Zirkus ist ihr Leben: Lisa Rinne und Andreas Bartl stehen seit März ohne Aufträge da

Artisten ohne Bühne

Showmodus: Lisa Rinne ist auf das schwingende Trapez spezialisiert.
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Showmodus: Lisa Rinne ist auf das schwingende Trapez spezialisiert.

Großenkneten – Lisa Rinne und Andreas Bartl sind in diesen Tagen nicht besonders gut zu erreichen. Das Paar aus Großenkneten macht eine Weiterbildung im Industrieklettern. Eine Notlösung: Normalerweise sind die beiden Artisten bundes- und europaweit in Zirkuszelten, auf Festivals und Events unterwegs. Im Januar waren sie beim „Internationalen Circus-Festival von Monte-Carlo“ in Monaco. Dann kam die Corona-Pandemie. „Es ist schon krass, so aus dem Zirkushimmel abzustürzen“, sagt Bartl.

Seit März ist der Kalender des Duos, das auch gemeinsam unter dem Namen „Circus unARTiq“ auftritt, leer. Das Veranstaltungsverbot sei für sie ein faktisches Berufsverbot, kommentiert der 43-Jährige, der als Artist und Zirkuspädagoge sowie in der Bühnentechnik arbeitet. „Für uns heißt das: Wir haben einen Totalausfall seit März.“ Sie hätten zwar Corona-Soforthilfe für freischaffende Künstler beantragt und diese auch erhalten, doch damit dürften lediglich die laufenden Betriebskosten bezahlt werden, nicht aber der Lebensunterhalt.

Dabei ist die Kunst bislang ihr Leben gewesen: Seit elf Jahren ist Rinne, seit 20 Jahren ist Bartl den größten Teil des Jahres auf Tour. In ihren Lebensläufen stehen unter dem Punkt Ausbildung Stichworte wie Handstandakrobatik, schwingendes und fliegendes Trapez, chinesischer Mast. Sie traten beim Circus Roncalli, bei Flic Flac und verschiedenen europäischen Artistenfestivals auf. Nun sind Rinne und Bartl seit Mitte März zu Hause in Großenkneten. Glücklicherweise hätten sie dort einen großen Garten, in dem sie auch trainieren könnten, erzählt die 32-Jährige. „Aber es ist schwer, sich zu motivieren, wenn man absolut kein Ziel hat.“

Wird es wieder große Veranstaltungen geben?

Die persönliche Situation ist das eine, die gesellschaftliche eine andere. Das Paar macht sich viele Gedanken darüber, wie die Zukunft ihrer Branche aussehen wird. Wird es auf lange Sicht nur noch Veranstaltungen mit maximal 500 oder 1 000 Gästen geben? Werden die Gagen noch so hoch sein, dass sie für den Lebensunterhalt reichen? Wie viele Festivals und Shows werden die Krise überleben? Es gehe um Grundsätzliches, findet Bartl: „Was heißt das für eine Gesellschaft, wenn der künstlerische Sektor infrage gestellt wird?“

„Es ist nicht nur eine finanzielle Frage, sondern es ist auch unser Herzblut“, sagt Rinne. Damit meint die 32-Jährige, dass es bei ihren Auftritten um mehr als das Turnen geht. Im vergangenen Jahr haben sie und ihr Partner gemeinsam mit vier anderen Artisten ein zeitgenössisches Zirkuskollektiv gegründet und ein Programm entwickelt. Bei „Common Ground“ geht es darum, was Menschen miteinander teilen: „Wie groß ist die Grundlage unserer Gemeinsamkeiten, wie zahlreich sind die Schnittpunkte, wie wichtig die Unterschiede?“, heißt es auf der Internetseite. Ein politisches Stück mit großem künstlerischem Anspruch, beschreibt Bartl das Projekt, das 2020 auf die Bühne kommen sollte.

Doch jetzt geht es für die beiden darum, wie sie in den kommenden Monaten weitermachen. „Wir versuchen, uns die Möglichkeit eines zweiten Standbeins zu schaffen“, erklärt der Großenkneter mit Blick auf das Industrieklettern. „Viele Künstler sind ja zum Glück auch Lebenskünstler“, kommentiert Rinne. Doch ihr Artistenleben wollen beide so bald wie möglich zurück haben.

Coronamodus: Die Artisten trainieren derzeit in ihrem Garten in Großenkneten.

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