Sylvia Varnhorn kämpft für die Integration

Immer im Einsatz für die Außenseiter der Gesellschaft

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Sylvia Varnhorn (70) hat mehr als eine Handvoll Ehrenämter in Ahlhorn inne. 

Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Wer wissen will, wie viele Ehrenämter Sylvia Varnhorn in Ahlorn und umzu ausübt, sollte etwas Zeit mitbringen. Die 70-Jährige steht Menschen bei, die im Hospiz, im Seniorenwohnheim und in der Justizvollzugsanstalt Vechta leben. Zudem ist sie Plattdeutsch-Beauftragte der Gemeinde Großenkneten sowie Gästeführerin. Und auch in der katholischen Kirche sowie bei Kolping engagiert sich die umtriebige Frau. 

Besonders am Herzen liegt ihr die Betreuung von Asylbewerbern. Das hängt auch mit ihrer Herkunft zusammen: Ihre Familie flüchtete in den 1940er-Jahren aus Schlesien. Varnhorn wuchs in Visbek auf – als Außenseiterin. Nicht zuletzt das hat dazu geführt, dass sie sich für die Belange von Menschen einsetzt, die ein wenig abseits stehen.

Mittlerweile ist es schon zweieinhalb Jahre her, dass alle paar Tage Busse mit Flüchtlingen in Wildeshausen hielten und Menschen in der Turnhalle des Gymnasiums sowie der BBS wohnen mussten. Die Integration der damals übereilt in die Kreisstadt geschickten Asylbewerber ist zu großen Teilen die Sache von Ehrenamtlichen wie Varnhorn, die die Aufgabe mit unvermindertem Ehrgeiz angeht. 

„Es macht einfach Freude“, sagt sie, wenn sie von ihren Besuchen bei Familien aus Syrien oder dem Irak in Ahlhorn berichtet. Die 70-Jährige informiert über Formulare, fährt auch mal Frauen und Kinder zum Arzt oder beantwortet Fragen. „Die Männer sind natürlich etwas zurückhaltend, aber die Frauen fallen einem um den Hals“, sagt die Integrationslotsin mit ihrer rauen Raucherstimme.

„Das Leben hat mich gelehrt, keine Berührungsängste zu haben“

Durch ihren eigenen Flüchtlingshintergrund und ihren Sohn, der Autismus hat, wuchs ihr Bedürfnis, sich für Außenseiter einzusetzen. „Ich bin doch kein toller, guter Mensch. Aber das Leben hat mich gelehrt, keine Berührungsängste zu haben“, betont die Frau energisch. Immer wieder rudern ihre Hände durch die Luft, während sie erzählt. Große Ringe schmücken ihre Finger. Die Nägel sind dunkelrot lackiert. Varnhorns gemusterte Brille steckt in den braunen Haaren.

Bei all ihrem Engagement für Flüchtlinge merkt die 70-Jährige, die lange Zeit als Verkäuferin in Cloppenburg arbeitete, aber auch, dass längst nicht jeder so denkt wie sie. Unterschwellig spüre sie oft Abneigungen gegen Ausländer, erzählt Varnhorn. „Ganz normale, unbescholtene Bürger sagen manchmal Sachen, das glaubt man nicht“, weiß sie zu berichten. „Stellen Sie sich vor, vier, fünf junge Asylbewerber wohnen in einem Haus. Und jeder hat Angst, da im Dunkeln vorbeizugehen, anstatt die Männer mal zum Kaffee einzuladen“, appelliert sie an die Bevölkerung, Kontakte zu den Zuwanderern zu suchen. „Flüchtlinge sind sonst oft unter sich“, meint Varnhorn, die befürchtet, dass sich Parallelgesellschaften bilden. Einer Gefahr, der sie damit entgegenwirkt, einfach mal spontan beim ausländischen Nachbarn zu klingeln. Die freuen sich, wenn „Oma Sylvia“ vorbeikommt.

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