Lesung am 9. November in Emstek

Autorin Hella Vollmer schreibt Autobiografie 

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Die 70-jährige Hella Vollmer hat eine Autobiografie mit dem Titel „In der Bettpfanne geboren“ verfasst. Die Ahlhornerin erzählt darin, wie sie als Flüchtling in den 1940er- und 1950er-Jahren in der Region aufgewachsen ist. 

Ahlhorn - Von Ove Bornholt. In ihrem 174-seitigen Buch „In der Bettpfanne geboren“ schildert die Ahlhornerin Hella Vollmer, wie sie als Flüchtlingskind in Goldenstedt, einem Kinderheim in Diepholz und mehreren Pflegefamilien aufwuchs. Die inzwischen 70 Jahre alte Frau hat ihren Humor und ihre positive Lebenseinstellung trotz ihrer schwierigen Kindheit behalten, kann sich aber immer noch leidenschaftlich über Ungerechtigkeit aufregen.

„Achtung: Hier wacht ein Neufundländer“ steht auf einem roten Schild am Holzzaun von Vollmer. Die lebenslustige Seniorin wohnt mit ihrem Mann umgeben von alleinstehenden, teilweise hübsch zurechtgemachten Einfamilienhäusern in eben einem solchen an einer Nebenstraße in Ahlhorn. Sie hat ihre liebe Mühe, den Hund an der Tür unter Kontrolle zu bringen, der freudig auf und ab springt. Zum Glück handelt es sich nicht um einen Neufundländer, sondern einen kleineren Mischling, der niemandem ein Haar krümmt. Er ist erst seit ein paar Monaten bei Vollmer.

Die redselige und schlagfertige Seniorin mit den roten Fingernägeln macht einen sehr frohen und optimistischen Eindruck. Nichts deutet auf eine Kindheit unter schwierigen Bedingungen hin. Wie es damals war, als Flüchtlingskind in Goldenstedt aufzuwachsen, erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau, die auch mal Auspuffe schweißte, in ihrem Buch, das im Dezember vorigen Jahres im Stuttgarter Verrai-Verlag erschienen ist. Wer sich einen Eindruck von Vollmer verschaffen will, kann ihre Lesung am Donnerstag, 9. November, ab 19.30 Uhr in der katholischen Bücherei an der Anton-Wempe-Straße 4 in Emstek besuchen.

Eltern kommen wegen des Krieges nach Goldenstedt

Vollmers Geschichte beginnt mit ihrer Geburt 1947. Ihre Eltern waren im Ruhrgebiet ausgebombt und nach Goldenstedt gebracht worden. Ihre Mutter, im siebten Monat schwanger, kam damals geschwächt ins Krankenhaus und erhielt eine Bettpfanne, weil sie nicht mehr aufstehen und zur Toilette gehen konnte. In diese Pfanne plumpste dann die kleine Hella, die sich immer durchkämpfen musste, wie sie erzählt. Der Vater sei ein Säufer gewesen, der ihre Mutter geschlagen habe. „Ich hatte kein Verhältnis zu meinen Eltern, da war nichts“, so Vollmer.

Sie sei zum Kartoffelklauen auf die Felder geschickt worden. Die Bauern hätten teilweise auf die Diebe geschossen, aber als Kind sei sie klein genug gewesen, um in die Furchen zu passen. Als Flüchtlingskind habe sie es später in der Schule schwer gehabt und kam mit sechs Jahren ins Heim nach Diepholz. Und das voller Freude. „Endlich, da waren ja andere Mädchen und Jungen, mit denen ich spielen konnte.“

Keine Bitterkeit über schwierige Kindheit

Das Wort Heimweh kommt ihr nicht über die Lippen. Aber es ist auch keine Bitterkeit über diese ersten, nicht einfachen Jahre ihres Lebens zu spüren. Zwei Pflegefamilien lief sie davon, weil sie geschlagen worden sei, wie sie erzählt. „Wenn man mich ungerecht behandelt, mich schlägt, dann bin ich weg“, sagt sie.

Bei der dritten Pflegefamilie, bei der auch einer ihrer zwei Brüder lebte, wohnte sie schließlich länger und machte später eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Ende der 1960er-Jahre kamen drei Kinder zur Welt, Mitte der 70er folgte das vierte und letzte. Sie und ihr Mann hatten sich ein Haus in Langförden gebaut und übernahmen 1983 die Bahnhofsgaststätte in Ahlhorn. Doch nach drei Jahren war Schluss. Sowohl die Zeit als Wirtin als auch die Ehe waren am Ende.

In der Folge kam Vollmer viel herum, arbeitete in der Verpackung einer Schlachterei, bei der Putenbrüterei Grotelüschen in Ahlhorn und als Hauswirtschafterin, bevor sie schließlich in Rente ging. Inzwischen hatte sie wieder geheiratet, einen 16 Jahre jüngeren Mann.

Das alles wäre der Öffentlichkeit wahrscheinlich nie bekanntgeworden, wenn die Seniorin nicht in ihrem Fitnesscenter von der Bettpfannen-Geburt erzählt hätte. Daraus entstand das Buch, das – man kann das so sagen – frei Schnauze verfasst ist. „Ich schreibe, wie ich spreche“, meint Vollmer mit einem Lachen.

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