kampf durchzustehen suchten. Immerhin konnte er einige Jahre lang Künstler und Hochschullehrer vor dem Verlust ihrer Stellung und vor Verfolgung bewahren und wichtige Kunstwerke vor der Beschlagnahme und Vernichtung retten, bis er 1937 anlässlich der Ausstellung „Entartete Kunst“ entlassen und auf einen Posten ohne kulturellen Einfluss abgeschoben wurde. Es folgten einige Jahre Kriegsdienst, in dem auch seine künstlerische Tätigkeit vollkommen zum Erliegen kam.

Als 1948, nach leidlicher Genesung von einer Tuberkulose-Erkrankung, in völlig anderer Umgebung in Wildeshausen der Drang zur Arbeit, entstanden Bilder, die in ihrer Thematik und ihrem Aufbau sich eng an die letzten Bilder vor der großen Zäsur anschlossen. In der Periode des Wiederaufbaus nach 1945, in der rasch zahlreiche Gebäude für Behörden, Kirchen, Banken und ähnliche Einrichtungen errichtet wurden, konnte Heinrich Schwarz viele Wettbewerbe gewinnen. Ein immer schon vorhandener Drang nach Vielseitigkeit der Gestaltungsmöglichkeiten, eine Bereicherung des Ausdrucks durch neue Techniken, Materialien und -kombinationen regten seine Experimentierfreude an.

Vielfach und weltweit aktiv

In weiteren Kreisen wurde er vor allem durch seine Wandgestaltungen und Plastiken (darunter die Figurengruppe auf dem Oldenburger Pferdemarkt) bekannt. Ausgeführte Plastiken und Wandgestaltungen von Schwarz finden sich, um nur einige zu nennen, in den Deutschen Schulen in Addis Abeba, Äthiopien, Ankara, Türkei, und in Valencia, Spanien. Im hiesigen Bereich finden sich seine Arbeiten in einer großen Zahl bei behördlichen Einrichtungen wie Schulen, Kasernen in ganz Norddeutschland. 1965 schuf er das bis heute umstrittene Altarbild für die Marienkirche in Großenkneten. Bei der Übergabe des Werkes, am Reformationstag 1965, brachte der Künstler des Werkes zum Ausdruck, dass der Auftrag eine richtige Herausforderung gewesen sei. Die große weiße Wand zu gestalten sei keine leichte Aufgabe gewesen. Nach seiner Auffassung durfte das Ende des Raumes nicht so eintönig aussehen. Vielmehr müsste ein Hintergrund geschaffen werden, der die Wand auflockere und dem Betrachter einen Ausblick ermögliche.

Aufgebaut auf den Mauern Jerusalems bildet ein gold-silbernes Filigrannetz, das immer wieder das Kreuzzeichen durchblicken lässt, den Hintergrund für die drei Hauptmotive. Links die Szene der Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, wie sie der Evangelist Matthäus im zweiten Kapitel des Neuen Testaments beschreibt. Rechts ist die Kreuzigung zu sehen wie sie der Evangelist Johannes im 19. Kapitel überliefert. Die Grundposition, keiner Person ein Gesicht zu geben, hat Schwarz hier durchbrochen: Jesus lebt. Bei der Ausmalung des Bildes hatte ihn seine Ehefrau maßgeblich unterstützt.

Mitglied der NSDAP

Es soll an dieser Stelle auch nicht die NS-Vergangenheit Schwarz’ erwähnt werden: 1937 Eintritt in die SS, 1940 Eintritt in die NSDAP und im selben Jahr Abordnung zum Reichskommissar für die besetzten niederländischen Gebiete im Stab des Statthalters Arthur Seys-Inquart, 1942 Beförderung zum Ministerialrat sowie zum SS-Sturmbannführer. Der von Schwarz selbst sowie von Kunstkritikern und -historikern in den Jahrzehnten unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges übermittelte Lebenslauf unterscheidet sich somit deutlich von seiner Laufbahn als Jurist im NS-Reichsdienst, die in seiner Personalakte überliefert ist.

Der Jurist und Künstler Heinrich Schwarz Repro: Faß
Schwarz" Skulptur am Pferdemark in Oldenburg.

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