Urteil im Prozess wegen vorgetäuschten Raubs

Angeklagter droht Zeugen

Wildeshausen/Ahlhorn - Mit einer Flut von Beleidigungen stürmte ein 25-jähriger Angeklagter am Mittwochmorgen aus einem Saal des Amtsgerichts Wildeshausen. „Ich fahre zu dem nach Hause, Sie können die Polizei schon mal hinschicken und den Krankenwagen“, brüllte der junge Mann, der gerade wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und Vortäuschens einer Straftat zu einer Geldstrafe in Höhe von 1 575 Euro verurteilt worden war. Die Drohung richtete sich gegen den Onkel des Mannes, dessen Aussage ihn belastet hatte.

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, den Raub eines Smartphones inszeniert zu haben (wir berichteten). Er soll sich abends im Oktober 2015 in Ahlhorn mit einem Jugendlichen, der sein Handy verkaufen wollte, getroffen haben. Währenddessen soll eine dritte Person dazu gekommen sein, den Angeklagten angegriffen haben und mit dem Telefon verschwunden sein. Laut Überzeugung der Richterin und der Staatsanwaltschaft waren der Raub vorgetäuscht und der Angreifer ein Komplize des Angeklagten. Der 25-Jährige bestritt die Tat entschlossen.

Sein Onkel sollte Licht in die Angelegenheit bringen. Er war am ersten Prozesstag, Montag, als Zeuge geladen, beherrscht die deutsche Sprache aber nicht und brauchte einen Dolmetscher. Mit diesem wurde das Verfahren am Mittwoch fortgesetzt. „Ich wurde für die Tat verdächtigt, aber ich war es nicht“, erklärte der 35-jährige Onkel. Er habe gehört, wie ein Bekannter erzählte, er hätte etwas damit zu tun gehabt, also habe er ihn angerufen und das Gespräch aufgenommen, um sich zu schützen. Er bat den Mann, mit ihm zur Polizei zu gehen, um ihn zu entlasten. Gegen diesen Verdächtigen läuft ebenfalls ein Verfahren, er soll sich in den Libanon abgesetzt haben. Durch das Telefonat wurde auch der Angeklagte belastet.

„Der Mann möchte uns etwas vormachen“

Die Staatsanwaltschaft ließ sich angesichts der Beweise – unter anderem war das Smartphone nach dem Diebstahl beim Haus des Angeklagten geortet worden – von der Unschuldsbeteuerung des 25-Jährigen nicht beirren. „Er hat die Tat geplant, und die Einlassung ist nicht überzeugend“, so die Staatsanwältin. „Die Aussagen der Zeugen waren alle nachvollziehbar, der Mann möchte uns etwas vormachen.“ Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin die anfangs erwähnte Strafe für den bereits in einem früheren Verfahren wegen Hehlerei verurteilten Mann.

Das letzte Wort vor dem Urteil hatte der Angeklagte. „Das ist alles Schwachsinn, ich bin zu 100 Prozent sicher, ich war das nicht“, erklärte der 25-Jährige wütend. Sein Vater saß im Publikum und mischte sich ein, woraufhin die Richterin mit einem Rausschmiss drohte.

Die Vorsitzende fällte schließlich das Urteil und folgte dabei dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Zu einer Begründung kam es allerdings nicht mehr, weil der Angeklagte die Richterin rüde unterbrach: „Ich zahle nix!“ Anschließend zerriss er seine Unterlagen, die er für das Verfahren mitgebracht hatte, und stürmte wütend mit seinem Vater aus dem Raum. J ln

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