Heimatforscher Dirk Faß will Buch veröffentlichen

Behinderte Menschen arbeiten an Chronik von Gut Sannum

+
Dirk Faß (r.) wertet mit Bewohnern wie Karl-Heinz Noisternigg (links) Dias und Fotos aus. Die ehemalige Mitarbeiterin Sigrid Ehmen (4. von links) leitet die Erinnerungsgruppe.

Sannum - Von Ove Bornholt. Karl-Heinz Noisternigg holt eine schwarze Ledermappe hervor und öffnet den Reißverschluss. Der 77 Jahre alte Österreicher lebt seit dem 4. Juli 1961 auf Gut Sannum bei Huntlosen und hat viele seiner Erinnerungen aufgeschrieben. Er fischt ein paar Seiten aus der Mappe und fängt an zu erzählen. Leute wie Noisternigg sind ein wahrer Schatz für Heimatforscher Dirk Faß. Der Sager erstellt zusammen mit rund zehn behinderten Bewohnern von Gut Sannum eine Chronik über die Einrichtung.

Noisternigg, der sechs Heimleiter erlebt hat, weiß noch so einiges. Da ist zum Beispiel der Scheunenbrand von 1974. Ein Bewohner habe in dem Gebäude geraucht, erinnert er sich. Wegen des Feuers seien ein paar Kühe und Kälber gestorben. Der Mann habe aber überlebt, wenn auch schwer verletzt.

Glocke bei Windstille bis Huntlosen zu hören

Noisternigg kann sich auch noch gut auf das Signal für die Mahlzeiten besinnen. „Die Glocke läutete, um uns zum Essen zu rufen, damals gab es noch einen großen Speisesaal. Der Klang war bei Windstille bis nach Huntlosen zu hören.“ In den 1960er-Jahren lebten rund 30 Bewohner auf Gut Sannum, das noch Gertrudenheim hieß. Inzwischen sind es rund 120.

Faß lauscht interessiert. „Die Leute hier können sich viel besser erinnern als ich“, meint er. „Wenn sie ein Foto sehen, wissen sie sofort, wer da drauf ist und wann es aufgenommen wurde.“ Der Heimatforscher ist besonders an Anekdoten der Bewohner interessiert. Diese sollen den historischen Rahmen der Chronik, der schon weitgehend steht, auflockern.

250-Seiten-Werk soll im April 2018 erscheinen

Rund um Noisternigg hat sich vor etwa anderthalb Jahren eine Gruppe gebildet, die Erinnerungsstücke auswertet. Die ehemalige Mitarbeiterin Sigrid Ehmen ruft die Mitglieder jeden Dienstagnachmittag zusammen. „Beim Essen sind wir morgens oft auf frühere Zeiten gekommen. Und die Leute, die sonst nicht so viel erzählten, haben dann was gesagt“, berichtet Ehmen aus ihrer Zeit als Betreuerin.

Als Faß mit der Idee für eine Chronik an die Heimleitung herantrat, hatte sich die Gruppe schon eine Zeit lang getroffen. Der Heimatforscher freute sich über die Vorarbeit und kam regelmäßig zu den Treffen, um systematisch Fundstücke aus der Vergangenheit auszuwerten. Im April soll das 250-seitige Buch erscheinen.

Wer noch Fotos hat oder Anekdoten über das Gut weiß, kann sich bei Faß (Tel. 04435/5132) und Ehmen (Tel. 04487/7155) melden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sportwerbewoche des TSV Süstedt

Sportwerbewoche des TSV Süstedt

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte

Bund und Niedersachsen streiten über Zahl der Fipronil-Eier

Bund und Niedersachsen streiten über Zahl der Fipronil-Eier

Vorsicht: Im Straßenverkehr dieser Länder geht es gefährlich zu

Vorsicht: Im Straßenverkehr dieser Länder geht es gefährlich zu

Meistgelesene Artikel

Schwelbrand unter den Dachziegeln

Schwelbrand unter den Dachziegeln

Leckeres Essen aus dem qualmenden Käfer

Leckeres Essen aus dem qualmenden Käfer

„Das war der richtige Schritt, Tischler ist mein Beruf“

„Das war der richtige Schritt, Tischler ist mein Beruf“

350 Schüler entdecken die heimische Wirtschaft

350 Schüler entdecken die heimische Wirtschaft

Kommentare