Wahlkampfveranstaltung in Haast

Antifa demonstriert – AfD will „Wind der 68er“ drehen

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Während der Saal drinnen gut gefüllt war, demonstrierten draußen Mitglieder der „Antifaschistischen Aktion Wildeshausen“ unter den Augen der Polizei.

Haast - Von Ove Bornholt. Mehrere Sicherheitskräfte haben sich strategisch im Saal positioniert, am Eingang werden die Rucksäcke kontrolliert, auf den Tischen liegen Gratisausgaben der Zeitung „Junge Freiheit“ und Flyer mit Deutschland-Logo, die den Leser ermuntern, Mut zur Alternative für Deutschland (AfD) zu haben. Im gut gefüllten Saal des Landhauses Otte in Haast (Großenkneten) haben sich am Montagabend etwa 130 Zuhörer eingefunden, um Leif-Erik Holm, AfD-Fraktionsvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, zu hören.

Der 47-Jährige sei ein „sympathischer Mensch“, kündigt ihn Jens Ahrends von der Oldenburger AfD an. „Wir brauchen Leute wie ihn, damit die Menschen merken, dass wir ganz normal sind.“ Das sehen die etwa 20 Anti-AfD-Demonstranten vor dem Gasthaus vermutlich anders. Sie haben sich umgeben von etwa 30 Polizisten auf der anderen Straßenseite positioniert und halten Transparente hoch. „Die AfD ist scheiße“ ist darauf unter anderem zu lesen.

Um Kraftwörter ist man auch im Saal nicht verlegen. „Pfui“, „Schweinerei“ und „Frechheit“ rufen Zuhörer, als Holm ans Rednerpult tritt und auf die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, zu sprechen kommt. Diese habe gesagt, es gebe keine spezifische deutsche Kultur. „Wir haben eine sehr spezifische deutsche Kultur – unsere mittelalterlichen Städte und Hansestädte zum Beispiel“, widerspricht Holm. Inhaltlich habe sein Parteifreund Alexander Gauland recht, der die in Hamburg geborene Tochter von Gastarbeitern „in Anatolien entsorgen“ möchte. Dem Publikum gefällt‘s.

Holm beklagt, dass in einigen Großstädten 38 Prozent der Kinder und deutschlandweit ein Viertel der Menschen einen Migrationshintergrund habe. Bald gebe es keine Mehrheit der Deutschen in Großstädten. „Diese Entwicklung muss aufgehalten werden“, fordert er. Dabei setzt der AfD-Politiker auf die Kontrolle der Grenzen. Zwar „will niemand, dass jemand im Mittelmeer ertrinkt“, aber der „Shuttle- oder Taxi-Service von der lybischen Küste nach Italien“ sei ein falsches Signal. Früher hätten Flüchtlinge mit ihren Booten noch in die Nähe von Lampedusa kommen müssen. Nun „werden die Koffer gepackt“.

Unter den Flüchtlingen sind viele Muslime, denen Holm zwar zugesteht, dass „niemand etwas dagegen hat, wenn sie privat ihren Glauben leben“, aber „was wir erleben, ist eine gefährliche Ideologie“. Diese sei für Terroranschläge verantwortlich. Der fundamentalistische Islam strebe nach der Weltherrschaft. „Das möchte ich nicht für Deutschland“, so der 47-Jährige.

„Wir sind auf einem guten Weg“

Holm, der über die „Mission der AfD“ sprechen wollte, meint, es gehe darum, den „Wind der 68er“ zu drehen. „Das wird dauern, aber wir sind auf einem guten Weg.“ Die Partei sei bereits in 13 Landtage in Folge eingezogen. „Glückwunsch, sie sind die nächsten“, gratuliert er dem Publikum mit Blick auf die Landtagswahl am 15. Oktober in Niedersachsen. Die Anwesenden erheben sich und klatschen ausdauernd, als Holm mit seiner Rede fertig ist.

Die Antifa ist inzwischen abgezogen, auf dem Parkplatz steht zwischen vielen normalen Autos noch ein Polizeifahrzeug. Nur die Sicherheitskräfte, die nach wie vor die Tür des Landhauses Otte bewachen, erinnern daran, dass es keine ganz gewöhnliche Veranstaltung war.

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